Gewässerschutz

Sulfat in der Spree: Senat besorgt um Trinkwasser und Kosten

Seit rund drei Jahren wird der Grenzwert regelmäßig überschritten. Vattenfalls Maßnahmen im Tagebau greifen laut Wasserbetrieben nicht.

Wasserschützer sorgen sich um eine hohe Sulfatkonzentration in der Spree

Wasserschützer sorgen sich um eine hohe Sulfatkonzentration in der Spree

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Die Sorge um die Spree wächst. Und damit die Befürchtung, dass die latent steigende Belastung des Flusses mit schädlichen Stoffen aus den Tagebauen der Lausitz die Trinkwasserqualität Berlins beeinträchtigen könnte. Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) denken für ihr größtes Wasserwerk in Friedrichshagen bereits über zusätzliche Filtertechniken nach, was den Wasserpreis in der Stadt nach oben treiben könnte.

Seit ungefähr drei Jahren werden die Grenzwerte für Sulfate in der Spree nun schon regelmäßig überschritten, der Trend zeigt laut BWB „nach oben“. Es tagen Arbeitsgruppen der Länder Berlin und Brandenburg, um mit dem Kohlekonzern Vattenfall und der für die Sanierung der früheren Tagebaue zuständigen Staatsfirma LMBV den Sulfateintrag in den Fluss zu verringern. Aber die Erfolge lassen auf sich warten. Der Berliner Senat hat jetzt das Abgeordnetenhaus informiert, dass „die von Vattenfall eingeleiteten Maßnahmen nicht greifen“.

Sulfat kann zu Durchfall führen

Sulfat entsteht aus der Oxidation verschiedener Mineralien. Wenn Tagebaue stillgelegt werden und der Grundwasserspiegel nach dem Ende des Abpumpens wieder steigt, wird Sulfat in Bäche und Flüsse gespült. Es ist nicht giftig, kann aber in hohen Konzentrationen den Geschmack beeinträchtigen und zu Durchfall führen. Außerdem greift Sulfat Rohre und Betonwände an.

Derzeit kommt laut BWB das Spreewasser mit einer Konzentration von 300 Milligramm pro Liter in Berlin an. Dass Problem ist, dass die Stadt ihr Trinkwasser im Südosten vor allem aus dem Uferfiltrat der Spree gewinnt. Für Trinkwasser liegt der Grenzwert bei 250 Milligramm.

Wichtigstes Element der Vattenfall-Strategie gegen zu hohe Sulfatkonzentrationen war es bisher, das Spreewasser mit unbelastetem Wasser zu verdünnen. Das halten Experten nicht dauerhaft für machbar. „Wenn ein drittes unterdurchschnittliches Niederschlagsjahr kommt, können wir ein Problem bekommen“, warnte BWB-Sprecher Stephan Natz.

Gewässerschützer in Sorge

Auch in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sind die Gewässerschützer in Sorge: „Es kann bei ungünstigen Witterungsverhältnissen zu Problemen mit dem Trinkwasser kommen“, sagte eine Sprecherin von Senator Andreas Geisel (SPD). Noch sei man nicht über den Grenzwerten, damit das so bleibe, müsse aber etwas getan werden.

Bei Vattenfall in Cottbus erkennt man die Mitverantwortung an. Man versuche, Sulfat aus dem Wasserkreislauf herauszuhalten, indem man es umleitet oder großflächig versickert. Noch sei es zu früh, die Effekte der bereits ergriffenen Maßnahmen zu bewerten. Aber klimatische Einflüsse auf die Spree könne man nicht verhindern, sagte ein Vattenfall-Sprecher. Es gebe auch keinen Anspruch darauf, Trinkwasser aus dem Uferfiltrat eines Flusses zu nehmen.

Auf dieses Prinzip einer natürlichen Trinkwassergewinnung legen die Berliner Wasserbetriebe aber großen Wert. Für den Ernstfall haben sich die Ingenieure schon erkundigt, wie man im Wasserwerk Friedrichshagen zu hohe Sulfatkonzentrationen durch eine zusätzliche Aufbereitungsstufe herausbekommen könnte. Erste Kostenschätzungen liegen bei 20 bis 50 Cent pro Kubikmeter. Diese Zusatzkosten für das Wasser aus Friedrichshagen müssten Berlins Wasserkunden tragen oder die Verursacher der Sulfatbelastung, also die Bergbaukonzerne.

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