Quartiersmanagement

Diese Berliner Problemkieze bekommen eine Millionenförderung

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Ulrich Kraetzer

Spandau bekommt den größten Anteil aus dem Fonds für das Quartiersmanagement. Die Lebensqualität in Kiezen soll verbessert werden.

Überdurchschnittlich viele Bezieher von Sozialleistungen, ein niedriges Bildungsniveau, Schwierigkeiten bei der Integration von Einwohnern mit Migrationshintergrund: Um solche Probleme in den Griff zu bekommen, sollen in Berlins Problemvierteln im laufenden Jahr 26,9 Millionen Euro fließen.

Das ergibt sich aus einem Bericht der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung an die Mitglieder des für Finanzen zuständigen Hauptausschusses des Abgeordnetenhauses. Das Geld soll in soziale Projekte und bauliche Maßnahmen investiert werden, die die Perspektiven der Anwohner verbessern und die Aufenthaltsqualität in den Vierteln, die der Senat als Quartiersmanagementgebiete ausgewiesen hat, erhöhen.

Neue Gebiete sind im laufenden Jahr dazugekommen

Neu dabei sind im laufenden Jahr die Kieze rund um die Kastanienallee in Hellersdorf, die Badstraße in Mitte, das Kosmosviertel in Treptow, sowie die Klixstraße und die Auguste-Viktoria-Allee in Tegel. Damit sind nun 34 Kieze als Gebiete „mit besonderem Entwicklungsbedarf“ ausgewiesen.

Zudem wurden mit dem Wassertorplatz in Kreuzberg und der Sonnenallee mit der High-Deck-Siedlung in Neukölln zwei bestehende Quartiersmanagementgebiete ausgeweitet. Mit der Förderung sollen sie stabilisiert und aufgewertet werden. Das Geld stammt aus dem Landeshaushalt, aber auch aus dem Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ und von der EU.

Fünf Bezirke haben offenbar keine problematischen Kieze

Neben dem Ausblick für 2016 zeigt ein neuer Senatsbericht, in welche Gebiete im vergangenen Jahr am meisten Geld geflossen ist. An der Spitze rangiert mit großen Abstand Spandau. In den Bezirk flossen mit fast acht Millionen Euro rund 29 Prozent der Gesamtausgaben. Es folgen Neukölln (sechs Millionen Euro), Mitte (3,5) und Reinickendorf (2,6). Am Ende finden sich Marzahn-Hellersdorf (2,2) und Tempelhof-Schöneberg mit 0,9 Millionen Euro. Leer gingen die Bezirke aus, in denen 2015 kein als Quartiersmanagement ausgewiesenes Viertel lag. Das waren Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf, Treptow-Köpenick, Lichtenberg und Pankow.

Den größten Förderbedarf sahen die Verantwortlichen in der Spandauer Heerstraße. In das von Großsiedlungen und Hochhäusern dominierte Neubauviertel flossen 6,88 Millionen Euro. Es folgten das Quartier am Letteplatz in Reinickendorf (2,65) und die Neuköllner Gebiete Ganghofer- (1,2) und Flughafenstraße (1,0). Alle übrigen Gebiete erhielten Summen unterhalb der Millionengrenze.

In einigen Häusern wohnen nur Hartz-IV-Empfänger

Besonders groß schien die Gefahr sozialer Verwerfungen rund um die nördliche Heerstraße. Angesichts der Mietsteigerungen der vergangenen Jahre zog das Viertel vor allem Berliner an, die sich eine Wohnung in der Innenstadt nicht mehr leisten konnten. Die durchschnittliche Kaltmiete rund um die nördliche Heerstraße beträgt laut aktuellem Wohnkostenatlas der Berlin Hyp dagegen weniger als 5,50 Euro. Vertreter kommunaler Wohnungsbaugesellschaften berichten, dass in einigen Häusern fast ausschließlich Hartz-IV-Empfänger wohnen.

Niedrige Kaufkraft, hohe Arbeitslosigkeit

Spandaus Bezirksbürgermeister Helmuth Kleebank (SPD) hatte die Entwicklung solcher Kieze bereits im Herbst vergangenen Jahres als eine der größten Herausforderungen für den Bezirk bezeichnet. Betroffen seien auch das Falkenhagener Feld und die Neustadt. Die Kaufkraft sei hier niedriger, die Arbeitslosigkeit höher als im Berliner Durchschnitt. „Wir dürfen diese Kieze nicht sich selbst überlassen“, sagte Kleebank im Interview mit der Berliner Morgenpost. Hoffnung verband er mit der anstehenden Schließung des Flughafens Tegel. Ohne Fluglärm könnten die Gebiete zu „ruhigen, interessanten Wohnlagen“ avancieren. Das Konzept für das Quartiersmanagement entstand Ende der neunziger Jahre. Die Stadtplaner wollten damit Gettoisierungstendenzen entgegenwirken und Anwohnerinitiativen vernetzen. Seit 1999 sind 364 Millionen dafür ausgegeben worden.