Berlin-Partner-Bilanz

Unternehmen schaffen 6500 neue Arbeitsplätze in Berlin

Bilanz der Wirtschaftsförderagentur Berlin Partner: 723 Millionen Euro wurden 2015 in Berlin investiert. Das sorgt für einen Job-Boom.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

6650 neue Arbeitsplätze und 723 Millionen Euro Investitionen in die Stadt – so lautet die Jahresbilanz des Berliner Wirtschafts- und Technologieförderunternehmens Berlin Partner. 289 Unternehmen hat Berlin Partner im vergangenen Jahr beraten, 99 davon sind neu in die Stadt gezogen. Ein Jahr zuvor waren es noch 58.

„Insgesamt sind in den vergangenen drei Jahren 3000 Technologieunternehmen in die Stadt gezogen“, sagte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) am Montag bei der Vorstellung der Jahresbilanz von Berlin Partner. „Dass dieses Wachstum möglich ist, zeigt, dass wir frühzeitig die Zukunftsthemen besetzt haben.“

>> Kommentar: Investoren kommen an Berlin nicht mehr vorbei

Berlin will auf der "Gewinnerseite" stehen

Der Großteil der Neuansiedlungen fand in den Schwerpunktfeldern der Berliner Wirtschaft statt: Gesundheitswirtschaft sowie Verkehrs- und Umwelttechnologie. Tatsächlich liegen die Investitionen in diesen Schwerpunktgebieten deutlich über den von Berlin Partner vermittelten Investitionen von 723 Millionen Euro. Nach einer Schätzung der Investitionsbank Berlin (IBB) haben Privatunternehmen im vergangenen Jahr insgesamt 20 Milliarden Euro in die Stadt investiert. „Berlin hatte lange die Verliererrolle, jetzt wollen wir auf der Gewinnerseite stehen“, sagte Yzer.

Vor allem in der Entwicklung von Software für die Schwerpunktbereiche der Wirtschaft entstehen in Berlin neue Arbeitsplätze. „Das ist der Treiber des Wachstums“, sagte Berlin-Partner-Geschäftsführer Stefan Franzke. Auch für dieses Jahr erwartet Franzke einen weiteren Zuwachs. Noch in diesem Frühjahr sollen weitere IT-Firmen nach Berlin kommen, darunter renommierte Anbieter von IT-Arbeitsplätzen aus China und Israel.

Wichtige Rolle der Start-up-Szene

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Berlin spielt nach Angaben von Yzer und Franzke weiter die Start-up-Szene in der Stadt. „Junge, internationale Leute ziehen nach Berlin“, sagte Franzke. Mittlerweile setzten auch immer mehr große Unternehmen darauf, Personal aus dieser internationalen Kreativszene einzustellen. „Berlin wird reifer, die Gründerszene verstetigt sich“, sagte Franzke.

Erfreulich aus Sicht der Wirtschaftsförderer ist auch die Tatsache, dass die Stadt beim Bereitstellen von Wagniskapital den bisherigen Marktführer in Europa, London, überholt hat. Allein im vergangenen Jahr investierten demnach Geldgeber 2,1 Milliarden Euro in die Zukunft von jungen Unternehmen in Berlin (London: 1,7 Milliarden Euro). „Dass das zum zweiten Mal in Folge geschieht, hätte vor fünf Jahren noch niemand geglaubt“, sagte Wirtschaftssenatorin Yzer.

Daimler investiert 500 Millionen Euro

Die größte Investition im vergangenen Jahr kündigte der Automobilkonzern Daimler an. Insgesamt 500 Millionen Euro sollen in den Standort Marienfelde investiert werden. Der Autokonzern will Marienfelde zum „Hightechstandort für die Komponentenfertigung“ ausbauen. Andere Unternehmen kündigten ebenfalls nennenswerte Investitionen an. So hätten sich im vergangenen Jahr fünf Entwickler von Computerspielen aus Japan und Korea in der deutschen Hauptstadt angesiedelt. Würth Elektronik aus Baden-Württemberg eröffnete ein Entwicklungszentrum für Bauteile und Anwendungen. Der Medizinspezialist B. Braun Melsungen eröffnete in Neukölln einen neuen Werksteil zur Herstellung von sterilen Injektionslösungen und investiert 50 Millionen Euro.

Wirtschaftssenatorin Yzer kündigte an, dass Berlin weiter auf die Zukunftsbranchen und die Chancen der Digitalisierung in der Hauptstadt setze. Es gehe jetzt darum, „gemeinsam die notwendige digitale Infrastruktur für die Wirtschaft zur Verfügung zu stellen“. Dazu gehörten ein längst überfälliges freies Wlan-Netz in der Innenstadt und die Bereitstellung besonders leistungsfähiger Internetleitungen für Hightechfirmen.

Insgesamt verzeichnet die Berliner Wirtschaft nach Jahren des Niedergangs ein überdurchschnittliches Wachstum. Während die Berliner Wirtschaft im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent wuchs, lag der Bundesdurchschnitt bei 1,7 Prozent. 45.000 Berliner mehr gingen einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach als noch ein Jahr zuvor. Seite 2