Tourismusbörse

Den Anfang machten auf der Berliner ITB nur fünf Länder

Die Internationale Tourismusbörse wird dieses Jahr 50 Jahre alt. Angefangen hat die ITB ganz klein - mit nur fünf Ländern.

Lang ist es her: Venezianische Stimmung am ITB-Stand von Italien

Lang ist es her: Venezianische Stimmung am ITB-Stand von Italien

Foto: ITB / BM

Es ist ein runder Geburtstag: In den 26 Messehallen unter dem Funkturm in Charlottenburg beginnt am heutigen Mittwoch die 50. Internationale Tourismusbörse (ITB). Bis zum Sonntag stellen sich 187 Länder mit rund 10.000 Ausstellern auf der weltweit größten Reisemesse vor.

An mehr als 1000 Messeständen werden die neuesten Trends und Produkte der Tourismusbranche vorgestellt. Im Vorjahr besuchten rund 175.000 Gäste die Messe, unter ihnen 115.000 Fachbesucher. Mit der 50. Auflage der ITB feiert die Messe Berlin eine Erfolgsgeschichte, die auf anderen Kontinenten fortgesetzt werden soll.

Am Mittwoch wird die Messe Berlin nämlich auch die Verträge für die ITB China unterzeichnen. Ab Mai 2017 wird dann die ITB China jährlich in Schanghai stattfinden. Damit biete die weltweit führende Messe der internationalen Reiseindustrie dem rasant wachsenden Reisemarkt Chinas eine eigene Plattform, heißt es. Diese werde gemeinsam mit starken Partnern gegründet.

Bereits 2008 hatte man die ITB Asia in Singapur erfolgreich ins Leben gerufen. Auch auf der diesjährigen Messe verzeichnet der Veranstalter eine auffällig starke Beteiligung im Bereich „Travel Technology“ aus China. Diverse chinesische Onlineanbieter sind auf der Messe vertreten.

„Wir freuen uns über eine kostant hohe und internationale Beteiligung der Aussteller zur Jubiläumsausgabe der ITB Berlin, die damit wieder beste Voraussetzungen für weltweite Geschäfte bietet“, sagte Messechef Christian Göke am Dienstag.

„Angesichts von Terroranschlägen in beliebten Reisegebieten und einer spürbaren Verunsicherung beim Verbraucher benötigt die Branche zum Saisonauftakt einen kräftigen Schub.“ Die ITB sei der beste Marktplatz der Branche und könne als Treffpunkt der globalen Reiseindustrie ein Aufbruchssignal setzen.

Von turbulenten Zeiten, die viele Herausforderungen für die Reisebranche bereit hielten, sprach Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW). „Das gilt für das Thema Sicherheit genauso wie für die weiter anhaltenden Flüchtlingsströme oder den galoppierenden digitalen Wandel.“

Dennoch rangiert der Urlaub bei den Konsumausgaben der Deutschen ganz vorn. „Im Vergleich zu sonstigen Anschaffungen genießt Urlaub die höchste Priorität“, berichtete das Marktforschungsunternehmen GfK in Nürnberg am Dienstag. Bislang lägen die Buchungen für Sommerurlaube noch unter dem Vorjahresniveau.

„Das liegt an der Verunsicherung vieler Urlauber angesichts der Terrorgefahr, an ihrer Ausgabefreudigkeit liegt es nicht“, betonte die GfK. Verlierer sind derzeit die Türkei, Ägypten und Tunesien. Ende Januar lagen die bisherigen Sommerbuchungen laut Deutschem Reiseverband mit 40 Prozent und mehr deutlich unter den Vorjahreszahlen. Das drücke derzeit auf die Entwicklung des gesamten Reisemarktes.

Dennoch würden die Deutschen nicht am Urlaub sparen. Die Türkei präsentiert sich in diesem Jahr auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin erstmals in einer eigenen Halle – trotz oder gerade wegen der derzeitigen Lage.

Mit den Vatikanischen Museen aus dem Territorium Vatikanstadt konnte die Messe auch in diesem Jahr ein neues Land gewinnen.

Manfred Busche plante die Erweiterung im Jahr 1966

Begonnen hatte alles 1966 mit einer Idee von Manfred Busche. „Wir waren der Meinung, dass uns etwas auf der Messe Berlin fehlt, und dachten über eine Erweiterung nach“, sagte Busche. Zuerst sei eine Jagdausstellung im Gespräch gewesen, in Anbetracht des Viermächtestatus Berlins sei die Umsetzung aber illusorisch gewesen.

„Danach kamen wir auf die Idee einer Reisemesse.“ Die Premiere feierte die ITB mit neun Ausstellern aus fünf Ländern. Ägypten, Brasilien, die Bundesrepublik Deutschland, Guinea und der Irak präsentierten sich damals auf 580 Quadratmeter Fläche vor 250 Fachbesuchern. Aber der Anfang war nicht einfach, so der 82-jährige Busche. „Die Fachwelt hatte uns anfangs nicht angenommen und nicht verstanden, was wir wollten“, sagte er.

„Der Vorteil war, dass uns keiner reingeredet hat.“ Erst ab der achten Messe, als es gut lief, wurde man ernst genommen und rief die Kritiker auf den Plan. „Eine tolle Messe, aber sie gehöre nicht nach Berlin, warfen uns Leute aus der Branche vor“, berichtete der ITB-Gründer. Der deutsche Fremdenverkehr hatte ebenfalls gegen die ITB gewettert. „Sie kritisierten, dass wir die Deutschen in die Ferne locken wollen und damit raus aus Deutschland.“

Manfred Busche, von 1987 bis 1999 Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin, hat in den Jahren alle teilnehmenden Länder besucht. „Man kann ja da nicht einfach ein paar Briefe schreiben, da muss man schon persönlich erscheinen.“ Viel gesehen von den Ländern habe er aber nicht, bedauert er. Meistens sei nur die Zeit für Treffen und Gespräche gewesen.

Die DDR zur ITB zu bekommen, war nach Angaben Busches problemlos. „Ich bin zum Alexanderplatz zum Haus des Reisens gefahren und habe ein paar Gespräche geführt und ihnen gesagt, dass sie willkommen sind.“ 1986 war China erstmals auf der ITB vertreten, und 2001 kamen erstmals mehr als 10.000 Aussteller aus 181 Ländern nach Berlin.