Prozess in Moabit

Mit Spritze bedroht: Berliner Serienräuber vor Gericht

Ein mutmaßlicher Räuber steht vor Gericht. Mit Hilfe einer Spritze soll er etwas Geld, Pralinen und Weinbrand erbeutet haben.

Eine Justitia mit verbundenen Augen am Eingang zum Kriminalgericht Moabit. Hier startete am Montag der Prozess

Eine Justitia mit verbundenen Augen am Eingang zum Kriminalgericht Moabit. Hier startete am Montag der Prozess

Foto: Jens Kalaene / dpa

Raub, Erpressung, Diebstahl, Körperverletzung, Nötigung, Einbruch, Hausfriedensbruch, Bedrohung – die Liste der Straftaten, die die Staatsanwaltschaft einem 29-jährigen Berliner vorwirft, ist lang. 17 Einzeltaten listet die Anklage auf, begangen innerhalb von gerade mal fünf Wochen im Mai und Juli vergangenen Jahres. Seit diesem Montag steht der 29-jährige Can Ö. deshalb in Moabit vor Gericht.

Der Anklage zufolge ist Ö. fast ausschließlich im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf aktiv gewesen. Die Raubtaten hat der mutmaßliche Täter dabei vor allem in U-Bahnhöfen begangen, andere Delikte in diversen Geschäften des Bezirks.

Dabei sollen die Raubopfer in vielen Fällen mit einer mit roter Flüssigkeit gefüllten Spritze bedroht worden sein. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zwang Ö. sie auf diese Weise, ihm Bargeld auszuhändigen oder von nahen Geldautomaten abzuheben.

Nur wenige Euro Beute gemacht

„Das ist heute nicht dein Glückstag“, mit diesem Standardsatz soll der 29-Jährige seine Opfer angesprochen haben. Echte Glückstage waren es für den mutmaßlichen Täter allerdings auch nicht. Die Beute blieb in den allermeisten Fällen eher bescheiden. Mal waren es fünf, mal zehn, mal 20 Euro.

Ein Opfer, dem der Angeklagte gedroht haben soll, ihm mit einem „riesigen“ Messer den Kopf abzuschneiden, ließ sich immerhin zur Herausgabe von 50 Euro bewegen. Ein anderes hob 40 Euro vom Geldautomaten ab, mehr gab der Kontostand nicht her.

27 Flaschen Weinbrand, 14 Schachteln Pralinen

Auch die anderen Delikte, hauptsächlich begangen in Geschäften und Cafés waren für den Täter alles andere als ergiebig. 27 Flaschen Weinbrand bei Lidl, 14 Schachteln Pralinen bei Netto, diverse Kleinartikel beim Drogeriemarkt dm – das waren die typischen Resultate solcher Beutezüge. Heraus ragte lediglich ein Laptop im Wert von 300 Euro, den er einem Gast in einem Café entwendete.

Zum Prozessauftakt erklärte der Angeklagte, er werde sich zu den Vorwürfen äußern. Das kann er allerdings erst am nächsten Verhandlungstag tun, am Montag fehlte der medizinische Sachverständige. Der wird benötigt, weil eine Drogensucht des 29-Jährigen im Raum steht, bei der die Taten der Beschaffungskriminalität zuzuordnen wären.