Schutz vor Kriminellen

Fahrrad, Auto, Hausrat – welche Versicherung sinnvoll ist

Besonders bei Verlust von Geld sind die Regeln kompliziert. Spezialpolicen lohnen sich nicht immer. Was Experten raten.

Versicherungen sind in vielen Fällen hilfreich. Dabei sollte man immer das Kleingedruckte lesen

Versicherungen sind in vielen Fällen hilfreich. Dabei sollte man immer das Kleingedruckte lesen

Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn

Vorsicht und umsichtiges Verhalten können das Risiko, Opfer eines Diebstahls zu werden, erheblich mindern. Wenn die Täter dennoch zugeschlagen haben, ist nicht unbedingt alles verloren. In vielen Fällen ersetzen Versicherungen den Schaden. Aber dabei gibt es viele Dinge zu beachten.

Fahrraddiebstah l Über die Hausratversicherung kann das Fahrrad versichert werden. Für die Versicherungsunternehmen ist das eine kostenträchtige Angelegenheit. Rund 100 Millionen Euro haben die Hausratversicherer bundesweit 2014 an ihre Kunden gezahlt, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin mitteilte. Die Hausratversicherung zahlt, wenn das Gefährt aus einem verschlossenen Keller entwendet wird. Zumeist geschehen die Taten jedoch auf der Straße. Um dann auch Versicherungsschutz zu haben, ist eine Zusatzklausel in der Police erforderlich. „Wird das angeschlossene Rad zum Beispiel abends beim Kneipenbesuch gestohlen, ersetzt der Versicherer es bis zur vertraglich vereinbarten Summe“, sagt Kathrin Jarosch vom GDV. In der Regel werde dafür ein bestimmter Prozentsatz des gesamten versicherten Hausrates festgelegt.


Nachtklausel Lange Zeit enthielt die Hausratversicherung im Kleingedruckten die sogenannte Nachtzeitklausel, die einen Versicherungsschutz zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens bei Diebstählen außerhalb geschlossener Räume weitgehend ausschloss. In neueren Verträgen ist sie in der Regel weggefallen. Versicherungsnehmer sollten dennoch genau hinschauen, „ob eine räumliche Einschränkung im Vertrag genannt ist“, empfiehlt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Außerdem werde die Nachtzeitklausel von den Versicherern nicht einfach aus einem bestehenden Vertrag gestrichen. „Für eine Veränderung der Versicherungsbedingungen ist auch der Abschluss eines neuen Vertrages erforderlich. Der kann jedoch auch mit sich bringen, dass sich andere Bedingungen der Hausratversicherung ändern, was zu Verschlechterungen für den Kunden führen kann“, erklärt die Verbraucherschützerin.


Zusatzversicherung Immer verbreiteter sind überdies auch sehr teure Fahrräder. Die gedeckelte Versicherungssumme in den Hausratpolicen reicht in der Regel nicht aus, um den Schaden nach einem Diebstahl angemessen zu begleichen. Zusatzversicherungen bieten sich hier an. Doch der Wert des Fahrrades und die Gebühr für die Versicherung müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Diese speziellen Versicherungen sind vergleichsweise teuer. „Ab einem Wert des Fahrrades von mehr als 2000 Euro kann über eine Spezialversicherung nachgedacht werden“, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale. Die Versicherungsgebühren betragen demnach mehrere Hundert Euro pro Jahr, dabei gibt es auch regionale Unterschiede.

Es ist generell empfehlenswert, das Rad bestmöglich zu schützen. Denn die Geduld der Versicherer ist endlich. „Bei einer Häufung gemeldeter Schäden wird eine Police vom Versicherer auch durchaus gekündigt“, warnt die Verbraucherzentrale.

Anzeige Ist das Fahrrad weg, sollte der Diebstahl nicht nur sofort der Polizei, sondern auch der Versicherung gemeldet werden. „Die Anzeige ist Voraussetzung für die Versicherungsleistung“, betont Kathrin Jarosch vom GDV. Sie empfiehlt, die Rechnung über den Fahrradkauf aufzubewahren, sich die Rahmennummer zu notieren und eindeutige Kennzeichen wie Marke, Farbe und Zubehör festzuhalten. Der Fahrradpass sollte vorliegen.


Autodiebstahl Bei Autodiebstählen haftet die Teilkasko. Gezahlt wird der Zeitwert des Wagens. Doch Vorsicht ist geboten: Autobesitzer sollten niemals den Schlüssel stecken lassen und auch auf keinen Fall einen Ersatzschlüssel am oder im Fahrzeug deponieren, warnt die Polizei. Solche Verstecke seien auch den Tätern bekannt. Kommt es dadurch zum Autoklau, hat das üble Folgen für das Opfer. „Nach der Rechtsprechung ist das Zurücklassen eines Zweitschlüssels im Fahrzeug eine grobe Fahrlässigkeit, die den Versicherer im Falle des Autodiebstahls von der Leistung befreit“, sagen die Polizeiberater.


Diebstahl aus Fahrzeugen Schwierig wird es bei Diebstählen aus Autos. Teilweise kommen zwar die Teilkasko- oder auch die Hausratversicherung für die Schäden auf. Manche Versicherungen zahlen aber auch gar nichts, wenn Wertgegenstände aus einem Fahrzeug verschwinden. Besonders beim Diebstahl von Geldbörsen aus einem Pkw zeigen sich die Assekuranzen in den meisten Fällen wenig entgegenkommend. Liegt ein Geldbeutel im Wagen, betrachten Versicherer dies in der Regel als fahrlässiges Verhalten, weil der Täter quasi zur Tat eingeladen wird.


Taschendiebstahl Leer geht auch aus, wer Opfer von Taschendieben wird und dabei das Portemonnaie einbüßt. „Geld ist nicht versichert“, sagt Kathrin Jarosch vom GDV. Doch es gibt eine Ausnahme: Handelt es sich um eine Raubtat, greift die Außenversicherungsklausel der Hausratversicherung. Als Raub oder räuberischer Diebstahl gilt, wenn der Täter gegen sein Opfer Gewalt anwendet oder damit droht, etwa durch Fuchteln mit einem Messer. Die Versicherung ersetzt jedoch nicht jeden Betrag. Laut GDV ist die Höhe der Entschädigung im Vertrag festgelegt. Bezahlt wird nur ein bestimmter Prozentsatz der Beute beziehungsweise eine Höchstsumme.