Strafprozess

Vier Jahre Haft für Messerattacke auf Nebenbuhler

Ein 26-Jähriger konnte nicht verwinden, dass ein ehemaliger Freund bei der Ex-Frau und dem gemeinsamen Sohn lebt. Er griff zum Messer

Eine 26-jähriger Mann ist am Montag von einer Moabiter Schwurgerichtskammer wegen versuchten Totschlags zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

Philip L. hatte am Abend des 17. August 2015 den gleichaltrigen Kevin La. unvermittelt mit einem Messer attackiert. Beide saßen auf einer Bank im Waldgebiet „Königsheide“ im Stadtteil Johannisthal, als der gelernte Elektroniker ein Klappmesser mit einer Klingenlänge von acht Zentimetern zog und dem sich keinen Angriffs versehenden Opfer in den Halsbereich zu stoßen versuchte. Kevin La. gelang es jedoch reaktionsschnell, den Messerangriff mit beiden Armen abzublocken. So erlitt er nur eine oberflächliche Schnittverletzung zwischen Kehlkopf und Schlüsselbein. Anschließend gelang es Kevin La., zu fliehen und einen zufällig vorbeikommenden Krankentransporter anzuhalten.

Täter und Opfer kannten sich schon seit Jahren, hatten auch gemeinsam die Berufsschule besucht. Kevin La. war mit Philip L.s ehemaliger Freundin zusammen und kümmerte sich auch um ihren kleinen Sohn, dessen Vater Philip L. ist. Dieser hatte den Eindruck, dass ihm das Kind entzogen werden solle.

Die Staatsanwaltschaft hatte Philip L. wegen versuchten heimtückischen Mordes angeklagt. Richter Ralph Ehestädt ging in seiner Urteilsbegründung davon aus, dass eine Heimtücke „objektiv auch gegeben“ sei. Nachgewiesen werden müsse jedoch ein sogenanntes „Ausnutzungsbewusstsein“: Der Täter müsse die hilflose Lage seines Opfers genau erfasst haben und sich darüber bewusst gewesen sein, dass er einen durch seine Ahnungslosigkeit schutzlosen Menschen mit seinem Angriff überrascht.

Das, so Ehestädt, habe Philip L. nicht nachgewiesen werden können. Auch gehe die Kammer davon aus, dass der zuvor noch nie bestrafte Angeklagte keine weiteren Straftaten mehr begehen werde. Ein Herausforderung sei es jedoch, eine vernünftige Einigung wegen des Umgangs mit dem Kind zu finden.