Kinderschutz

Rätsel um Verbleib von Flüchtlingskindern in Berlin

Senatsjugendverwaltung schließt nicht aus, dass es unter den vermissten Kindern und Jugendlichen auch Opfer von Kriminellen gibt.

Viele der jungen Flüchtlinge machen sich von Deutschland aus auf den Weg nach Skandinavien. Wie viele das betrifft und ob sie dort auch ankommen, ist unklar

Viele der jungen Flüchtlinge machen sich von Deutschland aus auf den Weg nach Skandinavien. Wie viele das betrifft und ob sie dort auch ankommen, ist unklar

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

In Berlin ist der Verbleib von knapp 200 Flüchtlingskindern und -jugendlichen nicht geklärt. Das geht aus Zahlen der Senatsjugendverwaltung hervor, die für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zuständig ist. Weder die Verwaltung noch die Polizei haben aber Kenntnisse, dass Kinder und Jugendliche in die Hände von Schleusern oder anderen Kriminellen gelangt sind.

Seit dem 1. Januar 2015 seien 4500 unbegleitete Flüchtlinge nach Berlin gekommen, die nach eigenen Angaben minderjährig waren, sagte Ilja Koschembar, Sprecher der Jugendverwaltung, der Berliner Morgenpost. Bei rund 30 Prozent habe sich nach Gesprächen und Prüfungen herausgestellt, dass sie volljährig sind. Bleiben also zirka 3100. Von denen sind nach Angaben der Jugendverwaltung allein 220 am 1. Januar 2016 volljährig geworden. Wie berichtet, wird bei Flüchtlingen ohne amtliche Papiere, aus denen das Geburtsdatum hervorgeht, dieses Datum in der Regel auf den 1. Januar gelegt.

Die meisten sind vermutlich weitergereist

In Obhut des Landes Berlin seien derzeit 1900 Betroffene, in Obhut der Bezirke etwa 800. Wo die übrigen rund 180 Kinder und Jugendlichen geblieben sind, sei unklar, so Koschembar. Die meisten von ihnen seien vermutlich weitergereist, insbesondere nach Skandinavien, oder seien von Verwandten aufgenommen worden.

Wenn Kinder oder Jugendliche nicht in ihre Unterkunft zurückkehren, müsse der Betreiber eine Vermisstenanzeige stellen, betonte Koschembar. Zahlen über solche Anzeigen liegen aber weder der Verwaltung noch der Polizei vor. Es sei allerdings leider nicht auszuschließen, dass minderjährige Flüchtlinge in die Fänge von Kriminellen gelangt oder Opfer von Missbrauch geworden sind, sagte der Sprecher. Dies sei ein europaweites Problem.

Kaum noch unregistrierte Asylbewerber in Berlin

Unterdessen erklärte Sozialsenator Mario Czaja (CDU), dass in den Berliner Notunterkünften kaum noch unregistrierte Flüchtlinge seien. Die Zahl sei stark gesunken, sagte Czaja der Berliner Morgenpost am Mittwoch. Er schätze sie nach Angaben von Unterkunftsbetreibern auf 200 bis 300. Das sei eine Zahl, die rechnerisch an einem einzigen Tag in den Registrierungsstellen Kruppstraße und Bundesallee zu schaffen sei. Die Betreiber würden die betroffenen Asylsuchenden nun auffordern, sich zügig registrieren zu lassen.

Seit Mitte Januar könnten alle Flüchtlinge, die sich im Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) an der Moabiter Turmstraße melden, am selben Tag in der Kruppstraße oder der Bundesallee registriert werden, teilte Czaja mit. Im Januar seien 4600 Flüchtlinge in Berlin aufgenommen worden, registriert worden seien aber 8900. Viele davon wurden nach dem Verteilungsschlüssel in andere Bundesländer weitergeleitet.

Darüber hinaus, so Czaja, sei es gelungen, Altfälle zu bearbeiten. Da derzeit weniger Flüchtlinge kommen, als Registrierungskapazitäten vorhanden sind, konnte zudem Personal vorübergehend in die Leistungsabteilung wechseln. Dort bestehen große Engpässe.