Kultkneipe

„Es wird eine neue Hafenbar geben“

Die legendäre Schlagerparty in der Hafenbar Mitte feiert 20-jähriges Jubiläum. Gleichzeitig droht der Kult-Disco aber der Rauswurf.

Stefan Rupp (r.) mit Schlagerparty-Kompagnon Fabian Böckhoff  (M.) und Hafenbar-Pächter Klaus Zagermann, genannt Kapitän“

Stefan Rupp (r.) mit Schlagerparty-Kompagnon Fabian Böckhoff (M.) und Hafenbar-Pächter Klaus Zagermann, genannt Kapitän“

Foto: privat / BM

Noch hält sich die Hafenbar tapfer. Die nach eigenen Angaben älteste Disco Berlins wird ihre Räumlichkeiten in der Chausseestraße aber verlassen müssen. Am Freitag feiert die legendäre Schlagerparty dennoch ihr 20-jähriges Jubiläum. DJ und Moderator Stefan Rupp erklärt, warum die Feier nie enden darf.

Berliner Morgenpost: Herr Rupp, das Motto der Schlagerparty heute lautet: „Totgesagte leben länger“. Fühlen Sie sich zurzeit eher tot oder lebendig?

Stefan Rupp: Ich liege auf der Intensivstation und bekomme den Inkubator eingesetzt. Es ist wirklich kurz vor Schuss, glaube ich. Der März ist sicher, vielleicht auch der April.

Also wird der Investor aus München die Hafenbar abreißen?

Es gibt bereits Entwürfe. Zuerst hieß es, dass Hotels oder Wohnungen gebaut werden. Laut aktuellsten Plänen soll ein Campus für Start-ups entstehen.

Am Ende wird es für Sie vermutlich keine Rolle spielen, was dort gebaut wird.

Für mich wird dort immer eine Baulücke sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich die Chausseestraße entlanglaufe und dort steht nicht die Hafenbar.

Da schwingt Wehmut mit. Gehen Sie jetzt in jeden Freitag, als wäre es der letzte?

Tatsächlich stelle ich mir das so vor. In der letzten Zeit wühle ich in meiner Plattenkiste mehr in der Vergangenheit. Ich versuche, die Geschichte der Hafenbar musikalisch unterzubringen. So jemanden wie Guildo Horn, der vor 15 Jahren mal der „heiße Scheiß“ war.

Die Schlagerparty wurde als Protestbewegung gegen die „Technoisierung“ Berlins ins Leben gerufen. Was würde passieren, wenn sie heute Paul Kalkbrenner auflegen?

Das ginge zu weit. Da würde das Publikum buhen. Kalkbrenner ist zu krass. Aber ein Tim Bendzko, das funktioniert. Wir versuchen, den Begriff Schlager weit zu fassen.

Was zieht die Leute in die Hafenbar?

Dass sie zu einem Lied von Cora Amsterdam tanzen dürfen, ohne komisch angeschaut zu werden. In der Hafenbar kann man sich hemmungslos gehen lassen. Es ist sehr familiär. Bei uns hat es wenig Fluktuation gegeben, die Leute sind mit uns alt geworden, wobei auch immer wieder neue kommen. Wir hatten in 20 Jahren vielleicht zwei Schlägereien. Und dann gibt es natürlich Helga, unsere Klofrau. Sie war sogar mal bei Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeladen. Und „Klofrau des Jahres“.

Was ist Ihre kurioseste Erinnerung der vergangenen 20 Jahre?

Gegen zwei Uhr kommen immer wieder Gäste und wünschen sich die Backstreet Boys – wir hätten ja bisher nur deutsche Sachen gespielt. Wenn ich dann sage, dass sie auf einer Schlagerparty sind und das offenbar nicht mitbekommen haben, müssen sie selbst lachen.

Wie geht es weiter mit der Hafenbar?

Es wird eine neue Location geben und diese wird so viele Elemente wie möglich aus der alten integrieren: die Bullaugen, das Netz an der Decke. Auch das Personal kommt mit. Wir werden die Schlagerparty weiterführen. Natürlich werden die Gäste entscheiden müssen, ob es noch den Charme von früher hat.