Baustellen-Marathon

S-Bahn-Arbeiten werden zur Geduldsprobe für Pendler

Die Bahn saniert für 470 Millionen Euro das Schienennetz im Nordosten. Berlins S-Bahn wird zur Baustelle, zum Leidwesen der Fahrgäste.

S-Bahn-Fahrgäste müssen sich in den kommenden Monaten in Geduld üben

S-Bahn-Fahrgäste müssen sich in den kommenden Monaten in Geduld üben

Foto: Lukas Schulze / dpa

Bahn- und S-Bahnnutzer in Berlin und Brandenburg müssen sich auch im Jahr 2016 auf Verspätungen durch Zugausfälle, Ersatzverkehr und geänderte Taktzeiten einstellen. Im Nordosten Deutschlands werde es bis zu 100 Baustellen täglich geben, kündigte das Verkehrsunternehmen am Donnerstag an. Die Deutsche Bahn investiert in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 470 Millionen Euro.

Das sind die größten Bauprojekte an Gleisanlagen in Berlin:

  • Vom 18. März bis 18. April werden zwischen Westend und Halensee (S41, S42, S46) auf einer Strecke von zwei Kilometern Weichen und die Stromschienen erneuert. „Da wird jede Menge Schotter bewegt“, sagt doppeldeutig ein Projektleiter. Es geht um 5000 Tonnen und 3,8 Millionen Euro. Die Bahn rät, den Streckenabschnitt mit den U-Bahnlinien U2, U7 und U9 der BVG zu umfahren oder den Schienenersatzverkehr mit Bussen zu nutzen.
  • Vom 18. März an ist auch die S-Bahn auf der Linie S3 zwischen Köpenick und Rahnsdorf von den Arbeiten an der Ausbaustrecke Berlin–Frankfurt (Oder) betroffen, die für eine Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometern ausgebaut wird. „Diese Strecke wird uns noch über Jahre beschäftigen“, so Konzernbevollmächtigter Alexander Kaczmarek. Dort werden Hilfsbrücken eingebaut und die Eisenbahnbrücke über die Bölschestraße/Dahlewitzer Landstraße durch ein Rahmenbauwerk für eine Schallschutzwand ergänzt. Die Durchfahrt in Friedrichs­hagen ist bis Ende November nur zu Fuß zu passieren.
  • Die westliche Berliner Stadtbahn erhält von Mai an das neue Zugbeeinflussungssystem S-Bahn. Dabei wird das alte mechanische durch ein elektronisches System ersetzt. Diese Arbeiten sollen nachts erfolgen.
  • Die Arbeiten am Ostkreuz und Bahnhof Warschauer Straße werden fortgesetzt. Dazu wird es erforderlich, den Bahnhof Rummelsburg für ein Jahr zu schließen, wie Kaczmarek sagte. Arbeiten sind auch auf Bahnhöfen geplant. So ist ein Austausch von Personenaufzügen am Gesundbrunnen, Westend, Friedrichstraße, Staaken, Zehlendorf, Jannowitzbrücke, Messe Süd, Wedding und Oranienburger Straße geplant.
  • Im Bahnhof Friedrichstraße werden die Maßnahmen zur Verbesserung des Brandschutzes, der Anlagen und der Vermarktung bis zum Herbst abgeschlossen.
  • Im Bahnhof Zoologischer Garten wird der künftige Mieter der „Terrassen am Zoo“ sein Restaurant im Spätsommer eröffnen. Bis Ende des nächsten Jahres werden weitere Flächen im Erd- und Zwischengeschoss saniert.
  • Die Eröffnungsfeier für den sanierten Bahnhof Gesundbrunnen ist für das zweite Quartal geplant. Auch jenseits der Stadtgrenzen müssen Bahnkunden mit Verzögerungen rechnen und dürfen sich – anders ausgedrückt – auf eine moderne Infrastruktur im Land Brandenburg freuen:
  • Am 18. März beginnt eine Reihe von Arbeiten an der S-Bahnstrecke Griebnitzsee–Babelsberg (S7). Bis Ende Juni erneuert die Bahn für rund 3,6 Millionen Euro 6,4 Kilometer Schienen, 1400 Schwellen, Weichen und Stromschienen. Insgesamt werden dort 5000 Tonnen Schotter ausgetauscht. Im Bahnhof Babelsberg werden außerdem Stützmauer und Bahnsteig saniert. Zwischen 18. März und 27. Juni wird es Schienenersatzverkehr geben.
  • Vom 18. März bis 29. April werden auf der S5 zwischen Hoppegarten und Fredersdorf 5,3 Kilometer Gleis und die Stromschienen ersetzt. In den Gesamtkosten von 4,3 Millionen Euro sind auch 6100 Tonnen neuer Schotter enthalten.
  • In Zepernick geht ein elektronisches Stellwerk in Betrieb, mit dem zukünftig die S-Bahnzüge zwischen Karow und Bernau gesteuert werden sollen.
  • Im August beginnen die Arbeiten an der Ausbaustrecke Berlin–Dresden im Rahmen einer 16-monatigen Vollsperrung zwischen Wünsdorf und Elsterwerda. In der Sperrpause wird die Strecke einschließlich aller Sicherungsanlagen und der Bahnübergänge umgebaut.
  • Weitere Bauarbeiten sind in Dannenwalde, auf der Ostbahn, zwischen Fürstenwalde und Bad Saarow, zwischen Ziltendorf, Welmitz und Peitz, Priort und Golmsowie zwischen Grünau und Königs Wusterhausen geplant. Zwischen Wriezen und Seelow gehen die Arbeiten der Modernisierung der Strecke Eberswalde–Frankfurt (Oder) weiter.
  • Fortgesetzt werden die Arbeiten am Jahrhundertprojekt S21, die den Hauptbahnhof mit dem Nordring verbinden soll. Sie stellt eine ingenieurtechnische Herausforderung dar, weil sie den Hauptbahnhof unterquert. Ein Wassereinbruch sorgte zuletzt für Verzögerungen. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich bei der Bahn die sogenannten Fußtapsen. Das sind Fußabdrücke, die zu Tausenden den Weg von Umleitungen in Baustellenbereichen weisen.