Nach Islamisten-Razzia

Terror: Polizei veröffentlicht Foto des Hauptverdächtigen

Am Tag nach der Razzia in Berlin und an anderen Orten zeigt die Polizei ein Foto des 34-jährigen Algeriers, der in NRW festgenommen wurde.

Der mutmaßliche Terrordrahtzieher posiert mit gezogener Waffe inmitten eines Waffenarsenals

Der mutmaßliche Terrordrahtzieher posiert mit gezogener Waffe inmitten eines Waffenarsenals

Foto: Polizei / BM

Es ist ein martialisch anmutendes Bild, das die Berliner Polizei am Freitagnachmittag veröffentlichte. Der 34-Jährige, der bei einer Razzia am frühen Donnerstagmorgen in einem Flüchtlingsheim in Attendorn (Nordrhein-Westfalen) festgenommen wurde, posiert mit einer Waffe im Anschlag. Neben ihm lehnen zwei Sturmgewehre an einer Wand, daneben zwei Rucksäcke, am Boden Handgranaten. Das Foto soll in Syrien entstanden sein.

"Um klarzustellen, weshalb die Behörden den Hinweis in besonderem Maße als ernsthaft einstuften, veröffentlichen wir eines der Bilder", schreibt die Polizei in einer Mitteilung. Gegen den 34-Jährigen liegt ein Festnahmeersuchen aus Algerien vor, Es besteht der Verdacht, dass der Mann Mitglied einer terroristischen Vereinigung ist. Der 34-Jährige war nach Angaben der Polizei Ende des vergangenen Jahres nach Deutschland eingereist und hatte mit syrischen Personalien einen Asylantrag gestellt. Er soll zuvor in Syrien militärisch ausgebildet worden sein. Da gegen seine 27-jährige Ehefrau ebenfalls ein internationaler Haftbefehl bestand, wurde auch sie festgenommen.

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat unterdessen nach eigenen Angaben keine Hinweise auf einen kurzfristig geplanten Anschlag in Berlin. "Es gab konkrete Hinweise darauf, dass es Leute in Deutschland gibt, die Planungen verfolgen, Anschläge zu begehen", sagte Maaßen am Freitag im "ZDF-"Morgenmagazin". "Aber es gab keinen konkreten Hinweis auf eine konkrete bevorstehende terroristische Straftat."

Checkpoint Charlie und Alexanderplatz als mögliche Anschlagsziele

Am Donnerstag hatten Hunderte Polizisten bei Großeinsätzen eine mutmaßliche islamistische Terrorzelle in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zerschlagen. Als mögliche Anschlagsziele wurden der Checkpoint Charlie und der Alexanderplatz genannt.

Die Pläne der Algerier wurden aber nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur im Frühstadium durchkreuzt, konkrete Anschlagsziele seien demnach noch nicht ausgekundschaftet gewesen. Als Hauptverdächtiger gilt ein 34-Jähriger, der am Donnerstagmorgen in einem Flüchtlingsheim in Attendorn im Sauerland festgenommen wurde. Das Amtsgericht Dortmund hat gegen ihn und seine 27-jährige Frau eine so genannte Festhalteanordnung erlassen – der erste Schritt bei einem Auslieferungsverfahren. Beide wurden von algerischen Behörden mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Auch in Berlin-Kreuzberg wurde am Donnerstagmorgen ein Terrorverdächtiger festgenommen. Es handelt sich nach Informationen der Berliner Morgenpost um den 49 Jahre alten Faisal Meriem B. Der Tempelhofer, der nach der Durchsuchung auf freiem Fuß ist, soll der 31 Jahre alte Nordine F. sein.

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Angst hält Maaßen für die falsche Reaktion auf die möglichen Anschlagspläne. "Der Ausdruck Angst ist hier falsch am Platz", so Maaßen im "Morgenmagazin". "Wir sind in einer Situation, die ernst ist und wir haben ein hohes Risiko, dass es einen Terroranschlag geben kann."

Die Sicherheitsbehörden, die Nachrichtendienste und die Polizeibehörden seien sehr alarmiert. "Unser Ziel ist es, das Risiko so gut es geht zu minimieren. Die Maßnahmen, die gestern durchgeführt worden sind, dienten auch der Risikominimierung, dass es gerade nicht zu einer Realisierung von Terroranschlägen kommen kann."

Experte: "Islamischer Staat" nutzt Flüchtlingselend aus

Aus Sicht des Terrorismus-Experten Rolf Tophoven nutzt die Terror-Miliz "Islamischer Staat" die Flüchtlingskrise in Europa und im Nahen Osten gezielt für ihre Zwecke aus. "Man muss davon ausgehen, dass der IS die ungebremsten Flüchtlingsströme für seine Zwecke ausnutzt. Man hat die Chance erkannt, militante Islamisten auf diese Weise an mögliche Anschlagsziele einzuschleusen", sagte Tophoven gegenüber der "Westfalenpost": "All jenen, die sagten, der IS würde die Flüchtlingsströme zur Einschleusung von Kämpfern nicht nutzen, müssen erkennen, den IS fatal unterschätzt zu haben."

Tophoven ist Direktor des Instituts für Kriminalprävention in Essen. Dass ein verdächtigter Algerier als Flüchtling offenbar über die Balkanroute nach Deutschland eingereist ist und von dort aus eine Terrorzelle aufbauen wollte, passt für ihn ins Bild. "In Flüchtlingsunterkünften können potenzielle Attentäter unerkannt wohnen", sagt der Experte.

Tophoven lobte die internationale Zusammenarbeit bei der Zerschlagung der algerischen Terrorzelle am Donnerstag: "Die internationale Kooperation, der nachrichtendienstliche Informationsaustausch ist nach der Bildung einer europäischen Anti-Terrorbehörde in Den Haag besser geworden. Es ist durchaus möglich, dass der Festnahme des Algeriers in Attendorn ein Hinweis der europäischen Polizeibehörde Europol und des deutschen Verfassungsschutzes voraus ging. Es ist unbestritten, dass der IS seit den Anschlägen von Paris einem starken Fahndungsdruck in Europa ausgesetzt ist."

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