Sachsenhausen

Brandenburger NS-Gedenkstätten geraten in Finanznot

Die Besucherzahl hat sich allein am Erinnerungsort Sachsenhausen in rund 20 Jahren vervierfacht. Dennoch ist die Finanznot groß.

Eingang des Erinnerungsortes Sachsenhausen: Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten quälen Finanznöte

Eingang des Erinnerungsortes Sachsenhausen: Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten quälen Finanznöte

Foto: dpa

Oranienburg.  Eigentlich würde Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, gern feiern. Die steigende Zahl von Besuchern in den Gedenkstätten der ehemaligen Konzentrationslager in Brandenburg gibt ihm Anlass dazu.

Doch die Freude ist getrübt, die Stiftung quälen Finanznöte. „Es kann nicht sein, dass unser Erfolg zum Handicap wird“, sagt Morsch. Eine Kritik, die er an die Adresse des Bundes richtet.

Ein Zuwachs von 400 Prozent

Die Besucherzahl hat sich allein am Erinnerungsort Sachsenhausen bei Oranienburg von 168.000 im Jahr 1993 auf 660.000 im Jahr 2015 erhöht – ein Zuwachs von 400 Prozent. Ähnlich sieht es in den beiden Gedenkstätten in Brandenburg/Havel aus. „2013 zählten wir 3704 Gäste, im vergangenen Jahr waren es schon 7720“, sagt Leiterin Sylvia de Pasquale.

In der Potsdamer Begegnungsstätte an der Leistikowstraße schauen seit 2014 jährlich 10.000 Interessierte vorbei. „Trotz der schwierigen Verkehrssituation in Potsdam“, erklärt deren Chefin Ines Reich.

Stiftungsdirektor fordert mehr Geld und mehr Personal

Ein Besucherzuwachs, der nicht ohne Folgen geblieben ist: Der Wasser- und Stromverbrauch ist in die Höhe geschossen, die Öffnungszeiten der Gedenkstätten mussten erweitert werden.

Längst seien die 57 Angestellten an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gekommen, sagt Morsch. „Unser Personal müsste dringend aufgestockt werden“, fordert er. Stattdessen sei es seit 1993 um 20 Prozent reduziert worden.

Ehrenamtliche Berliner als Gäste-Guides

Als „restriktiv und unflexibel“ kritisiert der Stiftungsdirektor die Haushaltspolitik des Bundes. Anders sei das beim kofinanzierenden Land Brandenburg, das sei um Lösungen bemüht. Beim Bund scheiterte Morsch jüngst mit seinem Vorschlag, das Team in den Gedenkstätten Sachsenhausen und Brandenburg/Havel um jeweils eine pädagogische Vollzeitstelle aufzustocken.

Führungen in Sachsenhausen könnten nur noch realisiert werden, weil hilfswillige Berliner sich zu Gäste-Guides ausbilden ließen, sagt Morsch. Nahezu 500 Unterstützer seien bereits geschult worden, die mittlerbweile fast 10.000 Besucher durch die Museumslandschaft geführt hätten. Ein Tropfen auf den heißen Stein, zumal der Stiftungshaushalt durch den kompletten Wegfall der EU-Mittel für die Sanierung historischer Gebäude schon schwer angeschlagen sei. Noch nicht einmal für den Erhalt sei genug Geld vorhanden. „Gerade einmal 30.000 Euro sind uns dafür im Haushalt 2016/17 zugebilligt worden. Wir bräuchten aber 240.000 Euro“, erklärt Morsch.