Berlin

Gemüseladen „Bizim Bakkal“ schließt nun doch

Monatelang hatten sich Anwohner gegen die Schließung des Kreuzberger Gemüseladens „Bizim Bakkal“, auf Deutsch „Unser Laden“, gewehrt. Dank der Proteste im vergangenen Jahr hatte der Hauseigentümer seine Kündigung zurückgezogen, der Familienbetrieb an der Wrangelstraße 77 konnte weitermachen. Doch nun steht die 29 Jahre alte Gemüsehandlung offenbar dennoch vor dem Aus. „Zum 31. März wird der Laden aus gesundheitlichen Gründen des Betreibers geschlossen.“ Das meldete die Unterstützerinitiative „Bizim Kiez“ am Montag auf ihrer Homepage.

„Die Nachbarschaft verliert damit an Kiezkultur, aber nicht an Biss im Kampf gegen den Ausverkauf ihres Kiezes“, schreibt die Initiative in der am Montag verbreiteten Mitteilung weiter. Der Inhaber Ahmet Çalışkan selbst war am Montag telefonisch nicht erreichbar.

Der Unterstützerkreis macht in seiner Mitteilung nun den Investor für die Schließung des Ladens verantwortlich. Dieser habe zwar nach den Protesten im Frühjahr vergangenen Jahres die Kündigung zurückgezogen. Jedoch habe er der Familie einen neuerlichen Mietvertrag mit fester Laufzeit verweigert, eine Kündigung sei damit jederzeit möglich geblieben. „Unter diesem enormen psychischen Druck und ohne planbare Perspektive kann die Familie den Betrieb nicht mehr aufrechterhalten“, heißt es in der Mitteilung. Und weiter: „Die gesundheitlichen Probleme von Ahmet Çalışkan, die ihn nun zum Aufgeben zwingen, waren dem Vermieter bekannt.“

Im Frühjahr 2015 hatte der neue Besitzer des Hauses an der Wrangelstraße 77 dem Betreiber des Gemüseladens gekündigt. Als Reaktion darauf organisierte die Nachbarschaft mehrere Demonstrationen für den Erhalt des Ladens, es gab Solidaritätslesungen bekannter Berliner Autoren sowie ein Konzert. Schließlich hatten diese Aktionen Erfolg, der Eigentümer zog seine Kündigung zurück. Die Initiative, die sich nach dem Laden „Bizim Kiez“ benannt hat, will nach eigenem Bekunden trotz des Rückzugs des Ladeninhabers weitermachen und sich für den Erhalt des Kleingewerbes und für bezahlbare Mieten im Wrangelkiez einsetzen.