Fall der 13-Jährigen

Angebliche Vergewaltigung: Was wir bislang wissen

Der Fall um die angeblich entführte und vergewaltigte 13-Jährige aus Marzahn zieht weite Kreise. Was bisher bekannt ist - eine Übersicht.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU)

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU)

Foto: Britta Pedersen / dpa

  • Was ist geschehen?

Ein 13 Jahre altes Mädchen aus Berlin-Marzahn verschwindet auf dem Weg zur Schule. Sie wird von ihrer Familie als vermisst gemeldet. Einen Tag später taucht sie wieder auf. Aufgrund der Vermisstenanzeigen soll sie auf der Straße erkannt worden sein.

  • Wann ereignete sich die Tat?

Am Montag, 11. Januar 2016. Am 12. Januar war das Mädchen wieder da.

  • Was sagen die Eltern, was sagt die Polizei?

Ihren Eltern, einem deutsch-russischen Ehepaar, soll das Mädchen erzählt haben, es sei von drei Unbekannten verschleppt und mehrfach vergewaltigt worden. In einer anschließenden Befragung durch die Polizei soll sich das Mädchen jedoch in Widersprüche verstrickt haben. Via Facebook erklärte die Polizei: "Ja, es ist richtig – das Mädchen war kurzzeitig vermisst gemeldet und ist inzwischen wieder zurück." Fakt sei: "Nach den Ermittlungen unseres LKA gab es weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung." Laut Staatsanwaltschaft soll das Mädchen bei der Vernehmung vier verschiedene Versionen der Geschichte erzählt haben.

  • Was ist über das Mädchen bekannt?

Weil das Mädchen noch minderjährig ist, werden dazu keine Angaben gemacht.

  • Warum sorgt der Fall für so hohe Wellen?

Wenige Tage nach dem Fall hatten insbesondere Journalisten des russischen Staatsfernsehens über die angebliche Vergewaltigung berichtet. In einem TV-Beitrag für den Staatssender „Perij Kanal“ erzählt die Tante der 13-Jährigen, das Mädchen sei von drei Männern südländischen Aussehens entführt, 30 Stunden festgehalten und vergewaltigt worden. Dann hätten die Männer das Mädchen auf die Straße geworfen. Dieser und andere Beiträge wurden tausendfach im Internet geteilt.

  • Warum erhebt jetzt sogar die russische Regierung Vorwürfe gegen Deutschland?

Die Aussage der Polizei, es habe keine Vergewaltigung gegeben, wertet der russische Außenminister Sergej Lawrow offenbar als "Vertuschung". Am Dienstag sagte er bei einer Pressekonferenz in Moskau, er hoffe, "dass die Probleme nicht unter den Teppich gekehrt werden". Zudem betonte er die Hoffnung, dass die Wirklichkeit durch die deutschen Behörden nicht "politisch korrekt übermalt" werde wegen "irgendwelcher innenpolitischer Ziele". In Deutschland hatte es am vergangenen Wochenende zudem Demonstrationen von Tausenden Russlanddeutschen in mehreren Städten gegeben, die die gleiche Position einnehmen - und die in dem russischen TV-Beitrag genannte Version als wahr ansehen. Auch vor dem Kanzleramt in Berlin hatten rund 700 Menschen demonstriert.

  • Wie verhält sich die Familie des Mädchens jetzt?

Sie kommuniziert über ihren Anwalt mit der Öffentlichkeit. Dieser wiederholte am Dienstag gegenüber der Berliner Morgenpost Vorwürfe, wonach ein Beamter gegenüber der Familie geäußert habe: "Wir werden nicht ermitteln". Erst danach habe sich die Tante des Mädchens an das russische Fernsehen gewandt. Es gebe zudem ein ärztliches Attest, laut dem der Körper des Mädchens Verletzungsspuren aufweise.

  • Was entgegnen die Behörden?

Die Behörden stellen klar: Es habe keine Vergewaltigung gegeben. Dennoch wird laut Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, ermittelt, "und zwar mit Hochdruck". Und: Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Männer. Es gehe um den Verdacht, dass es vor dem Verschwinden des Mädchens einvernehmliche Sexualkontakte zu den Männern gab, sagte Steltner. Gegen die beiden Männer, die Anfang 20 sein sollen, wird wegen sexuellen Kindesmissbrauchs ermittelt. Die 13-Jährige gilt noch als Kind. "Was in der fraglichen Zeit passiert ist, konnten wir bislang aber nicht klären", so Steltner. Das Mädchen habe widersprüchliche Angaben gemacht.

  • Was sagt Berlins Innensenator?

"Ich bin sehr verwundert über diese Einmischung aus Moskau in laufende Ermittlungen", sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) der Berliner Morgenpost. "Der Vorwurf, die Ermittlungsbehörden würden etwas vertuschen, wird auch nicht richtiger, wenn er ständig wiederholt wird. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln absolut gewissenhaft und nach Recht und Gesetz."