Berlin

Mehr Licht in dunklen Ecken: Polizei will Gaslaternen abschaffen

Wenn sie angehen, zischt es leise: Berlins Gaslaternen finden sich schon 150 Jahre in den Straßen und verleihen ihnen ein charmantes Flair. Was in anderen Städten kaum eine Rolle spielt, ist in der Hauptstadt aber immer wieder Grund für Streit. Viele Berliner schätzen die noch verbliebenen der einst über 40.000 alten Gaslaternen wegen ihres warmen Lichts und der prunkvollen Verzierungen. Die Politik hält sie dagegen für teure, antiquierte Umweltsünden – und will sie gegen moderne LED-Leuchten austauschen.

Von den 8000 Gasleuchten, die wie 2011 beschlossen, durch Elektroleuchten ersetzt werden sollten, standen im vergangenen Dezember nur noch 690 Stück. Auch im Beusselkiez im Stadtteil Moabit sollen die Leuchten bald ausgetauscht werden. Nach einem Anstieg der Diebstähle in der Gegend forderte der Präventionsbeauftragte der Berliner Polizei eine verbesserte Beleuchtung für die zum Teil unübersichtlichen Stellen im Kiez. Auch an anderen kriminalitätsgeplagten Ecken wie dem Friedrichshainer RAW-Gelände wurden alte Lampen schon durch neue, hellere ersetzt.

Die Gelegenheit für den Senat, die Laternen auszutauschen, ist also günstig. Der Wunsch einiger Anwohner, die Gestalt der alten Gaslaternen beizubehalten und lediglich die Beleuchtung auf LED umzurüsten, sei nicht erfüllbar – aus Kostengründen. In der Kreuzberger Falckensteinstraße wiederum war es durch EU-Fördermittel möglich.

Um den Anwohnern in Moabit trotzdem das Gefühl zu geben, mitzubestimmen, dürfen sie nun bei den neuen Laternen zwischen verschiedenen Modellen wählen. Sieben verschiedene Typen LED-Leuchten bringen nun weißes Licht ins Dunkel der Waldstraße. Bis Ende April haben die Anwohner Zeit, ihren Favoriten zu wählen. Sollte sich die Mehrheit aber ganz gegen neue Laternen aussprechen, dann müsse man noch mal überlegen, so der Senat.

Betrachtet man die Umweltaspekte, spricht einiges für LEDs, deren Energieverbrauch sehr gering ist. Auch die Wartungsabstände sind wohl deutlich größer als die von Gasleuchten, die Kosten dafür somit niedriger. Allerdings stoßen die neuen Laternen nicht nur bei Anwohnern auf wenig Freude. „Das Licht von Gaslaternen ist viel weicher und schöner“, findet der Vorsitzende des Vereins Gaslicht-Kultur, Bertold Kujath, dessen Initiative sich, auch mithilfe von Prominenten wie Ilja Richter, für den Erhalt der Gaslaternen einsetzt.

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