Gewalt unter Schülern

Problem an Mozart-Schule war schon vor zwei Jahren bekannt

Schüler bedroht Lehrer, Prügel, Diebstähle: Die Zustände an der Wolfgang-Amadeus-Mozart-Schule in Hellersdorf sind schon lange bekannt.

Die Zustände an der Wolfgang-Amadeus-Mozart-Schule in Hellersdorf sind schon lange bekannt.

Die Zustände an der Wolfgang-Amadeus-Mozart-Schule in Hellersdorf sind schon lange bekannt.

Foto: dpa / DPA

Die unhaltbaren Zustände an der Wolfgang-Amadeus-Mozart-Schule in Hellersdorf, wie sie durch einen Brandbrief öffentlich wurden, waren der Senatsverwaltung für Bildung offenbar schon lange bekannt. „Es hätte viel früher etwas passieren können und müssen“, sagte Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses in Berlin.

So habe schon der Inspektionsbericht vor zwei Jahren gezeigt, dass es an der Schule extreme Missstände gibt. Die Inspektionsberichte, die im Internet veröffentlicht werden, dienen eigentlich dazu, der Senatsverwaltung Handlungsbedarfe aufzuzeigen, doch in diesem Fall blieb die nötige Unterstützung aus.

Unterricht wird zum Teil boykottiert

Dabei liest sich die Kurzfassung des Berichtes der Experten der Schulverwaltung alarmierend: „Einige Kinder und Jugendliche fallen durch unsoziales Verhalten bis hin zur Gewalttätigkeit jüngeren Kindern, aber auch Lehrkräften gegenüber, auf“, heißt es da. Kinder und Jugendliche würden davon berichten, dass sie Gewaltausübung erleben und manche Schüler hätten Angst, zum Unterricht zu kommen.“

Auch was die Unterrichtsqualität in den höheren Klassen betrifft, stellten die Inspekteure der Senatsverwaltung krasse Mängel fest. „Der Unterricht beginnt hier aufgrund erheblicher Störungen oft mit großer Verzögerung, manchmal wird er auch völlig boykottiert. Teilweise laufen Schülerinnen und Schüler zum Stundenbeginn umher, lärmen, bedrängen sich körperlich, stören den Unterricht mit frechen Bemerkungen, werfen sich zu Boden oder verlassen unaufgefordert den Klassenraum….“

Mitarbeiter der Schulaufsicht sind überlastet

Einen Grund für die ausgebliebene Unterstützung sieht Landeselternsprecher Norman Heise in der personellen Unterbesetzung der Schulaufsicht im Bezirk. Die Mitarbeiter würden häufig über die Belastungsgrenze hinaus arbeiten, dadurch gebe es auch einen hohen Krankenstand, sagte Heise. Es sei schade, dass die Eltern erst durch die Medienaufmerksamkeit die nötige Hilfe erhalten.

Statt der Schule unter die Arme zu greifen, wurden die Bedingungen in der Vergangenheit sogar noch verschärft. So hatte der Bezirk veranlasst, dass wegen der Schulplatznot vier dritte Klassen zu drei Klassen zusammengelegt wurden.

Zusammenlegung von Klassen wird rückgängig gemacht

Dadurch kamen Klassenstärken von bis zu 30 Kindern zustanden, was eigentlich gar nicht zulässig ist. Die Zusammenlegung soll wie berichtet nach den Winterferien nun wieder rückgängig gemacht werden. Außerdem werden zwei neue Grundschullehrer eingesetzt und die Drittklässler erhalten ein soziales Training.

Tom Erdmann, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, sieht an der Mozart-Schule viele Probleme zusammen kommen. „Auf den Platzmangel an Grundschulen hat die Senatsverwaltung für Bildung bis heute nicht ausreichend reagiert“, sagte Erdmann der Berliner Morgenpost. Nach Berechnungen der Gewerkschaft würden bis 2030 berlinweit 80 Schulen fehlen.

Lehrer mit Grundschul-Ausbildung nötig

Größere Lerngruppen hätten gerade in sozialen Brennpunkten verheerende Auswirkungen. Auch der Einsatz von Studienräten oder Quereinsteigern an Grundschulen sei häufig problematisch. Nicht jeder Gymnasiallehrer könne ohne weiteres Grundschüler unterrichten. Hier seien viel mehr Fortbildungen speziell für Grundschulpädagogik nötig. Zudem müsse es mehr Schulpsychologen geben.

>>>Das ist der Brandbrief der Eltern im Wortlaut<<<