Getöteter Junge

Fall Mohamed: Polizei soll zuerst Familie verdächtigt haben

Im Fall des entführten und später getöteten Jungen sollen sich die Ermittler laut „Spiegel“ zunächst auf die Eltern konzentriert haben.

Kerzen für Mohamed: Der Junge war am 1. Oktober des vergangenen Jahres am Lageso entführt und später getötet worden

Kerzen für Mohamed: Der Junge war am 1. Oktober des vergangenen Jahres am Lageso entführt und später getötet worden

Foto: Paul Zinken / dpa

Im Fall des getöteten Mohamed (4) hat die Polizei in Berlin nach „Spiegel“-Informationen zunächst dessen Familie im Verdacht gehabt. Das Nachrichtenmagazin beruft sich auf Ermittlungsakten. Darin heiße es, dass am Tag nach der Entführung „nicht zweifelsfrei“ festzulegen gewesen sei, „ob es sich tatsächlich um einen Vermisstenfall oder vielmehr um Familienstreitigkeiten handelte“.

Ein Polizeisprecher betonte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, die Familie sei nie Beschuldigter im Verfahren gewesen. Die Mutter habe zunächst aber mehrfach zu den Umständen von Mohameds Verschwinden gelogen. Mohamed war am 1. Oktober 2015 vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) entführt worden. Ein 32-jähriger Mann aus Brandenburg hatte Ende Oktober den Mord an dem Flüchtlingsjungen und auch an Elias (6) aus Potsdam gestanden.

<<<Fall Mohamed/Elias. Mutter des mutmaßlichen Täters spricht<<<

In einer bislang unveröffentlichten Schriftlichen Anfrage der Grünen ist die Rede davon, dass die Polizei zunächst von einer vorgetäuschten Entführung durch die Familie ausgegangen sein soll.

„Grundlage für die Aufnahme der Ermittlungsarbeit durch die Polizei Berlin war die von der Kindesmutter erstattete Vermisstenanzeige“, heißt es in der Antwort der Berliner Senatsverwaltung für Inneres, die der dpa vorliegt. Auch der „Spiegel“ zitiert daraus. „Zu Beginn der Ermittlungsarbeit lagen keine konkreten Anhaltspunkte vor, die deliktische oder nicht-deliktische Ursachen für das Verschwinden des Mohamed in den Vordergrund gerückt hätten.“