Sicherheit

Netanjahu in Berlin: „Ganz schön, heftig dieser Aufwand“

Höchste Sicherheitsstufe am Waldorf Astoria für den Besuch von Israels Premier. Nicht alle verstehen den hohen Sicherheitsaufwand.

Polizisten mit einem Spürhund gehen in Richtung des Hotels Waldorf-Astoria. Wegen des Staatsbesuchs des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu ist der Bereich um seine Unterkunft, das Hotel Waldorf-Astoria, weiträumig abgesperrt

Polizisten mit einem Spürhund gehen in Richtung des Hotels Waldorf-Astoria. Wegen des Staatsbesuchs des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu ist der Bereich um seine Unterkunft, das Hotel Waldorf-Astoria, weiträumig abgesperrt

Foto: Paul Zinken / dpa

Das Herz der City-West ist für zwei Tage vom Rest der Stadt getrennt. Das erste, was verschwand, war die freie Sicht auf das Portal des Luxushotels Waldorf Astoria. Dort bezog der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seine Suite im Hochhaus nahe dem Breitscheidplatz.

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Oberste Sicherheitsstufe und Ausnahmezustand, während zwischen KaDeWe und den Glamourboutiquen des Kudamms der Shopping-Alltag unbeirrt weitergeht. Neben und unter dem Bahnhof Zoo dagegen bleibt niemand unbetroffen. Und nicht jeder ist begeistert.

Ein junger Mann mit schwarzem Bart und Thermojacke etwa steht mit mürrischem Blick an der Ecke Hardenberg-, Joachimsthaler Straße. Er ist der verantwortliche Techniker der Süßigkeitenautomaten im U-Bahnhof. „Ich bin mit der Polizei verabredet. Man will in die Apparate sehen, um sicher zu gehen, dass dort nichts Gefährliches deponiert wurde“, sagt er. Ihn sorgt, ob er sein Auto, das vor dem Zoo steht, danach noch aus der Absperrzone fahren kann.

Ein Trupp Brandenburger Arbeiter in gelben Leuchtjacken und mehreren Lagen Pullovern stellt indes mannshohe Zäune mit weißen Sichtschutzplanen gegenüber dem Waldorf Astoria und entlang der Budapester Straße auf. Zwei Handwerker errichten schützende Gerüste. Vom Bürgersteig ist der Zugang zum Hotel, wo Netanjahu und seine Delegation unterkommen, nicht mehr zu sehen sein.

„Ganz schön, heftig dieser Aufwand“, kommentiert Passant Wilhelm Block. Polizisten aus mehreren Bundesländern sind unterwegs. Räumfahrzeuge, Ostholsteinische Polizeitaucher mit einem Lkw voller Sauerstoffflaschen starteb zum Spreestück am Kanzleramt.

„Können sich Bundeskanzlerin und Premierminister nicht irgendwo weit weg in der Schorfheide treffen?“, fragt Block. Er ist mit seiner Frau zu Besuch aus Bochum. Mit dem Bus 100 wollte er in Richtung Alexanderplatz gelangen. Entnervt hastet er der U-Baghn entgegen.

Die Budapester Straße ist am Breitscheidplatz gesperrt. Fußgänger aber bleiben unbeeinträchtigt und so sitzt eine Gruppe von zehn Touristen wenig später in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und erfährt von der Geschichte des Gotteshauses.

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Im Waldorf Astoria ist es nicht minder behaglich. Die vom Trubel ungestört wirkenden Hotelgäste durchmessen ein hohes Foyer, in dem Äpfel und Blumen der Saison neben grau-braunen, samtweichen Fauteuils drapiert sind. Vertreter der israelischen Gesandtschaft mit Davidstern am Revers reden leise und mustern jeden, der an ihnen vorbeigeht. Etwa den 53-jährigen Ralf. Er ist aus dem Saarland zu einem Kongress von Mittelständlern gekommen, nimmt nun vor dem Hotel mit zwei Smartphones seine Partnerin auf, und eine im Hintergrund eintreffende israelische Fahrzeug-Kolonne gleich mit. „Ist doch mal was Anderes“, sagt er. Am Tag zuvor wurde ihm bei Ankunft im Hotel der Ausweis abgenommen und fotokopiert. „Ich finde das spannend“, meint der Saarländer.

Ein paar Schritte weiter haben Sicherheitskräfte einen mehrere Meter langen Container aufgestellt, der Autos durchleuchtet, die auf dem Weg zur Garage des Hotels sind. Schwarze BMWs, ein Porsche, ein Maserati stehen verlassen und wie polizeilich beschlagnahmt auf der abgesperrten Joachimsthaler Straße. Die Ankunft am Luxushotel hatten sich ihre Besitzer, die die letzten Meter zu Fuß zurück legen mussten, möglicherweise mondäner ausgemalt.

Peri Yuguran hat den Sicherheitscheck schon hinter sich. Im U-Bahnhof überprüften Polizisten ihren gut besuchten Backshop. „Mit Hunden“, sagt die Mariendorferin. Auch ihr Lager wurde kontrolliert. „Aber mich stört dass nicht. Man kann nie sicher genug gehen.“

Am Dienstag kamen Netanjahu mit Angela Merkel, und die ihn begleitenden Minister mit ihren deutschen Amtskollegen zu bilateralen Gesprächen im Kanzleramt zusammen. Nachmittags besucht der Premierminister eine Ausstellung mit Kunst aus Yad Vashem im Deutschen Historischen Museum. Entlang der Fahrstrecken muss mit Verkehrsbeeinträchtigungen gerechnet werden.