Verkehr

Elektrobusse für den Kudamm

Die AG City wird 40 und hat große Pläne: Auf dem Kudamm sollen Elektrobusse fahren – kostenlos für die Nutzer, finanziert durch Werbung.

Händler, Hotels und Hauseigentümer in der City West haben schon viel geschafft. Seit 40 Jahren ziehen sie in der Arbeitsgemeinschaft City (AG City) an einem Strang. Den Weihnachtsmarkt neben der Gedächtniskirche haben sie mit dem Schaustellerverband ins Leben gerufen, die Lange Nacht des Shoppings auf dem Kurfürstendamm organisiert und mit der BSR für eine saubere City West gesorgt. In ihrem Jubiläumsjahr blicken die inzwischen 428 Mitglieder aber nicht nur zurück, sondern machen Pläne für die Zukunft.

So sollen kleine Elektrobusse in kurzen Abständen über den Kurfürstendamm fahren – zwischen Wittenbergplatz und Rathenauplatz. „Wir sind in Gesprächen mit dem Fraunhofer Institut, das aus unserem Vorschlag ein praxisorientiertes, wissenschaftlich begleitetes Forschungsprojekt machen will“, sagte Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der AG City. Teil des Forschungsvorhabens sei die Erkundung des Marktes, welche Elektrobusse mit welchen Reichweiten, Geschwindigkeiten, Batteriesystemen und Preisen infrage kommen. „Wir brauchen aber bestimmt noch zwei Jahre, bevor der erste Testbus losfährt“, erteilt Kupsch vorschnellen Hoffnungen eine Absage. Die AG City träumt auch davon, dass die kleinen Busse für jedermann „kostenlos nutzbar und über Werbung finanziert“ über den Kudamm fahren. Durch weniger Lärm, bessere Luft und ein bequemeres Fahren könne die Aufenthaltsqualität auf dem Boulevard erhöht werden. Zur Zeit sei es doch so, dass die Doppeldecker-Busse für die ältere Generation ohnehin nicht mehr geeignet seien.

Test mit E-Bussen hat Anlaufschwierigkeiten

Zurückhaltend äußern sich jedoch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zu diesen Plänen. Im vergangenen Sommer hatten sie die Zukunft für ihre Busflotte eingeleitet. Seit dem 31. August verkehren auf der Linie 204 zwischen den Bahnhöfen Zoo und Südkreuz Elektrobusse. Doch das anfangs viel gelobte System kommt immer wieder ins Stottern. Nach Auskunft von BVG-Sprecherin Petra Reetz gab es bislang gerade einmal 19 Tage, an denen alle vier Elektrobusse fuhren. Um die Linie zu bedienen, müssen vier Busse gleichzeitig fahren. Doch weil einzelne Elektrobusse der Viererflotte immer wieder ausfallen, müssen auf der Teststrecke Dieselbusse einspringen. „Im Moment haben wir also kein zuverlässiges System, das wir elektrisch betreiben könnten“, sagte Petra Reetz. Solch ein Praxistest sei aber schließlich dazu da, um „erst einmal die Kinderkrankheiten herauszufiltern“.

Auch am Dienstag fuhren nur zwei E-Busse auf der Linie 204. Die zwei anderen standen in der Werkstatt, bei einem gab es wieder Probleme mit dem Laden der Batterien. Noch gibt es also auch kein Konzept, wie solche Elektrobusse auf dem Kurfürstendamm in das bestehende Bussystem integriert werden könnten.

Ende 2015 hatte die Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf einen entsprechenden Prüfauftrag beschlossen. Das Bezirksamt soll die Idee mit der Senatsverkehrsverwaltung und der BVG untersuchen. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) freute sich über die Zukunftsvision der BVG und ihrer Teststrecke zwischen Südkreuz und Zoo und sagte: „Je mehr E-Busse, desto besser, gern auch mit einem deutlichen Akzent für den Kurfürstendamm.“ Die Voraussetzung sei jedoch, dass die Batterien auch so leistungsstark seien, dass sie den Transport der Fahrgäste gewährleisteten. Der Kurfürstendamm als Schaufenster der City West sei jedenfalls gut geeignet, um ein solch umweltfreundliches Projekt der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Michael Müller lobt die Arbeit der AG City als Erfolgsgeschichte

Auch Restaurants, Kanzleien, Gesundheitscenter, Theater, Unternehmen unterschiedlichster Richtung, der Zoo und die Gedächtniskirche sind Mitglied im Netzwerk der AG City. Am Abend wurde mit mehr als 400 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur der Auftakt des Jubiläumsjahres in der Gedächtniskirche feiern. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) kam und überbrachte einen „riesengroßen Glückwunsch“. Es sei ein „stolzes Jubiläum und eine echte Erfolgsgeschichte“. Und es sei keine Selbstverständlichkeit, das es der AG City gelungen sei, die City West mit aktiven Partner attraktiver zu gestalten. Nur mit immer neuen Antworten in der sich ständig wandelnden Stadt sei die AG City so weit gekommen.

Für „40 Jahre aktives Netzwerken, das die AG City so lebendig und schlagkräftig macht“, bedankte sich AG-City-Chef Klaus-Jürgen Meier bei den Mitgliedern und Partnern. Gemeinsam für etwas brennen, für eine Sache stehen und sich immer für das Ganzheitliche engagieren, dafür stehe die Vereinigung. Der Erfolg sei sichtbar und motiviere zugleich für die Zukunft.