Spandau

Staufalle Westen: Weitere Baustellen behindern den Verkehr

In Spandau wird gleich auf drei wichtigen Verbindungsachsen gebaut. Die Fertigstellung der Freybrücke verzögert sich bis Jahresende.

Autofahrer aus Spandau und dem westlichen Berliner Umland, aber auch viele Pendler aus Potsdam stecken im Dauerstau. Das Nadelöhr am Ersatzneubau der Freybrücke wird voraussichtlich noch bis zum Jahresende auf der Heerstraße im Zuge der Bundesstraße 2 den Verkehr stark behindern.

Zugleich wird nun auf der zweiten wichtigen Ost-West-Achse des Bezirks, dem Brunsbütteler Damm, gebaut. Und auch die Potsdamer Chaussee (Bundesstraße 5) – eine von nur zwei Straßen in die südlichen Ortsteile Gatow/Kladow und Hauptverbindung nach Potsdam – ist eine Engstelle.

Niedrigwasser der Elbe behindert Materialtransport

Eigentlich sollte der Ersatzbau für die marode Freybrücke über die Havel bereits Ende 2015 fertig sein. Zunächst war dann von einem Aufschub bis März die Rede. Doch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geht nun davon aus, dass sie die neue Havelbrücke erst zum Ende 2016 freigeben wird. Ihr Sprecher Martin Pallgen begründete das am Montag gegenüber der Berliner Morgenpost mit unvorhergesehenen Ereignissen.

So habe das Niedrigwasser auf der Elbe Transporte von Baumaterial und Brückenteilen auf dem Wasserwege unmöglich gemacht. Auch der Baugrund am Havelufer sei schwieriger als erwartet. „Es gab zudem Mängel in der Bauausführung des Auftragnehmers, die zu zusätzlichen Verzögerungen führten und beanstandet wurden“, so Pallgen. Details nannte er nicht. Mehrkosten werde es voraussichtlich nicht geben. Etwa 33 Millionen Euro kostet das Vorhaben, das überwiegend der Bund finanziert. Berlin ist mit 5,4 Millionen Euro beteiligt.

Die Heerstraße ist mit rund 60.000 Fahrzeugen täglich eine der meistbefahrenen Straßen der Stadt. Schon seit 2013 ist der Bereich der Freybrücke ein massives Verkehrshindernis. Zunächst galt das Bauwerk als einsturzgefährdet. Im Mai 2014 entstand dort dann mit der Behelfsbrücke ein Dauerengpass. Sie ist 20 Meter breit und darf nur mit Tempo 30 befahren werden.

Hatten sich Autofahrer auf die Engstelle über die provisorische Überführung bereits eingestellt, so müssen sie nun auf ihrer Fahrt stadtauswärts kurz hinter der Brückenbaustelle unerwartet wieder auf die Bremse treten. Dort ist bis zur Pichelsdorfer Straße die Fahrbahn auf eine Spur verengt, weil die Berliner Wasserbetriebe (BWB) Gullys austauschen.

17 Regenwasserschächte aus der rechten Spur waren vom Druck der darüberfahrenen Autos so strapaziert, dass sie als einsturzgefährdet galten, begründete BWB-Sprecher Stehan Natz am Montag die Dringlichkeit. „Die Arbeiten sollen am Donnerstag beendet sein“, so Natz. Eine geringe Entlastung für staugeplagte Nutzer der Heerstraße, solange das Nadelöhr Freybrücke bleibt.

Dennoch wird jetzt auch auf der wichtigsten Ausweichstraße gebaut: dem Brunsbütteler Damm. Nachdem Erschließungsarbeiten für ein Autozentrum auf dem früheren Güterbahnhof Spandau abgeschlossen sind, will der Bezirk zwischen Grünhofer Weg und Nauener Straße Geh- und Radwege erneuern sowie Parkbuchten anlegen. Die Ost-West-Verbindung ist deshalb bis voraussichtlich August in diesem Bereich auf eine Fahrspur je Richtung verengt.

„Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens. speziell in den Verkehrsspitzenzeiten. ist mit Staus zu rechnen“, teilte Spandaus Baustadtrat Carsten-Michael Röding (CDU) mit. Weil Kraftfahrer nun versuchen, auf die Seegefelder Straße auszuweichen, herrscht zur Hauptverkehrszeit rund um den Bahnhof Spandau und das Rathaus oft Chaos. Für Pendler aus dem westlichen Umland ist die Seegefelder Straße ohnehin keine Alternative. Denn in ihrer Verlängerung ist der Seegefelder stadtauswärts voll gesperrt – noch bis Jahresende.

Auf der Potsdamer Chaussee gilt nur noch Tempo 50

Doch nicht nur in Ost-West-Richtung gehören Autoschlangen jetzt zum Spandauer Straßenbild. Leitungsarbeiten des Stromanbieters Vattenfall machen zudem die Potsdamer Chaussee, zwischen Maximilian-Kolbe-Straße und Daberkowstraße auch außerhalb des morgendlichen Berufsverkehrs zur Stop-and-Go-Strecke.

Zwar verlaufen die Stromleitungen unter dem Radweg. Doch werden während der Bauarbeiten bis Ende September Fahrradfahrer auf die Fahrbahn geleitet. Auf der sonst für Tempo 70 ausgelegten Bundesstraße müssen Autofahrer im Baustellenbereich auf 50 Stundenkilometer, in einer Kurve auf 30, herunterbremsen.

Dass nun auf vielen Hauptverkehrsachsen gleichzeitig gearbeitet wird, betrachtet der Sprecher Pallgen vor allem als Spandauer Angelegenheit. Der Bezirk habe die Verkehrslenkung „dringend gebeten“ die Baustellen anzuordnen. Die Arbeiten hätten keinen Aufschub geduldet, so Pallgen.