Regenerative Energien

Forscher der TU testen Berlins Untergrund als Wärmespeicher

An der TU Berlin wollen Geologen erkunden, ob Sonnenenergie und Winterkälte über Monate hinweg im Boden gespeichert werden können.

Die Erkundung an der Fasanenstraße soll klären, ob im Untergrund Sommerwärme bis zum Winter „haltbar“ ist

Die Erkundung an der Fasanenstraße soll klären, ob im Untergrund Sommerwärme bis zum Winter „haltbar“ ist

Foto: Guido Blöcher, GFZ, unter Verwendung von Google Earth

Bisher gibt es nur wenige Daten aus dem Untergrund von Berlin. Das soll sich jetzt ändern: Am Montag haben Wissenschaftler des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) auf dem Gelände der Technischen Universität (TU) Berlin und mitten in der City West mit der Erkundung des Bodens begonnen. Mit einer bis zu 530 Meter tiefen Forschungsbohrung wollen sie herausfinden, ob der Untergrund wahlweise als riesiger Wärme- und Kältespeicher der Hauptstadt dienen kann.

„Wir sind zuversichtlich, dass es funktioniert“, sagt Ernst Huenges, Leiter der Geothermieforschung am GFZ und Professor an der TU, während er beobachtet, wie die 80 Tonnen schwere Bohranlage an der Fasanenstraße in Position gebracht wird. Schließlich betreibe man seit 16 Jahren auch ein Forschungsprojekt unter den Parlamentsbauten im Bezirk Mitte, das nach dem gleichen Prinzip funktioniere.

Parlamentsgebäude in Mitte werden bereits zu zehn Prozent so beheizt

Auch dort werde weit unterhalb der Trinkwasserschichten in porösen, salzwasserführenden Gesteinsschichten je nach Jahreszeit überschüssige Wärme, beziehungsweise Kälte gespeichert. Diese unterirdischen Speicher funktionierten so gut, dass 70 bis 90 Prozent der eingelagerten Wärme je nach Bedarf Monate später wieder zurückgeholt werden könnten, so Huenges. In den Parlamentsbauten würden so zehn Prozent der Wärme- und Kälteversorgung abgedeckt.

Normalerweise dauere es nur fünf bis sechs Wochen, ehe man bei einer Tiefenbohrung bis an der 500-Meter-Marke angelangt sei, ergänzt GFZ-Projektleiter Ali Saadat. Die TU-Bohrung werde aber mindestens doppelt so lange dauern, da man zu Forschungszwecken Gesteinsproben und Bohrkerne entnehme, um sie zu analysieren.

Die grundwasserführenden Schichten werden vor Salzeinbruch geschützt

Zudem würden in etwa 150 Metern Tiefe Barrieren aufgebaut, damit sich das Salzwasser aus den tieferen Schichten nicht mit dem Süßwasser mischt, das in den oberen Schichten anzutreffen ist.

Wie ein Schwamm, so die Vision des Forschers, könnte die unterirdische Salzwasserblase künftig genutzt werden, um ganze Stadtquartiere im Winter mit Sonnenwärme zu heizen, die im Sommer unterirdisch gespeichert wurde. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Berliner Untergrund dazu geeignet ist.