Prozess

Frau soll Nachbarwohnung angezündet haben

Eine 48-jährige Frau soll die Wohnung einer Nachbarin in Brand gesetzt haben. Jetzt steht sie vor Gericht

Es spricht vieles dafür, dass die 48-jährige Michaela D. sich tatsächlich nicht mehr an die Brände erinnern kann. So soll sie es einer Bekannten gesagt haben. Vor Gericht schweigt sie.

Am 18. April 2015 soll Michaela D. in der Wohnung ihrer 80 Jahre alten Nachbarin mehrfach Feuer gelegt haben. Die alte Dame befand sich zu dieser Zeit nach einem Sturz in einem Krankenhaus. Michaela D. war gut mit ihr bekannt, hatte die Schlüssel zur Wohnung bekommen, um nach dem Rechten zu schauen und die Blumen zu gießen.

Es gab keinen Hass oder Unfrieden zwischen den beiden Frauen. Sie wohnten seit Jahren schon in dem Mehrfamilienhaus am Pottensteiner Weg im Ortsteil Kladow. Es ist – zumindest vor Gericht – auch noch nicht bewiesen, dass Michaela D. im Wohnzimmer und in der Küche mit einem Feuerzeug die Gardinen angezündet hat. Aber es spricht indes einiges dafür. Sie hatte, kurz nachdem das Feuer ausbrach, bei einer Freundin angerufen. Cornelia T. wohnt in unmittelbarer Nähe. Die 67-Jährige erinnert sich vor Gericht noch genau an den Anruf: „Conny, komm schnell her, in der Wohnung von Frau R. brennt es“, habe D. damals aufgeregt zu ihr gesagt. Anschließend sei das Telefonat von der Angeklagten jäh abgebrochen worden.

Wenig später wurde von Feuerwehrleuten die Tür zur Wohnung von Frau R. aufgebrochen. Drinnen lag im Flur Michaela D. Sie war offenbar schon einer Ohnmacht nahe, wurde herausgezogen und mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung in eine Klinik gebracht.

Das alles ging sehr schnell, weil die Feuerwehr schon vorher alarmiert worden war. Der 38-jährige Thomas G. hatte vom Fenster seines Arbeitszimmers aus gesehen, dass am Müllabstellplatz mehrere Container brannten – Verursacherin soll ebenfalls Michaela D. gewesen sei. Thomas G. ist Angehöriger der freiwilligen Feuerwehr. Der Fachinformatiker benachrichtigte sofort die Kollegen, übernahm die Leitung der Löschgruppe, die sofort von den gelöschten Müllcontainern zur Wohnung von Frau R. weiterzog.

Michaela D. wurde inzwischen in der Gefängnispsychiatrie – dem sogenannten Maßregelvollzug – untergebracht. Sie ist seit Jahren schon psychisch krank und alkoholabhängig. Auch zur Tatzeit hatte sie wieder getrunken. Das Gericht wird nun auch prüfen müssen, ob Michaela D. eine Gefahr für die Allgemeinheit ist und ob sie weiterhin im Maßregelvollzug verbleiben muss.