Urteil im Fall Maria P.

Schwangere lebendig verbrannt: 14 Jahre Haft für Angeklagte

Die schwangere Maria P. und ihr ungeborenes Kind mussten qualvoll sterben. Die Angeklagten müssen für 14 Jahre ins Gefängnis.

Daniel M. (vorne) und Eren S. (l.) verbergen im Gerichtssaal ihre Gesichter

Daniel M. (vorne) und Eren S. (l.) verbergen im Gerichtssaal ihre Gesichter

Foto: dpa

Am Ende hatten die Richter keine Zweifel mehr: Eren T. und Daniel M. sind nach ihrer Auffassung die Mörder der 19-jährigen Maria P. Die hochschwangere junge Frau war vor elf Monaten in einem Waldstück in Adlershof bei lebendigem Leibe verbrannt, nachdem die beiden Männer sie zuvor niedergestochen, mit Benzin übergossen und angezündet hatten. Eine Jugendkammer verurteilte die beiden 20-Jährigen am Freitag wegen Mordes jeweils zu 14 Jahren Freiheitsstrafe. Die Kammer blieb damit ein Jahr unter der im Jugendrecht zulässigen Höchststrafe.

Darüber hinaus stellte das Gericht bei beiden Verurteilten die besondere Schwere der Schuld fest. Dies hat zur Folge, dass eine vorzeitige Begnadigung ausgeschlossen bleibt. Mit ihrem Urteil blieben die Richter nur knapp unter der vom Vertreter der Staatsanwaltschaft geforderten Höchststrafe. Die Verteidiger von T. und M. hingegen hatten für ihre Mandanten Freisprüche aus Mangel an Beweisen gefordert. Prozessbeobachter gehen davon aus, dass beide Verteidiger in Revision gehen.

Angesichts der ungeheuren Brutalität der Tat hatte nicht nur der Mord, sondern auch der Prozess für große Aufmerksamkeit bei Medien und Öffentlichkeit gesorgt. Zwei Dutzend Journalisten aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland hatten den vier Monate laufenden Prozess verfolgt. Auch die Plätze für die Zuhörer waren an jedem einzelnen Verhandlungstag besetzt. Eine große Gruppe stellten dabei Verwandte und Freunde von Maria P. Sie waren jedes mal in Jacken oder Pullovern mit der Aufschrift „Wir sind Maria P. R i P“ erschienen. Eine zweite, etwas kleinere Gruppe stellten Personen aus dem Umfeld der Angeklagten.

Einige Mal war es in den vergangenen Wochen vor und nach den Verhandlungen zu kleineren verbalen Streitigkeiten zwischen den Gruppen gekommen. Die Vorsitzende Richterin hatte daher für den Tag der Urteilsverkündung vorgesorgt. Es gab zusätzliche Kontrollmaßnahmen und vor dem sowie im Verhandlungssaal waren am Freitag deutlich mehr Justizwachtmeister im Einsatz als an normalen Tagen. Darüber hinaus mischten sich noch mehrere Polizeibeamte in Zivil unter die Zuhörer.

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Zum Ende des vorletzten Verhandlungstages hatte die Vorsitzende sich direkt an die Zuhörer gewandt. Es werde wohl kein Urteil geben, dass alle Seiten befriedige, sagte Regina Alex und warnte Zuhörer zugleich vor Unmutsäußerungen, Beifallsbekundungen oder Protesten während der Urteilsverkündung. Störer werde sie konsequent mit einem Ordnungsgeld belegen oder gleich aus dem Saal entfernen lassen, stellte die erfahrene Richterin klar. Die Mahnung zeigte offenbar Wirkung. Bei der Verkündung des Strafmaßes war aus den Reihen der Verwandten und Freunde des Opfer kurz beifälliges Gemurmel zu vernehmen, danach herrschte sofort wieder Ruhe.

Die war auch nötig, denn die Vorsitzende zeigte keinerlei Bereitschaft, von der Richterbank aus eine schwungvolle Rede im Stil einer Politikerin zu halten. Sachlich nüchtern, nahezu monoton beschrieb sie, was die drei Berufsrichter und zwei Schöffen ihrer großen Jugendstrafkammer zu dem Schuldspruch veranlasst hatte. Zusammengefasst waren es vier Gründe. Eren T. hatte nach Überzeugung des Gerichts ein handfestes Motiv, er wollte um jeden Preis verhindern, dass Maria P. das Kind, sein Kind zur Welt brachte. Daher habe er seiner Ex-Freundin Versöhnungsbereitschaft vorgegaukelt, um sie in das einsame Waldstück in Adlershof zu locken. Daniel M. habe T. dagegen aus reiner Sensationslust bei der Tat geholfen „Sie haben die Tat gemeinsam geplant, vorbereitet und durchgeführt", hielt die Vorsitzende beiden Angeklagten entgegen.

Handy-Ortungen und Bilder aus Überwachungskameras

Ein weiterer Grund für den Schuldspruch waren die Ergebnisse von Handy-Ortungen und Bilder diverser Überwachungskameras, die belegten, dass sich beide Angeklagte zur Tatzeit in unmittelbarer Nähe des Tatortes aufhielten. Ein noch wichtigeres Indiz für den Schuldspruch waren Spuren der Angeklagten an einem Teleskopschlagstock, einem Messer und einem Benzinkanister, alle drei Gegenstände wurden als Tatwerkzeuge am Tatort sichergestellt.

Für die Schuld der Angeklagten sprechen nach Überzeugung des Gerichtes auch die widersprüchlichen und zum Teil nachweisbar falschen Angaben, die T. und M. bei ihren Vernehmungen durch die Polizei gemacht hatten. Dort hatten sich beide Männer noch gegenseitig belastet, vor Gericht hingegen schwiegen sie. Schweigend und ohne erkennbare Regung nahmen sie am Freitag auch den Schuldspruch entgegen.

Wie zuvor schon der Vertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Schlussplädoyer und die Sachverständigen in der Beweisaufnahme erwähnte auch Regina Alex in ihrer Urteilsbegründung nochmals die entsetzlichen Umstände, unter denen Maria P. starb. Die beiden Messerstiche, die 17 Zentimeter tiefe Wunden im Unterbauch des Opfers hinterließen, waren noch nicht tödlich, Maria P. lebte, war bei Bewusstsein, als sie angezündet wurde. Und während sie schon lichterloh brannte, hatte sie sich nochmals bewegt, wie die rechtsmedizinischen Untersuchungen ergaben. Vermutlich in dem verzweifelten Versuch, sich ihrer brennenden Kleidung zu entledigen.

„Der Todeskampf des Opfer dauerte nicht Sekunden, sondern Minuten“, hatte Anklagevertreter Martin Glage in seinem Schlussvortrag erklärt. In einem entscheidenden Punkt waren sich Gericht und Staatsanwaltschaft einig. In dem am Freitag zu Ende gegangenen Prozess ging es um ein Verbrechen, „dessen Grausamkeit jede menschliche Vorstellungskraft sprengt.“

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