Tarifkonflikt

Gewerkschaft ruft Berliner Lehrer erneut zum Streik auf

Für den 17. März ruft die Gewerkschaft 12.500 angestellte Lehrer zum Streik kurz vor den Ferien auf, quer durch alle Schultypen.

In Berlin sollen kurz vor den Osterferien erneut die Lehrer streiken

In Berlin sollen kurz vor den Osterferien erneut die Lehrer streiken

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Im Januar waren es knapp 66 Schulen gewesen, 400 Lehrer beteiligten sich an dem damals von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisierten Streik. Am 17. März, dem Donnerstag vor Beginn der Osterferien, könnten noch deutlich mehr Pädagogen in Berlin nicht zum Unterricht erscheinen: Bei dem bereits zweiten Lehrerstreik in diesem Jahr dürfte die Zahl derjenigen, die ihrer Arbeit aus Protest fernbleiben, in die Tausende gehen. Betroffen sein sollen alle Schultypen von der Grund- bis zu den Berufsschulen, sagte die Vorsitzende der Berliner GEW, Doreen Siebernik.

>> Kommentar: Kommt endlich zusammen!

Insgesamt rund 420.000 Schüler lernen in der Hauptstadt an Grund-, Ober- oder berufsbildenden Schulen. Rund 30.000 Lehrer unterrichten sie, davon sind über ein Drittel, nämlich 12.500, nicht verbeamtet, sondern beim Land angestellt. Für diese will die Gewerkschaft mit dem ganztägigen Ausstand eine bessere Bezahlung durchsetzen.

Die Verantwortung für den seit vielen Jahren unverändert schwelenden Konflikt sieht die GEW beim Finanzsenator. „Es geht eindeutig um einen Warnstreik. Und dass wir diesen so lange vorher ankündigen, ist ein Entgegenkommen an die Eltern, damit sie sich um Betreuungsmöglichkeiten kümmern können, an die Schulen, die diesen Tag organisieren müssen, aber auch ganz besonders an die Politik“, sagte Siebernik der Berliner Morgenpost. „Sobald Herr Kollatz-Ahnen uns das Gespräch anbietet und die Bereitschaft signalisiert, ernsthaft nach Lösungen zu suchen, ist der Warnstreik vom Tisch. Ansonsten bleibt über Ostern genügend Zeit, um darüber nachzudenken.“

Bis zu mehrere hundert Euro weniger Gehalt pro Monat

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) lehnt jegliche Tarifverhandlungen über die Eingruppierung der nicht verbeamteten Lehrer des Landes allerdings ab. „Wir können dazu nur sagen, was seit drei Jahren gilt: Solche Verhandlungen müssen auf Ebene der TdL, der Tarifgemeinschaft der Länder, geführt werden“, sagte der Sprecher des Finanzsenators, Jens Metzger, am Mittwoch. Das Land war nach Jahren eines Sonderwegs bei der Bezahlung seiner Bediensteten Ende 2012 auch auf Wunsch der Gewerkschaften in die TdL zurückgekehrt.

Konkret fordert die Gewerkschaft für die Angestellten in den Lehrerkollegien die gleiche Bezahlung wie für Pädagogen mit einem Beamtenstatus. Letzteren gibt es für neu eingestellte Lehrer im Land bereits seit 2003 nicht mehr. Zwar werden die angestellten Pädagogen in Berlin bereits beim Einstieg in den Beruf nach der höchsten Erfahrungsstufe bezahlt. Weil das Gehalt der Beamten mit der Zahl der Berufsjahre aber automatisch ansteigt, überholen sie ihre angestellten Kollegen schon bald. Diese verdienen gegenüber einem verbeamteten Lehrer in jeweils vergleichbarer Position am gleichen Schultypus nach einigen Jahren bis zu mehrere hundert Euro weniger pro Monat.

„Schulen fehlen, Klassenräume sind bis unter das Dach gefüllt"

Rechnet man Familienzuschläge hinzu, wird der Abstand noch größer. Die Situation in Berlin sei ohnedies sehr schwierig, sagte die GEW-Vorsitzende: „Schulen fehlen, Klassenräume sind bis unter das Dach gefüllt, Tausende von Flüchtlingskindern müssen integriert werden.“ Gleiches Geld für gleichwertige Arbeit und eine Eingruppierung, die tarifliche Sicherheit biete, sei dringend geboten, so Siebernik. GEW-Sprecher Udo Mertens warnte: „Sollte der Arbeitgeber sich Tarifverhandlungen mit uns weiterhin verweigern, werden deutliche Störungen des Schulbetriebs in Zukunft nicht mehr auszuschließen sein.“

Auf Seiten der durch den Streik betroffenen Eltern hält man sich mit Äußerungen zurück. Tarifauseinandersetzungen würden grundsätzlich nicht kommentiert, sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise. Positiv wurde von den Eltern aufgenommen, dass die Gewerkschaft ein Versprechen wahr gemacht und den Streikaufruf langfristig vorher bekannt gemacht hatte. Es sei mit der GEW vereinbart worden, auch auf Prüfungstermine wie die nach Ostern beginnende Phase des Mittleren Schulabschlusses (MSA) Rücksicht zu nehmen. „Das hat die Gewerkschaft in diesem Fall getan“, zeigte sich Elternvertreter Heise zufrieden.