Trinkwasser

Nicht nur sauber, sondern rein

In Tegel erproben die Berliner Wasserbetriebe ein neues Verfahren. Spuren von Medikamenten sollen so aus dem Trinkwasser verschwinden

Auf dem Gelände des Wasserwerks an der Buddestraße steht die Versuchsanlage zur Abwasserreinigung

Auf dem Gelände des Wasserwerks an der Buddestraße steht die Versuchsanlage zur Abwasserreinigung

Foto: Paul Zinken / dpa

Ein riesiges, neues Silo mit Aktivkohle steht auf dem Gelände der Berliner Wasserbetriebe an der Buddestraße in Tegel. Am Mittwoch hat dort ein großtechnischer Versuch begonnen. Auf dem Gelände wird traditionell Wasser aufbereitet, das zuvor schon im Klärwerk gereinigt wurde. Mit der Aktivkohle sollen jetzt chemische Substanzen aus dem Wasser geholt werden, die nur in winzigen Mengen vorkommen und bislang trotz mehrerer Reinigungsschritte immer noch ins Trinkwasser gelangen. Es geht vor allem um Spuren von Medikamenten.

„Man stellt diese Stoffe im Wasser fest, weil es immer genauere Messmethoden gibt“, sagte Jörg Simon, Vorstandschef der Wasserbetriebe, bei der Präsentation des Vorhabens. Doch manche Medikamente würden auch wesentlich häufiger verschrieben als früher. Zu den Spurenstoffen gehört zum Beispiel Diclofenac. „Es kommt in Schmerzmitteln vor“, sagte Professor Martin Jekel von der Technischen Universität Berlin, die sich an dem Forschungsprojekt beteiligt. Die im Wasser gelöste Substanz werde durch Aktivkohle gebunden und später mit der Kohle herausgefiltert. Die Kohle gelangt schließlich als Schlamm in eine Verbrennungsanlage.

Forschungsministerium unterstützt Projekt

Der Versuch in Tegel ist Teil eines 4,4 Millionen Euro teuren Forschungsvorhabens, das sich mit dem Risikomanagement von Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf beschäftigt. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. 1,3 Millionen Euro haben die Wasserbetriebe beigesteuert.

Medikamente gelangen vor allem durch den menschlichen Körper ins Abwasser. Doch was passiert mit Arzneimitteln, die übrig bleiben? Viele Patienten entsorgen sie im Waschbecken oder in der Toilette. Einer Umfrage zufolge meint fast 50 Prozent der Deutschen, dass dies der richtige Weg sei. „Die beste Lösung ist die Verbrennung mit dem Hausmüll“, so Jekel. In der Aufbereitungsanlage an der Buddestraße werden die Zuflüsse zum Tegeler See gereinigt. Dank des neuen Aktivkohle-Verfahrens wird der See künftig weniger Medikamentenreste enthalten. Das nützt auch den Fischen. „Sie bekommen chronische Nierenschäden durch Diclofenac“, so Jekel.