Stadtplanung

Neue Hochhauspläne für Berlins Mitte

Dichter und höher sollen die Häuser in Berlin werden. Anwohner fürchten ein Verkehrschaos durch die "Urbane Mitte".

Am Bahnhof Gleisdreieck soll die „Urbane Mitte“ entstehen

Am Bahnhof Gleisdreieck soll die „Urbane Mitte“ entstehen

Foto: Stephen Weber / Ortner&Ortner

Berlins Gesicht wird sich durch den starken Einwohnerzuwachs in den kommenden Jahren verändern. „Deutlich dichter und deutlich höher“ werde in der Stadt künftig gebaut werden müssen, betont Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) nahezu auf jeder Bürgerversammlung – und zuletzt wieder am Mittwochabend vor 600 Zuhörern in Pankow.

Doch viele Berliner stehen diesen Plänen skeptisch gegenüber – insbesondere, wenn die Quartiere in den Himmel wachsen sollen – wie aktuell in unmittelbarer Nähe vom Potsdamer Platz. Dort plant die Copro Gruppe auf einem 43.000 Quadratmeter großen Areal am Bahnhof Gleisdreieck die „Urbane Mitte“, ein Bauvorhaben mit fünf bis sieben Türmen mit einer Höhe von 60 bis 90 Metern. Entstehen sollen Büros, ein Hotel, Einkaufsmöglichkeiten, eine Sport- sowie eine Kunsthalle.

Anwohner kritisieren Bauvorhaben am Gleisdreieck

Noch bis zum 15. März läuft die frühzeitige Bürgerbeteiligung zu dem Projekt – gegen die die Anwohnerinitiative Gleisdreieck bereits zahlreiche Einwände gesammelt hat. „Schon jetzt stößt der Straßenverkehr in der näheren Umgebung an seine Belastungsgrenze“, sagt Patrick Vater.

Dies gelte insbesondere für die Luckenwalder Straße, die regelmäßig verstopft sei, wenn im Kongresszentrum „Die Station“ eine Veranstaltung stattfinde. Das neue Quartier grenzt nördlich an die Luckenwalder Straße, östlich an den U-Bahnhof Gleisdreieck und westlich an den Park am Gleisdreieck. Doch die in der Präsentation der Wettbewerbsergebnisse angeführte Aussage, dass der überwiegende Teil der künftigen Nutzer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, überzeugt die Anwohner nicht.

Durch Hochhäuser mit einer Höhe von bis zu 90 Metern und 24 Geschossen verliere der Park stark an Freiraumqualität, befürchtet die Initiative weiter. Die geplanten Gebäude würden künftig das Bild dominieren und das Gelände des Parks extrem verschatten. Zudem sei in der Nachbarschaft über das Projekt so gut wie gar nicht informiert worden.

Workshops sollen über Projekte informieren

„Es gab keine Wurfsendungen an die Haushalte, wir haben erst durch die Presse von dem Projekt erfahren“, so Vater. Diese Kritik lässt der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Hans Panhoff (Grüne), jedoch nicht gelten. „Wir hatten allein im vergangenen Jahr drei Workshops mit öffentlicher Beteiligung“, so Panhoff. Zudem seien sämtliche Planungsschritte auf der Internetseite „www.urbane-mitte.de“ dokumentiert.

Die inhaltlichen Kritikpunkte der Initiative seien zwar verständlich. „Aber gerade weil es sich um eine frühzeitige Bürgerbeteiligung handelt, liegen eben noch nicht alle Konzepte und Gutachten vor“, so der Stadtrat. Panhoff verhehlt jedoch nicht, dass auch er sich eine weniger massive Bebauung gewünscht hätte: „Das Land Berlin hat damals zugestimmt, dass das Areal massiv bebaut werden darf, um dadurch die Anlage des Parks zu finanzieren.“

Wolle man dies jetzt verhindern, müsste der Bezirk das Gelände kaufen. „Doch das Geld haben wir nicht“, stellt Panhoff klar. Nach dem alten, noch mit der Bahn geschlossenen Rahmenvertrag wäre sogar eine Bebauung mit bis zu 150.000 Quadratmetern möglich gewesen. Der jetzige Entwurf sehe dagegen nur 100.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche vor.

Spektakulärer Entwurf für 166 Meter hohen Turm in Mitte

Während viele Berliner weiteren Hochhausplanungen auch am Alexanderplatz oder in der City West skeptisch gegenüberstehen, beflügelt die Idee einer Berliner Skyline Investoren und Planer aus aller Welt. So haben amerikanische und russische Investoren, wie berichtet, bereits konkrete Baupläne für zwei 150 Meter hohe Türme am Alexanderplatz in Mitte vorgelegt. Seit einigen Tagen sorgt nun jedoch im Internet der Entwurf für einen weiteren, 166 Meter hohen „Kaleidoscope“-Tower für Aufsehen, der „zwischen Alexanderplatz und Hackescher Markt“ angesiedelt sein soll.

Entworfen haben den gestapelten Wolkenkratzer mit der markanten Metallfassade die beiden Architektinnen und 3-D-Grafikerinnen Sandra Ferminnan und Silvia Spagnoletta. „Uns kam die Idee zu dem Turm nach einem Besuch in Berlin“, sagen die beiden in Paris lebenden Gestalterinnen. Sie seien beeindruckt von der Rolle, die Architektur in der Stadt spiele, das habe sie inspiriert.

„Unser Turm ist kein Auftragswerk eines Investors, sondern ein Vorschlag, von dem wir hoffen, dass die Berliner ihn wohlwollend diskutieren werden“, sagte Ferminnan der Berliner Morgenpost. Der Turm würde gut zur künftigen Identität der Stadt passen, sind die beiden überzeugt.