Bürgerinbitiative

Fliegen statt wohnen am Flughafen Tegel

Eine Initiative will den Flughafen Tegel erhalten. Schon 15.000 Unterschriften wurden für die erste Stufe des Volksbegehrens gesammelt.

Sechs Monate nach Eröffnung des BER soll der Flughafen „Otto Lilienthal“ in Tegel seinen Betrieb einstellen

Sechs Monate nach Eröffnung des BER soll der Flughafen „Otto Lilienthal“ in Tegel seinen Betrieb einstellen

Foto: dpa Picture-Alliance

Es gibt gute Gründe, die Schließung des Flughafens Tegel zu überdenken. Finden jedenfalls die Bürgerinitiative „Berlin braucht Tegel“ und die Berliner FDP, angeführt von Sebastian Czaja, dem Generalsekretär des Landesverbandes der Liberalen.

Im Dezember hatte die Initiative begonnen, Unterschriften für den Antrag auf ein Volksbegehren zu sammeln, um die Berliner darüber entscheiden zu lassen, ob sie Tegel als Verkehrsflughafen dauerhaft erhalten wollen. 20.000 Unterschriften müssen hierfür innerhalb von sechs Monaten zusammenkommen – und 15.000 sind es schon.

Stichtag für die erste Stufe des Volksbegehrens ist der 8. Mai

„Wir sind auf einem sehr guten Weg“, sagte Czaja am Dienstag der Berliner Morgenpost. Seit dem 8. Dezember habe man mehr als 15.000 Unterschriften gesammelt. „Und der Zuspruch ist berlinweit groß, von Tegel bis nach Treptow-Köpenick.“ Czaja ist zuversichtlich, die Zahl 20.000 noch vor dem Stichtag 8. Mai zu erreichen, dann könne die zweite Stufe des Volksbegehrens eingeleitet werden. Damit das ein Erfolg wird, müssten sich dann aber mehr als 175.000 Berliner in die Listen eintragen.

Das Aktionsbündnis ist überzeugt davon, dass eine Fortführung des innerstädtischen Flughafens Tegel auch nach Inbetriebnahme des BER ermöglicht werden sollte. „Der Flughafen BER ist zu klein für Berlin“, sagt Czaja. „Deshalb ist Tegel notwendig, auch wenn der BER irgendwann einmal fertig sein wird. Die Erreichbarkeit der Stadt wird mit einem zweiten Flughafen einfach verbessert.“

Nach der BER-Eröffnung muss Schluss sein

Der amtliche Schließungsbeschluss für Tegel ist wegen der Verzögerungen beim BER aufgeschoben worden. Der Flughafen Tegel soll im Jahr 2018 geschlossen werden – sechs Monate, nachdem der Betrieb beider Start- und Landebahnen am BER aufgenommen sein wird. BER-Chef Karsten Mühlenfeld bekräftigte gerade erst, dass er an der geplanten Eröffnung des neuen Berliner Flughafens bis Ende 2017 festhalte.

In einer von der FDP in Auftrag gegebenen Umfrage unter rund 760 Berlinern hatten sich 71 Prozent der Befragten dafür ausgesprochen, Tegel offen zu halten. „Wir erleben ganz unterschiedliche Reaktionen“, sagt Czaja. „Ein Argument, das man etwa immer wieder hört, ist, dass man Tegel erhalten möchte, bevor man ins Ungewisse geht.“

Doch es gibt auch Kritik. So schreibt Rolf-Roland Bley von der Berliner Initiative „Bürgerinnen und Bürger gegen das Luftkreuz auf Stadtflughäfen“ in einem offenen Brief an Czaja: „Sie ignorieren vollständig die Schließungsgründe.“ Bley verweist auf die Sicherheit der Bevölkerung sowie auf den Schutz vor gesundheitsgefährdender Lärm- und Schadstoffbelastung, auf nicht vorhandene Notlandeflächen und „Kerosin-Transporte mit Tanklastwagen durch die Wohngebiete, bis zu 1,7 Millionen Liter täglich“.

Wohnungsbau statt Fluglärm

Sebastian Czaja kennt die Vorwürfe. Im Planfeststellungsverfahren war die Entlastung Berlins von Fluglärm ein Hauptargument. „Ich glaube, dass Fliegen immer sicherer wird“, sagt er. „Das Thema Fluglärm etwa wird durch die technische Entwicklung in zehn Jahren ein völlig anderes sein. Fluglärm wird minimiert werden.“ Für ihn überwiegen die positiven Aspekte. Dass Tegel im Gegensatz zum BER Jahr für Jahr einen Gewinn erziele, 2014 waren es 88 Millionen Euro. Zwei Flughäfen verteilten außerdem die Last des Zubringerverkehrs, so der FDP-Politiker.

Für die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg ist die Initiative kein Thema. „Unsere Position ist klar: Es gilt das Planfeststellungsverfahren, darin ist alles geregelt“, sagt Flughafensprecher Lars Wagner. „Das ist eine politische Entscheidung, danach richten wir uns.“

Auch im Haus von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) hält man nichts von der Idee, den Flughafen über 2018 hinaus offen zu halten. „Die Zukunft von Tegel ist nicht der Flugverkehr, sondern ein smartes, neues Stadtviertel mit großflächigem Wohnungsbau, urbanen Technologien und einem Hochschulstandort“, sagt Pressesprecher Martin Pallgen. „Wir entlasten mit der Schließung 300.000 Menschen vom Fluglärm und schaffen ein neues Stadtquartier.“

Senat will in drei Jahren mit den Bauarbeiten beginnen

Die Weichen sind gestellt. 2018 werde das Flughafenareal übergeben, 2019 beginne der Hochbau, so Pallgen. „Für das 48 Hektar große zukünftige Kurt-Schumacher-Quartier hat im Januar der städtebauliche Wettbewerb begonnen.“ Geplant seien 5000 Wohnungen für rund 10.000 Einwohner. Dazu Einzelhandel, Dienstleistungen, Kindertagesstätten, Schulen sowie Grünflächen. „Das alles sind gute Gründe, die gegen einen Weiterbetrieb von Tegel als Flughafen sprechen“, sagt Palgen.