Ernst-Reuter-Platz

Frau vor U-Bahn gestoßen - Was bisher bekannt ist

In Berlin ist eine Frau vor eine U-Bahn gestoßen worden. Was wir bisher wissen - und was nicht.

Ein Polizeifahrzeug vor dem U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz

Ein Polizeifahrzeug vor dem U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz

Foto: Foto: ABIX / ABIX

  • Was ist geschehen?
    Ein Mann hat eine 20-Jährige auf dem U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen.
  • Wann ereignete sich die Tat?
    Am Dienstagabend, gegen 23.40 Uhr.
  • Was geschah dabei?
    Laut der Staatsanwaltschaft Berlin hat der Täter regelrecht Anlauf genommen, bevor er die junge Frau vor die U-Bahn stieß. Die 20-Jährige stürzte vor den Zug, wurde überrollt und dabei so schwer verletzt, dass sie noch im U-Bahnhof starb.
  • Konnte der Tatverdächtige gestellt werden?
    Zeugen hielten den Mann fest, bis die Polizei eintraf und den 28-Jährigen festnahm.
  • Wie geht es der U-Bahn-Fahrerin?
    Die U-Bahn-Fahrerin erlitt einen schweren Schock und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Sie wurde psychologisch betreut.
  • Kannten sich Täter und Opfer?
    Die Polizei geht davon aus, dass Täter und Opfer sich nicht kannten.
  • Woher kommt der Mann?
    Der Mann ist laut Staatsanwaltschaft gebürtiger Hamburger und war erst seit zwei Stunden in Berlin. Er hatte versucht, in einer Obdachlosenunterkunft an der Franklinstraße unterzukommen. Dort wurde er jedoch zum Bahnhof Zoo geschickt. Warum er sich auf dem U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz aufhielt, ist unklar.
  • Was geschieht jetzt dem Tatverdächtigen?
    Der 28-Jährige wurde in eine psychiatrische Klinik gebracht. Es gibt Gerüchte, dass es sich bei dem Mann um einen Drogensüchtigen handelt. Die Polizei konnte das bislang nicht bestätigen. Ein Bluttest hat mittlerweile ergeben, dass er nicht unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol stand.
  • Ist der 28-Jährige polizeibekannt?
    Ja. Der Angreifer habe bereits als Jugendlicher 2002 eine schwere Straftat, eine gefährliche Körperverletzung und Raub, begangen, so die Berliner Staatsanwaltschaft. Zudem habe es weitere Verfahren gegen ihn in Hamburg gegeben.
  • Ist der Mann schuldfähig?
    Laut der Staatsanwaltschaft ist der Mann vermutlich nicht schuldfähig. Er habe schon einmal vor Gericht gestanden, sei aber wegen Schuldunfähigkeit nicht verurteilt worden. Die Schuldfähigkeit könne etwa davon abhängen, ob der Verdächtige unter einer Persönlichkeitsstörung leidet, drogen- oder alkoholabhängig ist oder womöglich Stimmen hört, wie die Berliner Psychologin Isabella Heuser erläutert. „Auch ein psychisch Kranker kann voll schuldfähig sein, wenn er zum Beispiel aus Frust gehandelt hat.“ Laut der Staatsanwaltschaft leider der Mann an einer Erkrankung im Schizophrenie-Bereich.
  • Kommt er in eine psychiatrische Klinik oder ins Gefängnis?
    Am Mittwochabend wurde entschieden, dass er in eine psychiatrische Klinik kommt.
  • Warum hat er die Frau gestoßen?
    Das ist zurzeit noch völlig unklar. Die Polizei wertet die Videoaufnahmen aus dem U-Bahnhof aus, um zu erfahren, ob es vorher einen Streit zwischen dem Mann und der Frau oder eine Belästigung gegeben hat. Der Täter schweigt bislang in den Vernehmungen.
  • Wie laufen die Ermittlungen?
    Die Polizei sucht weiter Zeugen der Tat: Hinweise nimmt die 5. Mordkommission des Landeskriminalamtes an der Keithstraße 30 in Tiergarten unter der Telefonnummer (030) 4664 - 911 555 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.
  • Wie reagiert die Politik auf den Fall?
    Berlins Innensenator Frank Henkel zeigte sich tief bestürzt: „In meinem Amt ist man immer wieder mit unfassbaren Gewalttaten konfrontiert. Aber dieses Verbrechen sticht in seinem Wahnsinn noch einmal heraus. Das ist eine entsetzliche Tat.“Nach bisherigen Erkenntnissen war der mutmaßliche Täter zuvor in mehreren norddeutschen Bundesländern auffällig. Henkel: „Es muss die Frage gestellt werden, warum dieser Mann mit seiner Vorgeschichte nicht frühzeitiger gestoppt wurde.“
  • Und wie reagiert die Hamburger Justiz auf die Vorwürfe?
    Die Hamburger Justizbehörde zeigte sich erschüttert. „Bisher haben wir allerdings keine ausreichend gesicherten Informationen zum mutmaßlichen Tatverdächtigen“, sagte der Leiter des Präsidialstabes der Hamburger Justizbehörde, Thomas Baehr, am Mittwochabend im „Hamburg-Journal“ des NDR Fernsehens. „Wir werden nun zunächst klären, ob und inwieweit der mutmaßliche Täter überhaupt in den letzten Jahren in Kontakt mit Hamburger Behörden gestanden hat.“
  • Hätte man die Tat mit Sicherheitsmaßnahmen verhindern können?
    „Sowas kann man nicht verhindern“, sagt ein Sprecher der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). „Unsere Wunschvorstellung wäre, dass es für Bahnsteige Zugangseinrichtungen wie Drehkreuze an Bahnsteigen gäbe.“ Zugang hätten dann nur Menschen mit Fahrkarte und auch eine gefährliche Überfüllung der engen Bahnsteige lasse sich so verhindern. Doch das sei, so der GDL-Sprecher, schon aus Platzgründen eine Utopie.