Kreuzberg

Flüchtlinge in der Hauptmann-Schule stellen neue Forderungen

Die 24 Bewohner wollen in der ehemaligen Schule ein Flüchtlingszentrum einrichten. Der Bezirk halte sich nicht an Zusagen, beklagen sie.

Vor der Gerhart-Hauptmann-Schule gaben einige der Bewohner eine Pressekonferenz

Vor der Gerhart-Hauptmann-Schule gaben einige der Bewohner eine Pressekonferenz

Foto: Steffen Pletl

Kurz vor dem Einzug neuer Flüchtlinge in die seit Jahren besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg suchen die jetzigen Bewohner erneut die Konfrontation mit dem Bezirk. Sie forderten am Freitag die Mitnutzung weiterer Räume in dem Gebäude, etwa der früheren Schulaula und eines Pavillons.

Das sei mit dem Bezirk vereinbart worden, erklärten die ehemaligen Asylbewerber und Besetzer, die im Südflügel des früheren Schulgebäudes wohnen, in einer Pressekonferenz. Hintergrund ist die Tatsache, dass ein auf dem Areal befindlicher Pavillon nicht mehr zugänglich ist. Der Bezirk plant dort den Um- und Ausbau in einen Speisesaal mit Küche. Er sei ausschließlich für die in einem Teil des Gebäudekomplexes der ehemaligen Schule entstehende Notunterkunft konzipiert, beklagen die Bewohner.

"Diese Planung steht in Widerspruch zu den Zusagen des Bezirks, wonach den jetzigen Bewohner die uneingeschränkte Nutzung sowohl des Pavillons wie auch der Aula zugesagt worden ist", sagte ein Sprecher. Gegenüber der Berliner Morgenpost dementierte Finanzstradträtin Jana Borkamp (Bündnis 90/Die Grünen) allerdings, dass der Bezirk diese Zusage gemacht habe. Eine solche Vereinbarung gebe es nicht.

109 neue Flüchtlinge sollen in den nächsten Tagen in das ehemalige Schulgebäude ziehen. Dafür wurde der Nordflügel aufwändig umgebaut. Eine weitere Unterkunft soll ab Herbst auf dem Hof des Geländes entstehen. In ihr sollen Studenten, wohnungslose Frauen und Familien mit geringem Einkommen unterkommen.

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Auf Initiative der Bewohner soll im Südflügel der ehemaligen Schule zudem ein Internationales Flüchtlingszentrum eingerichtet werden. In diesem Rahmen soll es Angebote geben, die von einer Rechtsberatung bis hin zur Nutzung durch Vereine und Initiativen reichen. In der Aula könnten beispielsweise kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Noch fehlt allerdings ein Träger, der mit dem Bezirk einen Vertrag abschließen kann.

Die Entwicklung eines tragfähigen Konzepts drohe gerade zu scheitern, erklärten die Bewohner. Vertretern von Initiativen und Vereinen sei es nach wie vor nicht gestattet, die Bewohner in der ehemaligen Schule zu besuchen", sagte ein Sprecher der Bewohner. Dies erschwere die Suche nach einem Kooperationspartner. Auch dies dementierte Bezirksstadträtin Jana Borkamp. So seien Gespräche der Bewohner mit einem potentiellen Träger im Rahmen eines Plenums in der ehemaligen Schule durchaus möglich. Die Bewohner müssten ein solches Plenum vorher beim Bezirk anmelden.

In das damals leerstehende Gebäude hatten sich von 2012 bis 2014 einige hundert Obdachlose und Flüchtlinge einquartiert. Nach langen Debatten und einem Aufmarsch der Polizei zogen die meisten Besetzer im Sommer 2014 aus. Die verbleibenden rund 20 wohnen bis jetzt im Südflügel. Jährlich zahlt der Bezirk mehr als eine Million Euro für den Unterhalt des Geländes. Am teuersten sind die Wachleute, die vor dem Gelände stehen und neue Besetzer abhalten sollen.