Ernst-Reuter-Platz

U-Bahn-Täter einen Tag vorher aus Psychiatrie entlassen

Ein Mann stößt eine junge Frau vor die einfahrende U-Bahn. Der Mann soll nur einen Tag vorher aus der Psychiatrie entlassen worden sein.

Blumen erinnern am U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz an das grausame Verbrechen

Blumen erinnern am U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz an das grausame Verbrechen

Foto: Paul Zinken / dpa

Der Fall schockierte Berlin: Ein 28-Jähriger stieß am 19. Januar eine junge Frau auf dem U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz vor einen einfahrenden Zug. Die 20-Jährige starb. Nach einem Bericht des „Focus“ war der Mann offenbar nur einen Tag vor der Tat in Hamburg aus der Psychiatrie entlassen worden. Das Magazin bezieht sich auf die Antwort des Hamburger Justizsenators Till Steffen (Grüne) auf eine parlamentarische Anfrage der FDP in Hamburg. Wie die FDP am Sonntag bestätigte, heißt es darin, dass der mutmaßliche Täter vom 1. bis 18. Januar 2016 "freiwillig" in einer psychiatrischen Klinik gewesen sei. Und weiter: „Von dort wurde er wegen fehlender Behandlungsgrundlage und fehlender akuter Eigen- oder Fremdgefährdung entlassen", zitiert das Magazin.

Der in Hamburg geborene Mann hatte nur einen Tag später, am 19. Januar, auf dem U-Bahnhof Anlauf genommen und die 20-Jährige mit voller Wucht vor die einfahrende U-Bahn gestoßen. Die Frau war sofort tot. Passanten konnten den Mann festhalten, bis die Polizei eintraf. Die U-Bahn-Fahrerin erlitt einen schweren Schock. Der Mann stand nicht unter Alkohol oder Drogen.

Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte danach seinen Hamburger Amtskollegen angegriffen. Steffen hatte eine Kritik abgelehnt: „Ich finde es in solchen Fällen nicht hilfreich, solche voreiligen Schuldzuweisungen zu machen“, hatte Steffen gesagt. Henkel hatte zuvor nach der Tat des 28-Jährigen am U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz gesagt: „Es muss die Frage gestellt werden, warum dieser Mann mit seiner Vorgeschichte nicht frühzeitiger gestoppt wurde.“

Die FDP kritisierte in diesem Zusammenhang Steffen. „Der Justizsenator versucht, die Mitverantwortung seiner Behörde für den Tod der jungen Frau zu vertuschen“, sagte die justizpolitische Sprecherin der Hamburger FDP-Fraktion, Anna von Treuenfels-Frowein, dem „Focus“.

Der 28-Jährige kam in Berlin nach der Tat in eine psychiatrische Klinik. Laut Staatsanwaltschaft soll er an einer schizophrenen Erkrankung leiden.