Berlin –

Neue Chefin für Stiftung Flucht und Vertreibung

Berlin.  Die krisengeschüttelte Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung steht vor einem Neuanfang. Mal wieder. Denn erst im vergangenen Sommer war mit großem Fanfarenklang die Uhr schon einmal auf null gestellt worden, bis dann der neu gekürte Direktor Winfrid Halder Ende des Jahres überraschend seinen Verzicht erklärte.

Nun soll die Berliner Museumsmanagerin Gundula Bavendamm den Schleudersitz übernehmen. Ihre Aufgabe ist es, in der Bundeshauptstadt die schon 2008 beschlossene Dokumentationsstätte zu Vertreibungen voranzubringen. Bei der Sitzung des Stiftungsrats an diesem Montag will die von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) eingesetzte Findungskommission Bavendamm als einzige Kandidatin vorschlagen. Ihre Wahl gilt damit als so gut wie sicher – was bei der wechselvollen Vorgeschichte der Stiftung alles andere als selbstverständlich ist. „Frau Bavendamm ist quasi die ‚eierlegende Wollmilchsau‘, die wir gesucht haben“, sagte der CSU-Abgeordnete Bernd Fabritius. Er vertritt als Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV) die einflussreichste Gruppe im Aufsichtsgremium. „Wir wollten bewusst einen Direktor oder eine Direktorin, die einerseits den zeitgeschichtlichen Kontext kennt, aber auch das Projekt nach vorne bringen kann.“

Historikerin gab dem Alliiertenmuseum neues Profil

Das wird der 50 Jahre alten Historikerin auch von anderen politischen Seiten zugetraut. Als Direktorin des Alliiertenmuseums in Berlin hat die gebürtige Schleswig-Holsteinerin dem Haus seit 2010 ein neues Profil gegeben. „Sie ist eine erfahrene Ausstellungsmacherin, hervorragend vernetzt, resolut und durchsetzungsstark“, heißt es aus der fünfköpfigen Findungskommission.

Das „Zentrum gegen Vertreibungen“ soll an das Schicksal der bis zu 14 Millionen Deutschen erinnern, die nach dem Krieg ihre Heimat in den ehemaligen deutschen Ostgebieten verlassen mussten. Besonders in Polen und Tschechien löste das Vorhaben Empörung aus. Es sei der Versuch, die Deutschen als Opfer statt als Täter darzustellen, hieß es.

Nach einem beispiellosen politischen Tauziehen einigte sich die große Koalition 2008 auf einen Kompromiss. Danach soll eine Dauerausstellung die Vertreibung der Deutschen zwar zum Schwerpunkt machen, aber auch die Vertreibungsschicksale anderer europäischer Völker im 20. Jahrhundert in den Blick nehmen. Auf einen Sitz im Aufsichtsgremium der dafür gegründeten Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung musste die polarisierende Erika Steinbach verzichten. Dafür konnte sie 2009 den konservativen Historiker Manfred Kittel als Gründungsdirektor durchsetzen, der jedoch sogar in den Reihen der Vertriebenen bald an Rückhalt verlor und Ende 2014 seinen Hut nahm.

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