Prozess

Aus dem Big-Brother-Container ins Gericht

Filmriss: Die wegen versuchten Mordes angeklagte Moderatorin Natalie Langer sagt vor Gericht, dass sie sich nicht erinnern könne.

Natalie Langer, Moderatorin und ehemalige Teilnehmerin der TV-Serie "Big Brother", steht am  in Berlin mit ihrem Anwalt im Gerichtssaal

Natalie Langer, Moderatorin und ehemalige Teilnehmerin der TV-Serie "Big Brother", steht am in Berlin mit ihrem Anwalt im Gerichtssaal

Foto: Paul Zinken / dpa

Blackouts unmittelbar vor der Tat sind in Erklärungen von Angeklagten keine Seltenheit. Auch die Moderatorin Natalie Langer sprach am Montag vor einem Moabiter Schwurgericht von einem Filmriss: „Ich weiß nur noch, dass ich morgens zu Hause in meinem Bette aufgewacht bin, Unterwäsche trug und noch Make-Up im Gesicht hatte. Wie ich dahin gekommen bin, weiß ich nicht.“

Die 34-Jährige - bekannt geworden als „Big Brother“-Star und „Miss World Bikini Modell“ - steht nach einem Autounfall mit Fahrerflucht vor Gericht. Ein 47-jähriger Mann wäre dabei fast zu Tode gekommen. Langer ist angeklagt wegen versuchten Mordes.

Vor Gericht beschrieb sie den Verlauf des Abends des 25. Juli 2013: Sie traf sich damals in Köpenick mit einem Bekannten - „ich kannte ihn von einem Dreh“ - zum essen. Gemeinsam wurde eine Flasche Weißwein geleert. Anschließend fuhren sie mit Langers Mercedes zu einem Club in der Friedrichstraße, die Moderatorin hinterm Steuer.

Hier tranken sie zu viert eine Flasche Sekt. Hernach, wieder fuhr Langer, führte der Weg zu einer Bar am Olivaer Platz. „Von da ab kann ich mich nicht mehr erinnern“, sagte sie. „Ich verstehe nicht, dass ich anscheinend betrunken gefahren bin.“ In der Bar soll jedoch davon gesprochen worden sein, dass sie öfter mal angetrunken fahre und noch nie erwischt worden sei.

Auf dem Fußboden gefunden

Am nächsten Morgen habe ihr Verlobter Stefan K. angerufen und ihr erzählt, dass er sie in der gemeinsamen Wohnung auf dem Fußboden gefunden habe. Der 43-Jährige habe auch von einer Beule an ihrem Mercedes gesprochen. Nach eigenen Angaben war Langer zu diesem Zeitpunkt immer noch absolut arglos. Und so etwas wie Erinnerungen seien ihr auch nicht gekommen, als sie und Stefan K. am späten Nachmittag mit ihrem Hund Gassi gingen und sie gar nicht weit entfernt von ihrem Wohnhaus auf der Straße Am Falkenberg im Ortsteil Treptow einen Kreideumriss sah - als habe dort ein Mensch gelegen.

„Was ist denn hier passiert“, fragte sie einen Mann, der gerade auf seinem Balkon stand. Der soll geantwortet haben, „dass schon den ganzen Tag im Radio darüber berichtet“ werde: schlimme Sache, der Fahrer sei einfach abgehauen. „Ich habe noch gedacht: In unserer Straße! Wer macht denn so etwas“, sagte Langer.

Stefan K. indes soll die Situation zu diesem Zeitpunkt schon weitaus kritischer gesehen haben. Er habe sie immer wieder gedrängt, sich doch zu erinnern, wie sie nach Hause gekommen sei, sagte Langer. Sie habe schließlich erwidert, „wenn du so ein komisches Gefühl hast, dann lass uns zur Polizei gehen“. Das habe Stefan K. jedoch vehement abgelehnt. „Wir haben uns darüber mehrfach gestritten“, sagte sie.

Am Ende wütend weggefahren

Am Ende sei sie wütend mit ihrem verbeulten Mercedes ins sächsische Hoyerswerda zu ihrer Mutter gefahren. Stefan K. sei ihr mit dem Zug gefolgt, habe das Auto einfach mitgenommen und nach Polen gebracht. Sie selbst - „ich bin eingeknickt“ - habe dann auf die Weisung des Verlobten am nächsten Morgen den Wagen bei der Polizei als gestohlen gemeldet.

Doch der Plan funktionierte nicht. Ein polnischer Werkstattinhaber lehnte ab, den Mercedes zu reparieren. Stefan K. soll ihn in Stettin einfach abgestellt haben. Vielleicht in der Hoffnung, dass der Mercedes gestohlen und zerlegt wird. Auch das ging daneben. Sie sei von der Staatsanwaltschaft Stettin informiert worden, dass der Wagen beschlagnahmt sei, erinnerte sich Langer. Wenig später hätten deutsche Beamte vor ihrer Wohnungstür gestanden und erklärt, dass gegen sie ein Verfahren wegen versuchten Mordes laufe.

Der Prozess wird am 22. Februar fortgesetzt.