Integration

Berliner CDU gründet Netzwerk zum interkulturellen Dialog

Neues Metropolenprojekt soll vor allem die Integration befördern. Dem Gesprächskreis gehören Querdenker an, die nicht in der Union sind.

Die Bergmannstraße in Kreuzberg ist nicht nur eine beliebte Restaurant- und Kneipenmeile, sondern auch ein Ort, an dem sich Menschen aus vielen Ländern begegnen

Die Bergmannstraße in Kreuzberg ist nicht nur eine beliebte Restaurant- und Kneipenmeile, sondern auch ein Ort, an dem sich Menschen aus vielen Ländern begegnen

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening Berlin / picture alliance / Arco Images

Die Berliner CDU möchte mehr Metropolenpolitik machen. Am Montag wurde ein Projekt gestartet, mit dem vor allem interkulturelle Entwicklungen in Berlin erkundet werden sollen. Dazu wurde ein Gesprächskreis aus zunächst rund 15 Mitgliedern unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Berufen gegründet, der ein Netzwerk aufbauen soll. Viele Mitglieder des Kreises gehören nicht der Union an.

Das Projekt wurde vor allem von den CDU-Abgeordneten Uwe Lehmann-Brauns und Danny Freymark angestoßen. Ziel sei, der Politik neue Impulse zu geben und dabei im Dialog mit "Querdenkern" auch einmal gesellschaftspolitisch andere Wege zu gehen. So gehören der Runde unter anderem Marc Wohlrabe vom Vorstand der Club-Commission, die schwedische Autorin und Netzwerkerin Annamaria Olsson und die syrisch-britische Juristen Dima Mahjoub an, ebenso der Geschäftsführer der türkischen Tageszeitung Zaman, Ibrahim Ceylan, die künstlerische Leiterin des Kunsthauses Dahlem, Dorothea Schöne, Projektentwickler Klaus Krebs (Pfefferberg) und Marela Bone-Winkel, Gegnerin der geplanten BER-Flugrouten im Süden Berlins.

Oberstes Ziel: Kontakte knüpfen

Zunächst gehe es darum, Kontakt etwa zu Russlanddeutschen, der vietnamesischen Community oder zu Israelis aufzubauen, sagte Lehmann-Brauns. Dabei wolle man auf Krisen der Integration und Tendenzen der gesellschaftlichen Destabilisierung eingehen, wie sie etwa bei Protesten von Russlanddeutschen gegen die angebliche Vergewaltigung einer 13-Jährigen sichtbar wurden.

Es sollen aber auch Beispiele erfolgreicher Integration, etwa von Unternehmern, erkundet werden. Die Abgeordneten kritisierten, dass Metropolenpolitik bislang vom Senat nicht als Querschnittsaufgabe begriffen werde. Zudem gebe es in Hamburg einen Studiengang "Kultur der Metropole", Berlins Universitäten böten so etwas bislang nicht an, so Lehmann-Brauns.

39.000 ausländische Unternehmen aus 170 Ländern

In Berlin seien fast 39.000 ausländische Unternehmen aus 170 Ländern registriert, erklärte der CDU-Abgeordnete. Fast jedes zwölfte Unternehmen in Berlin habe einen ausländischen Hintergrund. Fast ein Viertel aller Erwerbstätigen in Berlin spreche mindestens drei Sprachen. Allein diese Zahlen belegten die vielfältigen Möglichkeiten für interkulturelle Begegnungen.

Annamaria Olsson lebt seit 2008 in Berlin. Die Autorin, die unter anderem erfolgreich Reiseberichte und Reiseführer schreibt, ist auch im Netzwerk "Give something back to Berlin" aktiv. Dort engagieren sich Menschen aus 60 Ländern, vor allem Zugezogene aus der Kreativ- und Start-up-Szene, ehrenamtlich und vermitteln auf ihrer Plattform Zuwanderer in lokale soziale Projekte – auch, um sich schnell in Berlin zu integrieren. Das Netzwerk führt auch viele Projekte für Flüchtlinge durch, etwa Kunstworkshops, Sprachcafés und Kochkurse. Dafür wurde es kürzlich von der UN und BMW mit dem "Intercultural Innovation Award" ausgezeichnet.

"Integration ist Zukunftsaufgabe unserer Gesellschaft"

Dima Mahjoub lebt seit vier Jahren in Berlin. Die aus London stammende Juristin hat einen syrischen und einen britischen Pass und absolviert derzeit an der Humboldt-Universität einen Masterstudiengang "Deutsches Recht". Sie möchte das Netzwerk dazu nutzen, die Kultur Syriens zu vermitteln und das Männer- und Frauenbild in der Gesellschaft zu diskutieren.

CDU-Landesvorsitzender Frank Henkel begrüßte das Metropolenprojekt und die Anstöße zum Thema Integration. Diese sei die Zukunftsaufgabe unserer Gesellschaft. "Alle sind aufgerufen, das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt zu fördern. Dazu zählt nicht nur die Politik, sondern auch die Stadtgesellschaft", sagte Henkel.

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