Zu viele Verspätungen

Die S-Bahn ist unpünktlich - bekommt aber gute Noten

Nur 93,6 Prozent der Züge fuhren im vierten Quartal nach Fahrplan. Die Fahrgäste scheinen sich damit abgefunden zu haben.

Ein Zug wird kommen. Fragt sich nur, ob er auch pü+nktlich ist

Ein Zug wird kommen. Fragt sich nur, ob er auch pü+nktlich ist

Foto: Soeren Stache / picture alliance / dpa

Die Berliner S-Bahn hat im Vorjahr ihre Pünktlichkeitsziel erneut verfehlt. Nach eigenen Angaben sind im vierten Quartal 93,6 Prozent ihrer Züge nach Fahrplan gefahren, vertraglich vereinbart ist mit den Ländern Berlin und Brandenburg eine Zielquote von 96 Prozent. Bei der Bewertung der Ergebnisse muss berücksichtigt werden, dass eine Zugfahrt erst dann als verspätet gewertet wird, wenn sie vier Minuten und mehr von Fahrplan abweicht.

Besonders schlecht sah es laut einer jetzt von der S-Bahn veröffentlichten Bilanz mit einer Pünktlichkeit von 78,6 Prozent im Mai aus, als vor allem der lange GDL-Streik für zahlreiche Ausfälle sorgte. Denn nicht gefahrene Züge werden nach dem Verkehrsvertrag zugleich als unpünktlich gewertet. Deutlich unter den Durchschnitt blieb die S-Bahn auch in den Monaten April (Pünktlichkeitsquote 90,7 Prozent), Juli ((90,2 Prozent), Juni (92,1 Prozent ) und September 92,2 Prozent). Auch bei der „vom Fahrgast wahrgenommenen Pünktlichkeit“, bei der Fahrten herausgerechnet werden, die wegen fehlender Fahrzeuge ohnehin nicht erbracht werden können, konnte die S-Bahn nach eigenen Berechnungen die Zielvorgabe von 96 Prozent nur in drei von zwölf Monaten erfüllen.

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), dessen Berechnungen von denen der S-Bahn im Detail etwas abweichen, hat aufs Jahr gerechnet für 2015 eine Pünktlichkeitsquote von 95 Prozent errechnet. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor.

Auch beim Fahrangebot liegt die S-Bahn hinter der Vorgabe. Demnach konnten im Vorjahr nur 99,3 Prozent der im Fahrplan vorgesehenen Leistungen auch tatsächlich erbracht werden. Auch dies sei eine Folge der umfangreichen Streikmaßnahmen der Gewerkschaft GDL, heißt es in dem Bericht.

Die Fahrgäste scheinen sich grundsätzlich mit den Defiziten abgefunden zu haben. 500 im November befragte Fahrgäste gaben der S-Bahn im Durchschnitt die Note 2,54 (bei einer Bewertungsskala von 1 für sehr gut bis 5 für mangelhaft). Die Zielnote von mindestens 2,6 sei damit zum vierten Mal in Folge unterboten worden, vermerkt die Bahntochter in ihrer Leistungsbilanz.