E-Commerce

Verbraucher geben jeden achten Euro online aus

Der Onlinehandel in Deutschland boomt: Für 2016 erwartet die Branche ein Umsatzplus von 12 Prozent im E-Commerce.

Amazon-Mitarbeiter packen Pakete: Für den interaktiven Handel wird in diesem Jahr ein Plus von 12 Prozent erwartet

Amazon-Mitarbeiter packen Pakete: Für den interaktiven Handel wird in diesem Jahr ein Plus von 12 Prozent erwartet

Foto: Jan-Philipp Strobel / dpa

Berlin.  Der interaktive Handel ist weiter auf dem Vormarsch. Vor allem Bekleidung, Elektronik und Bücher werden im Internet gekauft. Einer Studie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel (bevh) zufolge setzte der interaktive Handel im vergangenen Jahr in Deutschland in Waren und Dienstleistungen im Wert von 65,3 Milliarden Euro um. Im Jahr 2014 waren es 60,0 Milliarden Euro (Vorjahreszahlen in Klammern).

Diese Umsätze entsprechen 11,7 Prozent des gesamten Einzelhandelsvolumens. Anders ausgedrückt: Jeder achte Euro wird mittlerweile im Internet ausgegeben. Für 2016 erwartet der bevh ein Umsatzplus von 12 Prozent im E-Commerce.

Streaming verdrängt Produkte

Doch es geht nicht in allen Branchen aufwärts: Der Buchmarkt erlebt mit einem Umsatzrückgang von acht Prozent im Onlinehandel eine Phase des Umbruchs. Denn Abo-Lesemodelle, Leih-E-Bibliotheken und Selfpublishing-Formate erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und verdrängen zunehmend den Verkauf gedruckter Bücher. Ähnlich ergeht es der Warengruppe Video und Musik, die einen Umsatzrückgang um 20 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro verbuchte. Grund hierfür dürften Streamingdienste sein.

Der bevh registrierte drei Trends im Onlinehandel: So lassen sich mehr Kunden online bestellte Waren zur Abholung in eine Filiale liefern. 18 Prozent (13 Prozent) sagten, dass sie das schon einmal versucht haben. In der USA hat dieses „Click and Collect“ (anklicken und abholen) genannte Verfahren bereits einen Anteil von 40 Prozent des Onlinehandels, wie Martin Groß-Albenhausen sagt, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des bevh.

Mehr Lebensmittel online verkauft

Der zweite Trend: 14 Prozent (10 Prozent) gaben an, dass sie auch Waren des täglichen Bedarfs online eingekauft haben. Bei online bestellten Lebensmitteln gab es gar ein Plus von 19 Prozent auf 736 Millionen Euro. „Immer mehr Verbraucher beginnen, auch Waren des alltäglichen Bedarfs online zu kaufen, weil sie die Lieferung in die Wohnetage oder die entspannte Auswahl zu Hause schätzen“, sagt Gero Furchheim, Präsident des bevh.

Trend Nummer drei: In sozialen Netzwerken sind Angebote von Onlinehändlern seltener aufgefallen. Nur noch 23 Prozent der Befragten gaben das an (27 Prozent). „Dennoch wird Facebook wichtiger, weil das Netzwerk dem Handel mehr und bessere Kunden liefert“, sagt Groß-Albenhausen.

Umsatzstärkste Warengruppen insgesamt sind Bekleidung mit zehn Milliarden Umsatz, Elektronikartikel mit 7,7 Milliarden Euro und Bücher mit 3,6 Milliarden Euro. „Das größte Wachstum verzeichnete das Warensegment Tierbedarf mit einem Plus von 74 Prozent“, sagt Martin Groß-Albenhausen.

Webseiten dienen als Informationsquellen

Die der Studie zugrunde liegende Verbraucherumfrage wollte wissen, wie sich die Kunden vor dem Kauf über ein Produkt informieren: Hauptinformationsquelle ist die Webseite des Händlers mit einem Anteil von 65 Prozent, gefolgt von Suchmaschinenergebnissen mit 20 Prozent und Katalogen mit 18 Prozent.

Die meisten Käufer nutzen ihren PC für Bestellungen im Internet. Hierbei werden Waren für 37,2 Milliarden Euro erworben. Auf Smartphone- und Tablet entfallen Umsätze von 9,7 Milliarden Euro. Rückläufig sind dagegen telefonische und E-Mail-Bestellungen. Der Bankeinzug ist nach dem Kauf der beliebteste Bezahlweg mit 29 Prozent (27 Prozent). Die Rechnung verliert mit 26 Prozent (30 Prozent) an Bedeutung. Rückläufig sind auch Kreditkartenzahlungen mit 15 Prozent (17 Prozent). Digitale Bezahlwege wie PayPal gewinnen mit 22 Prozent an Bedeutung (19 Prozent).

Offline und online greifen ineinander

Die Zahl der Vertriebswege ist mitentscheidend für den Erfolg. Kombinationen aus Katalog und E-Commerce oder Laden und Onlineshop zahlen sich aus. „Multichannel-Händler schlagen sich gut“, sagt Martin Groß-Albenhausen. Sie verzeichneten ein Plus von neun Prozent im Jahresvergleich, liegen aber in absoluten Zahlen deutlich hinter den Online-Marktplätzen wie Amazon oder eBay, die Umsätze von 25,6 Milliarden Euro tätigten (24,7 Milliarden Euro). Verbraucher denken aber nicht mehr in einzelnen Kanälen. „So greifen gerade im Bereich der Möbel online und offline immer mehr ineinander“, sagt Furchheim.

„Retouren gehören um Geschäftsmodell des Onlinehandels“, sagt Groß-Albenhausen. Jeder fünfte Befragte gab an, bereits beim Kauf die Rücksendung der Ware geplant zu haben. Jeder zweite Befragte wolle im Internet bestellte Schuhe und Bekleidung nach dem Kauf behalten, so die Studie.

Hohe Umsätze mit Tickets und Reisen

Die größten Umsätze im Dienstleistungssektor mit einem Volumen von insgesamt 13 Milliarden Euro werden mit Flug-, Bahntickets und Mietwagen (43 Prozent) gemacht, gefolgt von Reisen mit 42 Prozent und Veranstaltungen mit acht Prozent.

Für die Studie wurden von Januar bis Dezember 2015 insgesamt 40.000 Privatpersonen aus Deutschland telefonisch oder online befragt.