Berlin

Kompromiss mit Zugeständnissen für Oeynhausen

Groth Gruppe bebaut die Hälfte der Kolonie mit 900 Wohnungen, die andere Hälfte bleibt mit 150 Parzellen dauerhaft erhalten

Es war im Juni 2008, als mehr als 100 Kleingärtner der Kolonie Oeynhausen ins Rathaus Wilmersdorf stürmten, um gegen eine Bebauung zu protestieren. Seitdem wurde gestritten. Gerichtlich, politisch, persönlich. Am Dienstag nun präsentierten das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, der Investor und der Bezirksverband der Kleingärtner Berlin-Wilmersdorf e. V. den Kompromiss, auf den sich alle geeinigt haben. Auch die Bezirksverordneten von CDU, SPD und Grünen stimmten zu, die Piraten nach Auskunft des Bezirksamtes nicht. Von den fraktionslosen Bezirksverordneten lag am Dienstagmittag noch keine Stellungnahme vor.

Danach dürfen 150 Kleingärtner ihre Parzellen in der Schmargendorfer Kolonie behalten, die andere Hälfte muss allerdings zügig bis zum Ende des Monats geräumt werden. Sie wird bebaut. Mit 900 Miet- und Eigentumswohnungen, welche die Groth Gruppe parallel zur vorhandenen Bebauung an der Cunostraße errichten wird. Darunter sollen auch 65 preisgebundene Wohnungen sein. Der Baubeginn ist schon für das vierte Quartal in diesem Jahr geplant. Und es gilt schon jetzt als das größte Wohnungsbauvorhaben des Bezirks.

Wer sich bei diesem Kompromiss an den aus dem Jahr 2013 erinnert, liegt richtig. Allerdings sollten damals 700 Wohnungen gebaut werden mit einer Gesamtfläche von 79.000 Quadratmetern. Heute dürfen dort 90.000 Quadratmeter Geschossfläche entstehen. Die Höhe bleibt bei maximal sechs Geschossen und wird die Nachbarhäuser nach Auskunft von Groth-Geschäftsführer Henrik Thomsen nicht überragen. Der zusätzliche Platz werde durch mehr Tiefe erreicht. Im Unterschied zum damaligen Vorschlag, für den sich Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) stark machte, wird der Eigentümer das Kleingartengelände jetzt nicht mehr der öffentlichen Hand überlassen, sondern behalten. Die Kleingartenflächen werden aber planungsrechtlich mit einem Bebauungsplan als solche gesichert.

Dass beim jetzigen Kompromiss Zugeständnisse gemacht wurden, lag nach Auskunft von Marc Schulte daran, dass die Verhandlungsposition durch die gerichtlichen Entscheidungen zugunsten der Groth Gruppe gestärkt worden war. Sie hatte im vergangenen Jahr juristisch klären lassen, dass Baurecht für die gesamte Fläche besteht und vor Gericht gewonnen. Das Baurecht sieht einen dreigeschossigen Wohnungsbau auf der gesamten Fläche vor. Als neue Eigentümerin des rund 90.000 Quadratmeter großen Areals – sie hatte es nach Angaben einer Sprecherin für einen zweistelligen Millionenbetrag vom Unternehmen Lorac erworben, das es einst von der Post für rund 600.000 Euro gekauft hatte – war die Groth Gruppe dennoch einem Kompromiss gegenüber aufgeschlossen.

Bis spätestens Mitte 2018 muss das Vorhaben genehmigt werden

Zum Kompromiss gehört, dass die Groth Gruppe einen neuen Platz baut, außerdem auf einem kleinen Stück an der Forckenbeckstraße (dem sogenannten Entenschnabel) eine Kita errichtet mit bis zu 80 Plätzen und ein neues Vereinsheim für die Kleingärtner. Außerdem zahlt sie 1,036 Millionen Euro für 28 Schulplätze, die durch den Wohnungsbau nötig werden. Sollte jedoch bis Juni 2018 kein Baurecht festgesetzt worden sein, hat Groth eine Rücktrittsmöglichkeit und könnte die gesamte Fläche bebauen.