Berlin

Familientreffen der Cowboys

Zum Country Music Meeting im Reinickendorfer Fontane-Haus kommen nicht nur Berliner

Die Musik macht es möglich. Die Countrysongs und Gitarrenklänge entführen in die amerikanische Weite, auf die endlos langen Highways und in die Prärie. Vor dem inneren Auge sieht man Pferde galoppieren und Postkutschen rollen. Es ist das traditionelle Country Music Meeting im Fontane-Haus in Reinickendorf, das seinen Gästen zum Ende der Winterferien diese Stimmung vermittelt.

Am vergangenen Wochenende sind mehr als 80 Künstler aus 15 Nationen am Wilhelmsruher Damm aufgetreten, darunter Larry Schuba, Linda Feller, die C.C. Adams Band, außerdem Slow Horses, die lettische Gruppe Flame & The Roll Tones und Sjöström & Güllö aus Schweden. Schätzungsweise 3500 Besucher seien von Freitag bis Sonntag gekommen, sagt Veranstalter Frank Lange, der auch den American Western Saloon am Fontane-Haus betreibt. „Rund 500 mehr als im vergangenen Jahr.“

Der Cowboy-Hut gehört bei den meisten Country-Fans zum Outfit. Zwischen 20 und 80 Jahre alt seien die Gäste, sagt Frank Lange. Einige reisen aus Westdeutschland an, andere kommen aus dem Berliner Umland. Auch Reisebusse aus Dänemark sind vorgefahren. Die Bands spielen auf vier Bühnen. Auf der kleinsten, sie heißt „Locker vom Hocker“, gibt es keine Verstärker. Die Gäste sitzen und stehen in der Nähe, wippen mit dem Fuß im Takt oder schnippen mit den Fingern. Der Coun­try-Sound zieht sie in den Bann. Im großen Saal tritt eine Tanzgruppe zur Musik auf. Die Herren in schmucker Uniform, die Damen mit Schleifen im Haar und langen Kleidern. Eine Szene wie aus einem alten Western. Wer will, kann sich an den Ständen im Fontane-Haus mit Hüten und Stiefeln ausstatten. „Das machen vor allem Jüngere, die zum ersten Mal kommen“, erzählt Frank Lange. „Die Älteren kaufen sich höchstens mal ein neues Hemd.“

Auch Bilder von Schauspieler John Wayne und von Helden der Bonanza-Serie sind zu sehen. Begeistert von Country-Musik und Western sind auch Dagmar und Peter Garz aus Lichtenberg, die mit ihrer Enkelin Charlien (9) ins Fontane-Haus gekommen sind. Alle drei mit Hut. Seit 16 Jahren beschäftigt sich das Ehepaar mit der Country-Szene, mit der Geschichte des amerikanischen Bürgerkrieges und mit der Musik. Seit einem Jahr singen Peter und Dagmar Garz auch Countrysongs gemeinsam mit ihrer Enkeltochter. Dass die älteren Fans ihre Begeisterung an die nächste Generation weitergeben, darauf setzt Veranstalter Frank Lange. „Es ist wie ein Familientreffen.“