Prozess in Berlin

Streit in Köpenicker Imbiss gipfelt in heftiger Gasexplosion

Der 52-jähriger Michael F. soll aus Verärgerung für eine Katastrophe gesorgt haben. Jetzt steht er in Moabit vor Gericht.

Der Angeklagte Michael F. (r.) mit seinem Anwalt am Dienstag im Gerichtssaal

Der Angeklagte Michael F. (r.) mit seinem Anwalt am Dienstag im Gerichtssaal

Foto: wolfgang mrotzkowski / Wolfgang mrotzkowski

Michael F. ist ein großer korpulenter Mann. Der 52-Jährige sitzt sichtlich aufgeregt im Saal 537 des Moabiter Kriminalgerichts, schüttelt immer wieder den Kopf, wenn Zeugen aussagen. Er ist angeklagt wegen der Herbeiführung einer Explosion sowie schwere Körperverletzung. Selber reden möchte er zunächst nicht. Sein Mandant werde sich „vielleicht später erklären“, kündigte Michael F.s Verteidiger an.

Am 10. Februar vergangenen Jahres soll der gelernte Fleischer im Ortsteil Köpenick in einem Asia-Imbisscontainer ausgerastet sein. Im Anklagesatz steht, Michael F. habe „aus Verärgerung einen mit Propangas betriebenen Heizlüfter umgeworfen“. Dadurch sei Propangas ausgeströmt, es habe sich entzündet und für eine Explosion gesorgt. Mehrere Personen, die sich in dem Container aufhielten, wurden verletzt; zwei von ihnen sehr schwer. Die beiden Männer sind nun auch die ersten Zeugen in diesem Prozess vor einer Moabiter Strafkammer.

"Dann hat er das Ding durch den Raum geworfen!“

Der 50-jährige Peter K. berichtete, dass er an diesem Tag „einen ausgegeben“ habe, „es war mein Geburtstag“. Sie hätten zunächst draußen gesessen, und seien, als es kühler wurde, in den Container gegangen. Wie es zum Streit mit Michael F. kam, weiß Peter K. angeblich nicht mehr. Erst, als ihm die Richterin vorhielt, dass es laut Polizeiprotokollen wohl um die Lebensgefährtin des Angeklagten gegangen sei; darum, dass sie allein durch die Gegend ziehe und abends oft nicht zu Hause sei, setzte bei Peter K. die Erinnerung wieder ein.

Das sei aber alles nicht böse gemeint gewesen, behauptete er. Michael F. indes soll die Sticheleien anders aufgefasst und sehr überraschend reagiert haben: „Ich habe gesehen, wie er das Ding genommen hat“, glaubte Peter K. sich zu erinnern - gemeint ist der mit Propangas betriebene Heizlüfter, der im Imbisscontainer stand. „Und dann hat er das Ding durch den Raum geworfen!“

Peter K. erlitt Verbrennungen dritten Grades. Er wurde mit einem Rettungshelikopter nach Biesdorf ins Berliner Unfallkrankenhaus gebracht, in ein künstliches Koma versetzt, musste mehrere Hautverpflanzungen hinter sich bringen. Er wird nie wieder als Möbelpacker arbeiten können.

Schwere Verbrennungen an Gesicht und Händen

Ein als Sachverständiger geladener plastischer Chirurg ist mit den Fortschritten bei der Genesung des Peter K. aber letztlich doch sehr zufrieden. Weitaus schlimmer hatte es den 33-jährige Kevin S. erwischt, der an den Vorfall kaum noch Erinnerungen hat. Auch Kevin S. erlitt schwere Verbrennungen, vor allem im Gesicht und an den Händen. Das ist trotz ärztlicher Kunst, im Unfallkrankenhaus gibt es dafür anerkannte Spezialisten, auch heute zu sehen. „Die Narben werden sichtbar bleiben“, heißt es im Anklagesatz. Der gelernte Trockenbaumonteur macht sich keine Illusionen, in seinem Beruf jemals wieder arbeiten zu können: „Ich kann meine Hände seitdem nicht mehr richtig bewegen.“

Michael F. war zur Tatzeit angetrunken, aber nicht allzu stark, bei einem Atemtest wurden knapp 1,3 Promille gemessen. Ein Kriminalbeamter, der gleich nach der Explosion die erste Vernehmung durchführte, beschrieb den Angeklagten als „sehr kooperativ“ , er habe bei ihm „keine Ausfallerscheinungen“ feststellen können. Michael F. habe damals ausgesagt, er sei versehentlich mit dem Fuß gegen den Heizlüfter gekommen. Dabei habe sich wohl eine Schelle gelöst, und dadurch sei das Gast ausgeströmt. Er habe angeblich noch so etwas wie „alle sofort raus hier!“ gebrüllt, aber es sei schon zu spät gewesen.

Der Prozess wird am 29. Januar mit Zeugenaussagen fortgesetzt.