Ai Weiwei

Hunderte Schwimmwesten am Konzerthaus

Schwimmwesten, die kein Leben retten: Auf dem Gendarmenmarkt macht der Künstler Ai Weiwei auf das Flüchtlingselend aufmerksam.

Der chinesische Künstler Ai Weiwei (58) hat am Freitagabend mit einer Kunstaktion auf dem Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte auf das Flüchtlingselend aufmerksam gemacht.

Die Säulen des Portals des Konzerthauses leuchten ungewöhnlich hell in Orange. Die Signalfarbe stammt von Rettungswesten, die der Künstler einzeln darum gewickelt und dann fixiert hat. Am Boden stapeln sich Hunderte dieser Westen zu einem Berg, nach und nach werden sie von Mitarbeitern Ai Weiweis im Bereich des Eingangs des Konzerthaus am Gendarmenmarkt befestigt. Der Künstler selbst war bis zum frühen Abend nicht zu sehen.

Die temporäre Installation am Konzerthaus wird im Rahmen der Cinema for Peace-Gala am Montag eröffnet und soll vermutlich bis Dienstag zu sehen sein, heißt es im Konzerthaus, das Gastgeber des Events ist.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Chinese angekündigt, in Berlin ein Mahnmal aus Tausenden Rettungswesten zu errichten. Da wusste noch keiner, wo das genau in der Stadt stattfinden sollte und wann. Ai Weiwei pflegt bekanntlich seine Aktionen. Doch auf Instagram postete er gleich zwei Fotos, auf denen er Schwimmwesten mit den für ihn typischen Holzschemeln drapierte.


Billigwesten lassen Menschen ertrinken

Mit seinem Projekt will Ai Weiwei auf die Verbrechen aufmerksam machen, die von skrupellosen Menschenschleppern in der Ägäis verübt werden. Die billig hergestellten Westen sind oft nur Attrappen: Statt zu tragen, saugen sie sich mit Wasser voll und ziehen die Menschen in die Tiefe.

Die Westen hat er von den Behörden in Lesbos bekommen. Der 58-Jährige hat dort offenbar bereits ein Atelier eingerichtet. Er sei „sehr stolz“ auf den Empfang, den Deutschland vielen Flüchtlingen bereitet habe, sagte er vor einiger Zeit. In London hatte sich Ai Weiwei an einem Solidaritätsmarsch für Flüchtlinge beteiligt. Erst vor zwei Wochen schockierte er mit einer fragwürdigen Aktion, als er sich für das Magazin „India Today“ am Strand von Lesbos fotografieren ließ. Dabei stellte er das Bild des ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi nach, das im September weltweit für Erschütterung gesorgt hatte.

Am Sonnabend soll das Berliner Mahnmal fertig aufgebaut sein – ein Schiff wird dann zwischen den Säulen zu sehen sein. Ein Hinweis auf die Rettung vieler Flüchtlinge und als Verweis, dass es auch Helfer gibt in dieser Katastrophe.