Prozess in Berlin

Berliner zündete Polizei-Auto an, um ins Gefängnis zu kommen

Heiko B. kommt mit seinem Leben nicht mehr klar. Deshalb möchte er in das Gefängnis. Dort fühle er sich sicher.

Der Mann der sich seit Montag wegen versuchter Brandstiftung vor dem Landgericht Moabit verantworten muss, hat so gar nichts gemein mit den üblichen Verdächtigen, die sonst nach Brandanschlägen auf Fahrzeuge vor Gericht stehen.

Dem Durchschnittalter des typischen Kreuzberger Revoluzzers ist der 43-Jährige längst entwachsen, mit Politik hat er nichts im Sinn, mit gewaltsamen Protesten erst recht nichts.

Trotzdem versuchte er am Abend des 12. August vergangenen Jahres, ein Gruppenfahrzeug der Bundespolizei in Brand zu setzen. Und das ausgerechnet vor der Dienststelle der Behörde am Berliner Hauptbahnhof.

Angeklagter verspürte "viele negative Energien"

Das zahlreiche Zeugen seine Aktion verfolgten, interessierte ihn dabei offenbar nicht im Mindesten. Und kaum hatte er den Brand gelegt, setzte B. sich auf eine Treppenstufe und beobachtete nun seinerseits, wie ein herbei eilender Bundespolizist die Flammen löschte, bevor sie nennenswerten Schaden anrichten konnten. Anschließend erklärte er dem Beamten, er habe absolut nichts gegen die Polizei, verspüre aber gerade viele negative Energien, und die müssten einfach raus.

Gegenüber einem Beamten des Landeskriminalamtes, der ihn später befragte, präzisierte der Angeklagte dann noch mal sein Motiv. Er komme mit dem Leben nicht klar und es wäre für ihn das Beste, wenn er wieder ins Gefängnis käme. Dort fühle er sich sicher, gut versorgt und geborgen, erklärte B. dem Kripo-Beamten.

Wahnvorstellungen diagnostiziert

Was zunächst wie eine Heiterkeit erzeugende Posse erscheint, hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass B. zur Tatzeit nur vermindert schuldfähig war. In der Verhandlung wird daher darüber entschieden, ob der Angeklagte in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden soll. In der Vergangenheit wurden dem gebürtigen Thüringer schon mal Wahnvorstellungen diagnostiziert, unter anderem fühlte er sich offenbar von mehreren Geheimdiensten verfolgt. Das habe sich allerdings gebessert, sagte der durchaus intelligent und sprachgewandt wirkende B. am Montag dem Gericht.

Der 43-Jährige ist wegen eines Überfalls auf eine Tankstelle und einer versuchten Vergewaltigung vorbestraft. 2012 wurde er aus der Haft entlassen, anschließend reiste er, von der Mutter finanziell unterstützt, durch Europa. In Holland, England, Spanien und Portugal versuchte er vergeblich, Fuß zu fassen und Arbeit zu finden. Einen Tag vor der Tat kehrte er aus Lissabon zurück. In Berlin gelangte er dann offenbar zu der Überzeugung, die einzige Alternative eines geordneten Daseins hinter Gittern sei für ihn ein Leben ohne Wohnung und Arbeit auf der Straße.

Staatsanwaltschaft fürchtet weitere Taten

Sein Wunsch wurde B. inzwischen schon erfüllt. Nach seiner Festnahme saß er zwei Monate in Untersuchungshaft, anschließend kam er in ein Krankenhaus des Maßregelvollzugs. Die Staatsanwaltschaft fürchtet, wie ihr Vertreter in der Verhandlung sagte, dass Heiko B. eine Tat wie die im vergangenen Sommer durchaus wiederholen könnte.

Seine Entschlossenheit demonstrierte der 43-Jährige auch dem Vernehmungsbeamten des LKA, der ihn fragte, was er getan hätte, wenn die versuchte Brandstiftung nicht den gewünschten Erfolg gehabt hätte. Dann so B. hätte er eine andere Tat verübt. Eine, bei der auf keinen Fall Menschen zu Schaden gekommen wären, die aber schwer genug gewesen wäre, um dafür in Haft zu kommen. Der Prozess wird am Montag kommender Woche fortgesetzt, dann soll auch das Urteil gesprochen werden.