Berlin –

Ein Brückenbauer ist tot: Trauer um Heinz Uth

Erster Ansprechpartner der Polizei für Schwule und Lesben

Berlin.  Als Heinz Uth seine neue Funktion antrat, wurde sie mit Skepsis beäugt. Vom Polizeipräsidenten ebenso wie von Betroffenen. Nach einer Zunahme von Gewalt gegen Homosexuelle in Berlin wurde der Kriminalhauptkommissar 1992 zum ersten Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen der Berliner Polizei ernannt. Viele sahen den Posten, der damit auch deutschlandweit erstmals geschaffen wurde, mehr als Feigenblatt denn als wirkliche Hilfe für die Probleme der Schwulen. Dank Uth änderte sich das aber recht schnell.

Nach einer unverhältnismäßigen Razzia im Stricherlokal „Tabasco“ drohte Uth 1995 mit seinem Rücktritt. Mit seiner Haltung konnte er in seiner Behörde zwar nicht alle Moralvorstellungen umkrempeln, wohl aber viele Kollegen sensibilisieren. Heute gibt es bundesweit rund 40 Ansprechpartner für Homosexuelle bei den Landespolizeien.

Uth hatte vor fast 25 Jahren auch die Idee, am Nollendorfplatz ein Stadtteilfest zur Verständigung zwischen Szene und Anwohnern zu veranstalten – das heutige lesbisch-schwule Stadtfest an der Motzstraße mit jährlich Hunderttausenden Besuchern war geboren. Der leidenschaftliche Marathonläufer war aber selbst nicht homosexuell. Schließlich müsse ja auch die Ausländerbeauftragte keine Türkin und der Drogenbeauftragte kein Fixer sein, argumentierte er.

1996 ging der „Quasi-Berufsschwule“, wie er sich selbst nannte, in Pension, blieb der Lesbisch-Schwulen-Bi-Trans- und Inter-Community (LSBTI) aber eng verbunden. Ehrenmitglied war er auch im Verein für schwule und lesbische Polizisten in Berlin und Brandenburg VlsPol. Für sein Engagement gegen Homophobie wurde Uth 1995 unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und auch mit dem Rainbow-Award ausgezeichnet.

Heinz Uth ist am 30. Januar gestorben. Er hinterlässt seine Frau Regina, zwei Töchter und drei Enkelkinder. „Ich verliere den besten Trainer der Welt und einen wirklich guten Freund“, sagt Anne Grießbach-Baerns, die bei der Polizeidirektion 3 als Ansprechperson für Homosexuelle arbeitet. Uth habe viele Brücken gebaut und viel angestoßen, das heute die Arbeit der Polizei in diesem Bereich präge.

„Mit dem Tod von Heinz Uth verliert Berlin einen seiner wichtigsten Verfechter für die Belange der Queer-Szene. Als erster Ansprechpartner einer deutschen Polizeibehörde für Schwule und Lesben hat er wesentlich dazu beigetragen, Vorbehalte von LSBTI gegen die Polizei abzubauen und Vorurteilen bei der Polizei entgegenzuwirken. Für diese Pionierarbeit sind wir ihm zu großem Dank verpflichtet“, so Anja Kofbinger und Thomas Birk, queerpolitische Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus.

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