Morgenpost-Ratgeber

Verbraucher: Kann ich meinen Reisegutschein einklagen?

Gutscheinaktionen sind ein beliebtes Werbemittel von Online-Reiseveranstaltern. Es empfiehlt sich, auf das Kleingedruckte zu achten.

Hotel, Pension oder Ferienhaus: Der Traumurlaublässt sich heute bequem im Internet buchen - es gibt zahlreiche Urlaubsportale, die  um Kunden buhlen

Hotel, Pension oder Ferienhaus: Der Traumurlaublässt sich heute bequem im Internet buchen - es gibt zahlreiche Urlaubsportale, die um Kunden buhlen

Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn

Sabine S., Heiligensee: Seit meiner Rückkehr aus dem Herbsturlaub am 31.10.2015 warte ich auf die Einlösung eines Reisegutscheines im Wert von 100 Euro eines Online-Reiseportals, der mir auszuzahlen ist. Die Gültigkeit des Gutscheines wurde mit der Buchungsbestätigung zugesagt. Trotz mehrerer Telefonate und E-Mails, in denen ich immer wieder vertröstet wurde, ist bis heute keine Auszahlung erfolgt. Was kann ich jetzt tun? Sollte ich die Firma bei der Polizei wegen Betruges anzeigen?

Eva Bell, Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin, dazu: Viele Unternehmen nutzen Gutscheinaktionen, um Kunden an sich zu binden. Das ist zulässig. An die Einlösung der Gutscheine sind aber oft Bedingungen geknüpft, die es dem Einzelnen nicht unbedingt leicht machen.

Bitte lesen Sie den übersandten Reisegutschein sorgfältig und prüfen Sie das Kleingedruckte. Häufig müssen Kunden nicht nur zu einem Mindestwert oder ganz bestimmte Leistungen bestellen, sondern auch vorgegebene Schritte einhalten, wenn Sie den Gutscheincode eingeben oder hinterlegen.

Auszahlungsbedingungen müssen klar formuliert sein

Ein Rücktritt vom Vertrag, auf den der Gutschein angerechnet werden soll, ist ebenso ausgeschlossen. Die Bedingungen für eine Auszahlung müssen in jedem Fall klar und verständlich formuliert und dürfen nicht irreführend sein. Ist ein Gutschein nicht befristet, verjähren die Ansprüche nach drei Jahren. Eine Befristung unter einem Jahr halten wir für unzulässig.

Haben Sie alle Voraussetzungen erfüllt, sollte der Erstattung des Gutscheinwertes nichts mehr im Wege stehen. Setzen Sie dem Reiseunternehmen eine konkrete Frist, bis zu der es Ihnen die 100 Euro auszahlen soll. Reagiert das Unternehmen weiterhin nicht auf Ihre Mahnung, haben Sie die Möglichkeit, das gerichtliche Mahnverfahren einzuleiten oder Klage einzureichen.

Zur Abschätzung des Prozessrisikos empfehlen wir Ihnen, sich vorab in der Verbraucherzentrale beraten zu lassen.

Rechtshinweis: Wir bemühen uns, möglichst viele Fragen zu beantworten. Dennoch behalten die Experten sich vor, bestimmte Bereiche auszuklammern. Bei sensiblen Fragen werden die Nachnamen auf Wunsch anonymisiert. Einen Rechtsanspruch auf eine Antwort haben Sie nicht. Eine Haftung ist ausgeschlossen.

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