Körperwelten

"Menschen-Museum": Kinder können Anatomie an Leichen lernen

Kinder können in der Schau von Plastinator Gunther von Hagens in Berlin Anatomie-Kurse besuchen. Die Kirche übt scharfe Kritik.

Eines der Exponate des umstrittenen Plastinators Gunther von Hagen

Eines der Exponate des umstrittenen Plastinators Gunther von Hagen

Foto: A3250 Oliver Berg / dpa

Kinder haben manchmal abenteuerliche Berufswünsche. Sie wollen Schauspieler werden, Astronauten, Feuerwehrmänner oder Tierpfleger. Oder auch Arzt. Um Mädchen und Jungen zum Medizinstudium zu motivieren, bietet das „Menschen-Museum“ am Alexanderplatz von Februar an „Anatomie-Workshops“ für Kinder zwischen acht und 12 Jahren an. Kostenpunkt: 30 Euro.

Dabei wird „die Gelegenheit zu spannenden Einblicken und Auseinandersetzung mit dem Körper und dessen Funktionen“ versprochen. „Unter der fachkundigen Anleitung eines Mediziners lernen die Kinder, wie der menschliche Körper aufgebaut ist und funktioniert.“

Das „Menschen-Museum“ am Fernsehturm am Alexanderplatz ist eine Schau mit präparierten Leichen von Menschen, die ihren Körper nach ihrem Tod an den Plastinator Gunther von Hagens gespendet haben.

Der Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte, Bertold Höcker, übt scharfe Kritik: „Das ist für die Kinder keine Einführung in dem Umgang mit dem Tod. Hier handelt es sich um eine reine Zur-Schau-Stellung von Verstorbenen“, sagte er dem „Berliner Kurier“.

Betrieb läuft nach Gerichtsentscheidung erstmal weiter

Das „Menschen Museum“ sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen. Der Bezirk Mitte versucht seit mehr als einem Jahr vehement, die Schau zu stoppen. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) kam im Dezember in dem Streit zu dem Schluss, dass das „Menschen-Musuem“ eine Genehmigung braucht. Diese verweigert der Bezirk aber und verweist auf das Bestattungsgesetz, demzufolge Leichen bestattet werden müssen.

Der Betrieb läuft aber vorerst weiter. Der Urteilsspruch wurde erst in der vergangenen Woche zugestellt. Erst jetzt könnten die Anwälte des Museums weitere Schritte prüfen.