Prozess

Big-Brother-Star wegen Mordversuchs vor Gericht

Natalie Langer soll nach einem Unfall das Opfer schwer verletzt zurückgelassen haben. Die Staatsanwaltschaft sieht darin versuchten Mord

Natalie Langer muss sich von diesem Montag an vor Gericht verantworten

Natalie Langer muss sich von diesem Montag an vor Gericht verantworten

Foto: dpa Picture-Alliance / BREUEL-BILD/Juri Reetz / picture alliance / BREUEL-BILD

Dass drastische Sanktionen nach brutalem, menschenverachtendem Verhalten im Straßenverkehr drohen, zeigte gerade erst ein Fall, der sich in der Nacht zum vergangenen Montag abspielte: Zwei junge Männer veranstalteten in der City West ein illegales Autorennen. Einer von ihnen kollidierte dabei mit einem anderen Fahrzeug, dessen 69 Jahre alter Fahrer an den Folgen dieses Unfalls starb. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob ein bedingter Tötungsvorsatz vorliegt; ob die Täter bei ihrer Raserei also in Kauf genommen haben, dass andere Verkehrsteilnehmer zu Tode kommen können. Die Konsequenz wäre dann eine Anklage wegen Totschlags.

Noch einen Schritt weiter geht die Staatsanwaltschaft in einem Fall, der ab Montag im Saal 500 des Moabiter Justizpalastes vor einem Schwurgericht verhandelt und vermutlich schon wegen der Angeklagten für ein großes Medieninteresse sorgen wird. Wegen versuchten Mordes verantworten muss sich die als „Big Brother“-Star, TV-Moderatorin und „Miss World Bikini Model“ bekannt gewordene Natalie Langer. Die 34-Jährige soll in den frühen Morgenstunden des 26. Juli 2013 mit einem Mercedes C200 einen Fußgänger angefahren und schwer verletzt haben.

Unbeteiligte retteten den Schwerverletzten

Auf den ersten Blick ist das ein Fall, der im Amtsgericht vor einem Verkehrsrichter verhandelt wird und mit einer Bewährungsstrafe, vielleicht sogar mit einer Geldstrafe endet. Hier jedoch, so scheint es, ist vieles anders: Natalie Langer soll stark alkoholisiert gewesen sein, als sie an der Straße Am Falkenberg im Ortsteil Treptow den 47 Jahre alten Mann anfuhr, der neben seinem LKW stand. Anschließend, so die Ermittlungen, soll sie einfach weitergefahren sein. Stimmen diese Vorwürfe, wäre das zunächst einmal Fahrerflucht, fahrlässige Körperverletzung und Straßenverkehrsgefährdung.

Erschwerend kommt nun jedoch hinzu, dass der 47-Jährige nach Meinung von Gerichtsmedizinern verstorben wäre, wenn nicht andere Autofahrer den blutüberströmten Mann rechtzeitig entdeckt und Rettungskräfte verständigt hätten. Er erlitt mehrere Wirbelfrakturen, einen Splitterbruch am rechten Bein, ein Schädelhirntrauma. Im Krankenhaus konnte er durch eine Notoperation gerettet werden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Natalie Langer nach dem heftigen Aufprall und dem Zustand des Unfallopfers erkannt haben muss, dass sich der Mann in einer lebensbedrohlichen Situation befand. Sie sei aber trotzdem weitergefahren und habe ihm bewusst nicht geholfen, damit der Unfall nicht herauskommt, so der Tenor der Anklage. Juristisch wäre das ein versuchter Mord durch Unterlassen.

Auto vor den Ermittlern versteckt

Mit einem Geständnis von Langer ist bislang nicht zu rechnen. Es wurden zunächst sechs Verhandlungstage angesetzt, sehr viel für einen Verkehrsunfall. Vor Gericht wird nun hinterfragt werden müssen, ob Langer am 26. Juli tatsächlich fuhr; ob und wie stark sie betrunken war; ob sie erkennen konnte, wie sehr sie ihr Unfallopfer verletzte; und ob sie darauf vertrauen konnte, dass andere den auf der Straße liegenden Mann rechtzeitig finden. Eine Reihe Zeugen sind geladen. Sie sollen unter anderem gesehen haben, wie Natalie Langer vor dem Unfall in den Mercedes stieg; dass sie in Mitte und Charlottenburg Clubs besuchte.

Interessant wird für das Gericht auch das sogenannte Nachverhalten sein. Hier kommt den Ermittlungen zufolge Natalie Langers Verlobter Stefan K. ins Spiel. Auch er wird am Montag auf der Anklagebank sitzen. Dem 43-Jährigen wird vorgeworfen, den Mercedes nach dem Unfall nach Polen gebracht zu haben, damit ihn die Ermittler nicht finden können. Das soll in Absprache mit Langer geschehen sein. Diese wiederum war bei der Polizei vorstellig geworden und habe den geleasten Mercedes als gestohlen gemeldet. Das Auto wurde jedoch in Stettin gefunden und zurückgebracht.