Wohnungsbau in Berlin

Am "Pankower Tor" entsteht ein neues Stadtquartier

Nach jahrelanger Planung soll das Areal am Pankower Güterbahnhof bebaut werden. Auf dem Gelände soll ein neues Stadtquartier entstehen.

Wie wichtig dem gebürtigen Pankower sein Projekt ist, machte er am Dienstagabend in der Aula des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums deutlich: „Ich werde sehr darauf achten, dass da kein Murks passiert“, versprach Kurt Krieger den mehr als 600 Pankowern, die sich auf Einladung des Vereins „Für Pankow“ über den Stand des Projekts „Pankower Tor“ informieren wollten. Nach fast zehn Jahren Planungszeit nimmt Berlins Norden einen neuen Anlauf, um auf dem rund 40 Hektar großen Gelände des ehemaligen Rangier- und Güterbahnhofs an der S-Bahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Heinersdorf und Pankow ein neues Stadtquartier entstehen zu lassen.

Krieger will in das neue Viertel rund 500 Millionen Euro investieren. „Mir wird schwummrig, wenn ich mir die Summe vorstelle und überlege, was mir dafür alles abverlangt wird“, sagte der Unternehmer (Möbel Höffner, Sconto, Möbel Kraft). So überlässt er dem Bezirk unter anderem einen Teil des Areals für Schulen, baut eine Fahrradgarage für 1000 Räder und ebenso viele Wohnungen, von denen ein Viertel für 5,50 Euro pro Quadratmeter sozialverträglich vermietet werden sollen.

Zwei Jahre über Pläne beraten

Zwei Jahre lang hat der Bezirk Pankow über den Plänen gebrütet, die er bereits nach jahrelanger Vorarbeit von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung übernommen hatte. „Manchmal dauert es eben ein bisschen länger, bis man eine gute Lösung findet“, sagte Baustadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Das „Pankower Tor“ solle dem schnell wachsenden Bezirk ja schließlich auch Ehre machen.

Die von den Bezirksverordneten in der jüngsten Steuerungsrunde befürwortete und am Dienstagabend vorgestellte Flächenaufteilung sieht jetzt fünf Segmente vor: Zwischen Mühlenstraße und Berliner Straße entsteht ein Grundschulstandort für 400 Kinder.

Im Anschluss in östlicher Richtung schließt sich direkt am Bahnhof Pankow ein Einkaufszentrum an, das das Pankower Hauptzentrum ergänzen und aufwerten soll. Statt der Mall, wie von Krieger ursprünglich geplant, soll jedoch kleinteiliger gebaut werden. „Wir wollen hier keine mehrstöckige, dunkle Kiste wie aus den 70er-Jahren, in der dann gähnende Leere herrscht“, sagte Kirchner. Vielmehr solle an dieser Stelle ein offenes Stadtviertel mit hoher Aufenthaltsqualität und einer bunten Nutzungsmischung aus Einzelhandel, Dienstleistung und Gastronomie entstehen. Darüber, so der Stadtrat, herrsche inzwischen auch Einigkeit mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und dem Investor.

Die dritte Fläche entlang der Bahnlinie soll künftig von vier bis fünfgeschossiger Wohnbebauung geprägt sein. „Diese beiden Flächen müssen Sie sich als Chiffren vorstellen“, sagte Kirchner. Das müsse bei der Umsetzung nicht so scharf getrennt werden, wie es auf den aktuellen Plänen aussieht. Man wollte sich in der Detailplanung auch überlegen, wie man Wohnen mit Gewerbe und Handel mischen könnte. Krieger ergänzte: „Wir werden jetzt etwa zehn Architekten einladen, uns Pläne für diese Situation zu entwickeln.“ Bis Ende August, so schätze er, sei die Planung dann so weit fortgeschritten, dass man sich damit erneut einer öffentlichen Bürgerversammlung stellen könne.

Gewerbe mit eingeplant

In der Verlängerung des Dettelbacher Wegs und der Prenzlauer Promenade folgen dem Wohnen dann zwei Möbelhäuser und ein weiterer Fachmarkt sowie als Abschluss des Viertels schließlich nordöstlich der Prenzlauer Promenade ein Gemeinschaftsschulstandort für bis 1200 Kinder. „Wir haben bereits 61 Millionen Euro, um diese beiden Schulen so schnell es geht zu bauen“, sagte Kirchner auf eine Anwohnerfrage hin. Auch die denkmalgeschützten Lokschuppen sollen in die Planung integriert werden.

Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) betonte das große Interesse des Landes an der Entstehung des Quartiers „Pankower Tor“ vor allem wegen der Wohnungen. „Pankow ist der Bezirk mit dem höchsten Bevölkerungszuwachs, weshalb auch die Schulstandorte dringend erforderlich seien. Ein Argument, womit er auch die geplante Bebauung mit 5000 Wohnungen auf dem landeseigenen Areal Elisabeth-Aue rechtfertigte, die bei vielen Pankowern auf Protest stößt. Die Wohnungen sollen auf der Feld- und Wiesenfläche zwischen Französisch Buchholz und Blankenfelde entstehen.

Gemeinsam mit Bürgern soll aber ein „Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept“ (Isek) erarbeitet werden. Den Auftrag dafür erhielt die Planergemeinschaft Kohlbrenner. Zum ersten Treffen laden die Planer und der Senat am Sonnabend, 12. März, von 11 bis 16 Uhr in den Saal der Treffpunkt-Gemeinde Treffpunktgemeinde Französisch Buchholz an der Hauptstraße 64 ein.