Berlin

Charité erzielt 2015 ein Plus von 3,7 Millionen Euro

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Andreas Abel

Zahl der behandelten Patienten erneut gestiegen – Rückstellungen für Pensionen auf Rekordhoch

Die Universitätskliniken in Deutschland gelten als Supramaximalversorger. Sie behandeln seltene Krankheiten und schwerste Fälle. Sie decken ein breites medizinisches Spektrum ab und verfügen über renommierte Ärzte. Das alles hat seinen Preis. Der wird jedoch vom Bund nicht ausreichend finanziert. Darüber klagen Kliniken wie Gesundheits- und Wissenschaftspolitiker gleichermaßen. Effekt dieses Dilemmas: Rund zwei Drittel der Universitätskliniken in Deutschland schreiben rote Zahlen, nur zehn bis 15 Prozent schaffen einen positiven Jahresabschluss, erzielen also mehr als eine Million Euro Überschuss.

Der Charité ist das im Geschäftsjahr 2015 gelungen – zum fünften Mal in Folge. Ihr Vorstandsvorsitzender Karl Max Einhäupl und Alexander Hewer, Leiter des Geschäftsbereichs Finanzen und Einkauf, konnten am Montag vor Journalisten ein Plus von 3,7 Millionen Euro vermelden. Das Jahresergebnis ist bereits vom Wirtschaftsprüfer testiert – mit dem schönen Datum 29. Februar.

An der Charité standen Einnahmen in Höhe von knapp 1,3 Milliarden Euro Ausgaben von rund 1,26 Milliarden Euro gegenüber. Zu den Einnahmen gehören ein in den Hochschulverträgen vereinbarter Landeszuschuss von 202,3 Millionen Euro. Damit bezahle das Land die Ausbildung von 600 Ärzten und weiterer Mitarbeiter, betonte Einhäupl. Das operative Ergebnis betrug im vergangenen Geschäftsjahr sogar 33,4 Millionen Euro, fast drei Millionen mehr als 2014. Damals wurde aber unterm Strich ein doppelt so hohes Jahresplus erzielt. Die Differenz zum tatsächlich erzielten Ergebnis sei vor allem den stark gestiegenen Rückstellungen geschuldet, die die Klinikleitung gebildet hat, erläuterte Alexander Hewer. Diese wurden 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 45,9 Millionen Euro, das sind mehr als 13 Prozent, auf 390,5 Millionen Euro angehoben. Das ist absolut und prozentual der größte Anstieg in den vergangenen Jahren. Hewer sprach deshalb von einem konservativen, also einem kaufmännisch vorsichtigen Jahresabschluss.

Die Rückstellungen sind vor allem wegen hoher Pensionslasten notwendig. Gut die Hälfte der Summe, 198,4 Millionen Euro, entfalle darauf. Gleichzeitig leidet die Charité wie auch viele andere Institutionen unter dem sinkenden Rechnungszins, den die Bundesbank vorgibt. Der lag 2011 noch bei 5,1 Prozent, 2015 bei 3,9 Prozent und wird in diesem Jahr wohl auf 3,1 Prozent sinken. Das Universitätsklinikum sei angesichts seiner 700 Beamten stärker von Pensionsrückstellungen betroffen als andere Unternehmen mit Landesbeteiligung, so Hewer.

Der Personalbestand der Charité stieg im Vergleich zum Vorjahr im Klinikbetrieb um 27 volle Stellen auf 6610, in Forschung und Lehre um 87 volle Stellen auf 1910. Insgesamt sind an der Charité rund 13.200 Menschen beschäftigt, viele in Teilzeit.

Verweildauer der Patienten im vergangenen Jahr gesunken

Die Zahl der stationär behandelten Patienten stieg in der Charité im Jahresvergleich um knapp 5000 oder zwei Prozent auf gut 135.000. Die durchschnittliche Verweildauer der Patienten sank von 5,95 auf 5,82 Tage. Dennoch legte das Universitätsklinikum bei den schweren Fällen tendenziell stärker zu. Die Bettenzahl blieb mit 3011 stabil, die Zahl der ambulanten Fälle stieg um knapp 7000 auf rund 663.000. Von der im Jahr 2013 gebildeten Gewinnrücklage (34,7 Millionen Euro) nahm die Fakultät 1,6 Millionen Euro in Anspruch. 2016 sollen es 6,4 Millionen sein. Dieses Vorgehen sei gewollt und planmäßig, betonten Hewer und Dekan Axel Radlach Pries. Das Geld fließe in Forschung und Lehre. Die Charité stehe derzeit vor einer Welle neuer Berufungen von Professoren, erklärte der Dekan.