Barrierefreiheit

Berliner Taxis sollen auch Fahrgäste im Rollstuhl befördern

Jedes zehnte Berliner Taxi soll auch Rollstuhlfahrer transportieren. Taxi-Verbände setzen auf Zuschüsse aus der Landeskasse.

Foto: Rundfunk Berlin-Brandenburg

Berlins öffentlicher Nahverkehr gilt bei der Barrierefreiheit in Europa geradezu als vorbildlich. In kaum einer anderen Großstadt des Kontinents sind Busse und Bahnen, aber auch die Stationen so gut darauf vorbereitet, von Menschen mit Gehbehinderungen genutzt zu werden. Doch es gibt eine Ausnahme im Angebot: Das sind die Taxis. Gerade einmal fünf der insgesamt rund 8000 Fahrzeuge sind nach Angaben der Berliner Taxi-Innung geeignet, um Fahrgäste mitzunehmen, die ihren Rollstuhl nicht verlassen können.

„Andere Metropolen sind da weiter. In London, New York oder auf den Kanaren haben Menschen im Rollstuhl kein Probleme, ein für sie geeignetes Taxi zu finden“, sagte Lutz-Stephan Mannkopf vom Sozialverband Deutschlands (SoVD). Um das auch in Berlin zu ändern, startete der Verband im September 2015 die Initiative „Taxi für alle“. Das erklärte Ziel: Jedes zehnte Berliner Taxi soll so ausgestattet sein, dass es problemlos auch Rollstuhlfahrer transportieren kann.

Taxi-Verbände hoffen auf Zuschüsse aus der Landeskasse

Vertreter des Taxi-Gewerbes erklärten grundsätzlich ihre Zustimmung zu den etwa von den Grünen und den Piraten unterstützten Forderungen. Bei einer Anhörung im Berliner Abgeordnetenhaus am Mittwoch machten sie aber auch deutlich, dass dieses Ziel wegen der damit verbundenen hohen Kosten nicht ohne finanzielle Unterstützung erreicht werden kann. Der Vorsitzende der Innung des Berliner Taxi-Gewerbes, Leszek Nadolski, geht etwa davon aus, dass ein Pool von bis zu 800 speziell ausgestatteten Fahrzeugen benötigt werde, um die Mitnahme von Fahrgästen, die den Rollstuhl nicht verlassen können, in Berlin flächendeckend zu gewährleisten.

Nach Angaben von Richard Leipold, Vorsitzender der Berliner Taxi-Vereinigung, entstehen bei der Anschaffung der dafür notwendigen Großraumfahrzeuge Mehrkosten gegenüber einem herkömmlichen Taxi von „je nach Typ zwischen 6000 und 15.000 Euro“. Die Taxi-Unternehmen könnten eine solche Investition nicht allein stemmen. Leipold schlägt für die Finanzierung einen 50:50-Regelung vor. Denkbar sei eine Senatsförderung von maximal 5000 Euro pro Fahrzeug. Unterm Strich ergibt sich bei 800 Fahrzeugen ein Zuschussbedarf von rund vier Millionen Euro.

Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler trat da erst einmal auf die Bremse. Er verwies auf die erheblichen Investitionen des Senats etwa in den barrierefreien Umbau von U-Bahnhöfen. „Es ist noch einiges zu klären, um sagen zu können, was sinnvoll und machbar ist“, so Gaebler. Der SoVD verweist darauf, dass bereits jetzt 31.000 Berliner so stark gehbehindert seien, dass sie berechtigt sind, den Sonderfahrdienst in Anspruch zu nehmen. Hinzu kämen weitere 150.000 Menschen mit sonstiger Gehbehinderung. „In den kommenden Jahren wird sich die Zahl der Berliner über 80 explosionsartig vergrößern. Es ist unschwer zu erkennen, dass der Bedarf für barrierefreie Taxis stark steigen wird“, so Lutz-Stephan Mannkopf.