Freie Universität Berlin

Diese Universitätsbibliothek ist nicht ganz dicht

Die Philologische Bibliothek in Dahlem ist ein architektonisches Meisterwerk mit einem kleinen Problem: Sie hat einen Dachschaden.

Slalom in der Philologischen Bibliothek: Ketchup-, Mayonnaise- und Senfeimer sollen den Regen auffangen

Slalom in der Philologischen Bibliothek: Ketchup-, Mayonnaise- und Senfeimer sollen den Regen auffangen

Foto: BM

Lichtdurchflutete, freischwebende Balkone zum Lernen und Arbeiten. Ein großes rundes Emblem der Freien Universität Berlin (FU) im Eingangsbereich. Fast majestätisch präsentieren sich das Foyer und der Innenraum der Philologischen Bibliothek in Dahlem. Wären da nicht die bunten Ketchup-, Mayonnaise- und Senfeimer, die wie Slalomhütchen im Innenraum verteilt stehen, sobald es draußen regnet.

Nein, die Eimer sind keine kreativen Besonderheiten des britischen Star-Architekten Norman Foster, der den Entwurf für „The Berlin Brain“ lieferte. Die Eimer sind eine Notwendigkeit. Denn die ballonartige Fassade der Bibliothek hat einen gehörigen Dachschaden. Bei Regenwetter sickert das Wasser durch die undichten Stellen in der Dachkonstruktion und gelangt in das Innere des „Brains“, wie das Gebäude aufgrund seiner schädelartigen Form genannt wird.


Die Ursache des Problems liegt in den Silikonverdichtungen, die die Platten in der Dachkonstruktion miteinander verbinden, erklärt Goran Krstin, Pressesprecher des Präsidenten der FU. Abhängig von den Außentemperaturen und den Wetterbedingungen dehnten sich die im Dach verarbeiteten Materialien, wie zum Beispiel das Metall oder das Glas. Dadurch entstünden in den Dichtungen Risse, die bei Regen das Wasser in das Innere der Bibliothek durchlassen.

Jährlich zahlt Berlin 60.000 Euro für die Instandhaltung

Die Freie Universität habe seit der Eröffnung des Gebäudes im Jahr 2005 auf die Baumängel in der Dachkonstruktion hingewiesen, erklärt Krstin. Seitdem stehe die Universität mit der Senatsverwaltung im Gespräch, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

„Die Senatsverwaltung war bemüht, diese Mängel abzustellen, hatte aber in den vergangenen zehn Jahren leider keinen Erfolg.“ Zwar habe es in der Vergangenheit Fortschritte bei der Mängelbeseitigung gegeben, das eigentliche Problem – die undichte Hülle des Bauwerks – sei aber nicht gelöst worden.

Schuld an dem Pannenbau sei aber nicht der Architekt Norman Foster, sondern die ausführende Firma, welche für den Bau der Außenhülle verantwortlich war. Inzwischen hat die aber Insolvenz angemeldet, sodass Berlin selbst für den Schaden aufkommen muss.

Der Bau der Universitätsbibliothek in Dahlem hat rund 20 Millionen Euro gekostet. Die Baumängel und ihre Folgen kommen Berlin teuer zu stehen: rund 60.000 Euro zahlt die Stadt jährlich für die Instandhaltung des Dachs. Das bestätigt Uwe Peitz, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt auf Anfrage.

Für die Universität ist es ein schwerer Imageschaden. Denn die Philologische Bibliothek ist das Wahrzeichen der FU. Ob und wann eine Lösung für die undichte Fassade gefunden werden kann, ist weiterhin unklar. Bis dahin bleibt den Mitarbeitern der Bibliothek wohl nichts anderes übrig, als den Boden, die Arbeitsplätze, Bücher und die persönlichen Gegenstände der Nutzer selbst zu schützen. Deshalb wird man auch in naher Zukunft in der Philologischen Bibliothek in Dahlem regelmäßig auf von der Mensa gespendete Senf-, Mayo- und Ketchup-Eimer stoßen – und zwar immer dann, wenn es regnet.

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