Leipziger Platz

Flaute in der Mall of Berlin - Händler denken ans Aufgeben

Mit viel Brimborium eröffnete die "Mall of Berlin". Doch viele Ladeninhaber klagen inzwischen über wenig Umsatz und hohe Mieten.

An einem Werktag in der „Mall of Berlin“ am Leipziger Platz: Nur wenige Kunden besuchen das Einkaufszentrum

An einem Werktag in der „Mall of Berlin“ am Leipziger Platz: Nur wenige Kunden besuchen das Einkaufszentrum

Leere Rolltreppen, freie Plätze in den Ruhezonen, vereinzelt Kunden in den Läden der Mall of Berlin, dem zweitgrößten Einkaufszentrum der Hauptstadt. Gut besucht ist nur der Restaurantbereich. Dort sind am Mittwoch um die Mittagszeit fast alle Plätze besetzt. Händler kleinerer Läden klagen über schlechte Umsätze und hohe Mieten. Vor einzelnen Läden sind die Jalousien heruntergelassen. Das Centermanagement äußert sich nicht zu den Klagen seiner Mieter.

Offiziell will sich auch kaum ein Verkäufer zu den offensichtlich schlechten Geschäften äußern. An Wochenenden und in der Ferienzeit kämen wenigstens Touristen, heißt es in einem Jeansladen. Das hat auch die Verkäuferin einer Ledermanufaktur beobachtet. Und die Mitarbeiter in einigen Boutiquen klagen über ausbleibende Kunden.

„Der Umsatz ist grottenschlecht. Ich habe mir das Dreifache erhofft“, sagt ein Einzelhändler, der seinen Namen und seine Branche nicht in der Berliner Morgenpost lesen möchte. Er kann die Marktsituation beurteilen, denn in elf anderen Berliner Einkaufszentren betreibt er funktionierende Geschäfte. Er habe einen Mietvertrag über zehn Jahre abschließen müssen, bezahle mehr als 80 Euro Miete pro Quadratmeter. Das wolle erst mal erwirtschaftet werden. „Sieben oder acht Nachbar-Händler haben bereits dichtgemacht“, sagt er.

Zentren am Potsdamer Platz fehlt gewachsenes Umfeld

Hinzu komme eine Betriebskostenerhöhung wegen der Brandwachen, die bis Herbst 2015 in dem Zentrum patrouillieren mussten, sagt der Einzelhändler. Die Brandwachen waren erforderlich geworden, weil die Brandmeldezentralen Alarmsignale zur Feuerwehr nicht weiterleiten konnten.

Der Händler sieht ein Grundsatzproblem: „Der Potsdamer und Leipziger Platz funktionieren nicht als Einkaufszentrum.“ Zu weitläufig ist das Gebäude, zu wenig eingebunden in ein städtisches Umfeld. Zu wenige Berliner wohnen dort, Touristen füllen die Straßen. Hinzu komme eine schlechte Vermarktung. „Beworben werden Marken von Armani bis Zara. Normalverbraucher werden nicht angesprochen.“ Es gebe zu wenige Aktionen und keine auffällige Außenwerbung. Wer nicht wisse, dass in dem Gebäude am Leipziger Platz 12 ein Einkaufszentrum sei, werde die Mall kaum entdecken, klagt der Händler.

>>>Mall of Berlin kündigt ihren ersten Mietern<<<

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin sieht den Potsdamer Platz mit seinen Arkaden, der Mall und dem vielfältigen Angebot an Shopping, Kultur und Gastronomie vor allem als „Magnet für Touristen“, wie IHK-Sprecher Leif Erichsen sagt. „Als Einkaufsort muss er erst noch von den Berlinern entdeckt werden.“ Zumal: Überall in Berlin gebe es individuelle Kieze mit attraktiven Einkaufserlebnissen. „Dafür ist unsere Stadt schließlich über die Grenzen hinaus bekannt“, so Erichsen.

Auf die Wiederentdeckung des Leipziger Platzes hofft auch Nils Busch-Petersen, Chef des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Deshalb mahnt er zur Geduld: „Der Leipziger Platz ist ein alter Handelsplatz und dabei, sich neu zu finden.“ Neue Einkaufszentren bräuchten Zeit. Zehn bis 15 Prozent Abgänge und Neubesetzungen seien in den ersten Monaten normal. Er berichtet von Gesprächen mit Ladenmietern, die an diesen Standort glauben. „Die Lage ist nicht so dramatisch.“

Senatswirtschaftsverwaltung sieht den Einzelhandel im Plus

Die Senatswirtschaftsverwaltung sieht im Einzelhandel zwei Trends. „Der Berliner Einzelhandel hat im vergangenen Jahr 5,2 Prozent mehr Umsatz gemacht als im Vorjahr und damit fast doppelt so viel wie der Einzelhandel im Bundesdurchschnitt“, sagt Sprecherin Claudia Hamboch. Die Zahl der Beschäftigten stieg 2015 um 2,2 Prozent. Andererseits werden nicht mehr so viele Einkaufszentren in Berlin neu eröffnet.

67 Shoppingcenter mit einer Verkaufsfläche von 1,4 Millionen Quadratmetern laden in Berlin zum Shoppen ein. 1965 schwappte der Trend zum Einkaufszentrum nach Berlin, als das Europa-Center am Breitscheidplatz in der City West mit 70 Shops eröffnete. Einer Statistik des Senats zufolge sind die Gropius Passagen in Neukölln (160 Geschäfte auf 100.000 Qua­dratmetern), die Mall of Berlin (270 Geschäfte auf 76.000 Quadratmetern) und der Boulevard Berlin in Steglitz (120 Geschäfte auf 76.000 Qua­dratmetern) die Shoppingcenter mit den größten Verkaufsflächen in Berlin. Auf den weiteren Plätzen folgen das Alexa in Mitte, das Märkische Zentrum in Reinickendorf und das Ring-Center in Lichtenberg.

Einzig der Filialleiter von Renger’s Profi-Haar-Shop in der Mall ist bereit, seine Meinung offen zu sagen. Das Geschäft mit Friseur-Dienstleistungen laufe gut, der Verkauf von Haarpflegeprodukten könnte besser sein, sagt Thiemo Willumat. Filialen in anderen Einkaufszentren wie zum Beispiel im Alexa oder im Schloss in Steglitz liefen jedoch besser, lautet seine Einschätzung. Er sehe seine Filiale aber eineinhalb Jahre nach der Eröffnung des Einkaufszentrums in Mitte auf einem Wachstumspfad. Wenigstens er ist optimistisch.

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