Nachwuchswettbewerb

Der Nachwuchs will in Berlin den Tanzolymp erstürmen

Mehr als 800 Tänzer aus 38 Ländern treten beim Nachwuchswettbewerb Tanzolymp in Berlin an. Am Montag gibt es eine Galavorstellung.

Nathalie, Marcella, Hana, Alexia, Rayane, Kawany; Fernanda und Bianca aus Brasilien nehmen am Tanzolymp in Berlin teil

Nathalie, Marcella, Hana, Alexia, Rayane, Kawany; Fernanda und Bianca aus Brasilien nehmen am Tanzolymp in Berlin teil

Foto: Amin Akhtar

Die Choreografie sitzt und das Lächeln auch, die weite Reise samt Temperaturschock von 40 auf vier Grad ist den acht jungen Tänzerinnen nicht anzusehen. In ihren schwarzen Trikots, Shorts und rosa Strümpfen könnten diese Mädchen überall auf der Welt in einem Ballettsaal stehen – sie fühlen sich fit und haben in diesen Stunden nur eines im Sinn – den internationalen Nachwuchswettbewerb Tanzolymp, der in diesen Tagen in Berlin stattfindet. Mehr als 800 junge Tänzer und Tänzerinnen aus 38 Ländern treten dort an.

Da wollen die 15 bis 21 Jahre alten Brasilianerinnen Hana, Rayane, Nathalie, Marcella, Alexia, Bianca, Kawany und Fernanda einen Eindruck hinterlassen. Im Proberaum Marameo an der Wallstraße in Mitte gehen sie mit ihrer Trainerin Vania zwei zeitgenössische Choreografien durch. "Fly" und "In this shirt" heißen sie und sind Adaptionen einer russischen und einer US-amerikanischen Choreografie.

Mit "Fly" haben sie schon nationale Wettbewerbe gewonnen und sich für Berlin qualifiziert, ihre neueste Nummer haben sie für den Wettbewerb einstudiert und feilen daran – ihre Energie ist in dem kahlen Proberaum fast mit den Händen zu greifen. Es geht noch um Details. Sind die akrobatischen Abläufe genau getaktet, stimmen die stillen Posen, ist die Schulter im richtigen Winkel gedreht?

Im Rummel um die Berlinale droht das Tanzfestival fast unterzugehen. Es ist Europas größter Wettbewerb für junge Nachwuchstänzer aus staatlichen und privaten Ballettschulen. Dabei trifft sich die Tanzelite von morgen drei Tage lang, um sich dem Urteil einer hochkarätig besetzten internationalen Jury aus Spitzentänzern, Ballettdirektoren und den Chefs großer staatlicher Ballettschulen zu stellen. Es geht um Technik, Ausdruck und künstlerische Interpretation. Und für einige von ihnen – besonders aus dem klassischen Bereich – auch um ihre Zukunft.

Veranstalter sichtet 600 Bewerbungsvideos

Die Gewinner können Verträge mit Theatern oder Stipendien an namhaften Schulen erhalten und Geldpreise. Doch es soll nicht nur um Nachwuchsförderung gehen, sondern auch um die verbindende Kraft des Tanzes. "Tanz und Musik überwinden Grenzen – da braucht es keine Worte", sagt Veranstalter Oleksi Bessmertni. Das Motto sei deshalb: "Tanz als Weltsprache". Auch wohin diese sich entwickelt, könne man beim Tanzolymp verfolgen.

An die 600 Bewerbungsvideos von privaten und staatlichen Ballettschulen hat Bessmertni gesichtet. In einigen Ländern, aus denen besonders viele Bewerber kommen, fanden zusätzlich eigene Tanzolympe für die Vorauswahl statt. Mehr als 600 Solisten, Duos, Quartette und Ensembles waren allein in Brasilien angetreten. Das Land ist 2016 in Berlin am stärksten vertreten. 174 Qualifizierte dürfen sich jetzt mit Tänzern vor allem aus Russland, Südkorea, China, Nord-, Süd- und Osteuropa, aber auch aus Argentinien, Venezuela und Kolumbien messen.

Alexia (18) und Nathalie (16) aus São Paulo können es immer noch kaum fassen, dass sie unter den Auserwählten sind. "Es ist einfach unglaublich, dass wir hier sein können", sagen sie. Obwohl sie mit ihrer privaten Tanzschule in Brasilien schon erste Preise gewonnen haben, wie ihre Direktorin Heloisa Carmo betont. "Natürlich möchten wir gut abschneiden, aber hierher kommen so viele tolle Tänzer – von überall", sagt Nathalie. "Auch aus Rio sind welche dabei, die sind so unglaublich gut, dass wir froh sind, in einer anderen Kategorie anzutreten."

Wie ihre Chancen sind, können die Mädchen nicht einschätzen. Das Wichtigste sei aber erstmal dabei zu sein, sagt Alexia. An drei Tagen haben sie im Marameo intensiv trainiert, um am heutigen Sonntag, wenn der moderne Tanz dran ist, in Topform zu sein. Zwischendurch haben sie Berlin erkundet – auch das sei die Reise wert.

Ohne öffentliche Finanzierung, dafür mit Herzblut

Der Tanzolymp für Kinder und junge Tänzer von acht bis 21 Jahren wird in vier Altersgruppen und fünf Kategorien ausgetragen, klassisch/neoklassisch, modern/zeitgenössisch, Jazz, Pop und Folk, sagt Oleksi Bessmertni. Der Schwerpunkt liege aber beim klassischen Tanz. "Wer eine klassische Ballettausbildung hat, kann am Ende alle Stile tanzen", sagt er. Der ehemalige Solotänzer, der seine internationale Bühnenkarriere 2002 an der Berliner Staatsoper beendet und in Berlin eine Agentur gegründet hat, organisiert das Festival nun schon zum 13. Mal.

Ohne öffentliche Finanzierung, dafür mit viel Herzblut, Unterstützung des Berliner Staatsballetts, der Studios der Deutschen Oper und des Friedrichstadt-Palastes sowie zahlreicher Tänzer, Pädagogen, Choreografen und Sponsoren. Die jungen Tänzer entrichten eine Teilnahmegebühr, inklusive Hotel und Halbpension bei freiem Eintritt in die staatlichen Museen.

Austragungsort des Wettbewerbs ist das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur an der Friedrichstraße, das über einen Theatersaal mit 500 Plätzen verfügt. Zuschauen dürfen aus Platzgründen nur die Jury, die Tänzer und ihre Begleiter. Das große Publikum soll aber auch etwas von dieser geballten Ladung Tanztalent haben. Die besten von ihnen werden am Montagabend, 22. Februar, um 19 Uhr im Theater des Westens bei einer großen Abschlussgala auftreten.

Auf der großen Bühne treffen dann die Sterne von morgen auf internationale Ballettstars wie Polina Semionova und Maria Eichwald, Olga Smirnova und Artem Ovcharenko vom Moskauer Bolshoi Ballett, Liudmila Konovalova, Primaballerina der Wiener Staatsoper, und Marian Walter, erster Solotänzer beim Staatsballett Berlin.

Restkarten für die Abschlussgala gibt es an den Konzertkassen oder an der Abendkasse.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.